Teilnehmer zeigen sich begeistert Mittelmaß ist langweilig

Südwestpfalz · Der Unternehmertag der Wirtschaftsförderungsgesellschaft war gut besucht. 

 Kurzweilig vermittelte Hermann Scherer beim Unternehmertag seine Ratschläge und animierte die Zuhörer sogar dazu, Luftballons aufzublasen.

Kurzweilig vermittelte Hermann Scherer beim Unternehmertag seine Ratschläge und animierte die Zuhörer sogar dazu, Luftballons aufzublasen.

Foto: Norman Fritzinger

Zum vierten Mal seit 2011 fand der kreisweite Unternehmertag im Bürgerhaus Waldfischbach-Burgalben unter der Regie der Wirtschaftsfördergesellschaft (WFG) Südwestpfalz statt. Mit dabei waren wieder zahlreiche Unternehmer aus der Südwestpfalz. Im Mittelpunkt stand der Vortrag des Unternehmensberaters Hermann Scherer zum Thema „Jenseits vom Mittelmaß“. Seine Botschaften verbreitete Scherer in seinem kurzweiligen Vortrag ganz im Stile einer Standup-Comedy. „Du musst nichts tun, um erfolgreich zu sein, sondern einfach nur die Dinge weglassen, die Dich nicht erfolgreich machen“, sieht der 53-Jährige etwa 80 Prozent aller unternehmerischen Fehlentscheidungen in Fehlinvestitionen und Festhalten an Althergebrachtem begründet.

Leistung dagegen definierte er als „Arbeit minus Störfaktoren“. Da lediglich etwa 20 Prozent der Arbeitszeit für den Geschäftserfolg verwendet werde, gelte es einen Fokus dafür zu entwickeln, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Wichtig sei auch nicht perfekt, sondern absolut pragmatisch zu sein. Menschen seien grottenschlecht darin, Dinge zu entwickeln, wohingegen sie ein großes Talent besäßen, Dinge zu verbessern.

„Fordern Sie schlechte Qualität!“, riet Scherer, am Anfang von Prozessen nicht auf die Qualität zu schauen, sondern Ideen zu generieren und diese dann weiterzuentwickeln und zu perfektionieren.

Ein ebenso häufiger Fehler sei das lösungsorientierte Denken und Handeln. Viel wichtiger dagegen sei ein Gespür dafür zu entwickeln, was ein Problem ist, es zu erkennen und dafür dann effiziente Abhilfe zu schaffen. Als Beispiel zeigte er einen dänischen Videoclip, in dem Babies und Kleinkinder eine aufgeräumte Wohnung innerhalb kürzester Zeit verwüsten – der sich schließlich als Werbung für Verhütungsmittel entpuppte. „Jedes Problem ist ein noch nicht gegründetes Unternehmen, Serviceleistung oder Produkt“, legte der Unternehmensberater am Ende seines rund anderthalbstündigen Vortrages dem Publikum ans Herz, scheinbare Regeln zu durchbrechen, ins „mentale Chaos“ zu gehen und ganz wie Kinder Luftschlösser zu bauen, um der Kreativität freien Lauf zu lassen und sie nicht von vorneherein durch verfestigte Denkschemata zu beschneiden. Schließlich sei Mittelmaß ein Synonym für „normal“. „Und das ist der kleine Bruder von langweilig“, so Scherer.

Beeindruckt von der Veranstaltung und dem überragenden Besuch zeigten sich Landrätin Susanne Ganster und die WFG-Geschäftsführerin Miriam Heinrich. „Die Wirtschaftsregion Südwestpfalz hat auf Basis ihrer Leitbilder ihre Positionierung intensiver ausgebaut und trotz schwieriger Ausgangs- und Rahmenbedingungen wie den Niedergang der Schuhindustrie und den Abzug der alliierten Streitkräfte innovative Produkte und Dienstleistungen wie auch neue Arbeitsplätze geschaffen“, würdigte Ganster die Leistung der heimischen Unternehmer.

„Ich war heute zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal dabei“, zeigte sich Arnold Schura, Geschäftsführer der Firma Poly-Tools in Donsieders, vom Unternehmertag begeistert. Nicht nur das Referat, sondern auch die Veranstaltung an sich sei sinnvoll und ein gutes Forum, um mit anderen Unternehmern in persönlichen Kontakt zu kommen und Netzwerke aufbauen zu können. Als Wunsch für kommende Veranstaltungen nannte Schura einen Vortrag zum Thema Mitarbeiter. „Denn qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu verhindern, dass sie von zahlungskräftigen Unternehmen abgeworben werden, ist ein Problem, das auf uns zurollt“, erklärte der Chef des Donsiederer Unternehmens.

Nicht weniger zufrieden zeigte sich auch der Geschäftsführer der Waldfischbach-Burgalbener Gemeindewerke, Martin Pfeifer. Seit Anbeginn dabei, habe er den Eindruck, dass die Veranstaltung von Mal zu Mal besser werde. „Für mich habe ich mitgenommen, dass Mittelmaß den Erfolg und den Fortschritt hemmt. Denn in der Mitte bewegen sich einfach zu viele“, so Pfeifer.

Als „tolles Modell“, das sich etabliert habe, bewertete der Landtagsabgeordnete und zweite Kreisbeigeordnete Christof Reichert die Veranstaltung. Neben den Referaten, die wichtige Impulse an die Unternehmer sendeten, sei die Begegnungsmöglichkeit der Teilnehmer aus regionaler Wirtschaft und Politik einer der wichtigsten Inhalte, wodurch sich im lockeren Austausch Netzwerke bildeten. Gelernt habe er beim Vortrag, vielleicht noch etwas mehr über den Tellerrand zu schauen, querzudenken und dafür manche verkrustete Denkschemata zu hinterfragen. „Und die Kunst ist zu versuchen und zu schaffen, das Machbare umzusetzen“, sagte Reichert.

Den musikalischen Rahmen zu der interessanten Veranstaltung lieferten die Jazz-Kids der Kreismusikschule Südwestpfalz unter der Leitung von Uli Geßner.

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