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Mit Asylbewerbern Freundschaft geschlossen

Mit Asylbewerbern Freundschaft geschlossen

Ein Besuch in Käshofen lohnt sich besonders zu Fuß und in aller Ruhe. Dann entdeckt man auch all die schönen alten Bauernhäuser, die mit viel Liebe und viel Arbeit wieder hergerichtet wurden und dadurch heute mit ihrem Aussehen zu einem gemütlichen Dorfbild beitragen.In einem ehemaligen Bauernhaus wohnt auch Birgit Colesie.

Ein schon schmuck saniertes Bauernhaus in Käshofen. Fotos: N. Lang

Das hatte sie vor vielen Jahren mit ihrem (zwischenzeitlich verstorbenen) Mann gekauft und Stück für Stück umgebaut.

Auf ihrem Lieblingsplatz, der Terrasse, blättert sie durch ein altes Fotoalbum, das all die Veränderungen dokumentiert, wie die Neueindeckung des Daches oder den Abriss des Heustalls, der jetzigen Terrasse. Daneben schlummert Hund Riva entspannt im Schatten.

Mit viel Liebe zum Detail und in unzähligen Stunden Eigenleistung sanierten Colesies ihr großes Bauernhaus und schufen auch drum herum einen Ort zum Wohlfühlen. An den Hühnerstall hinter dem Haus und die Hühner erinnern heute nur noch die bunten Blechhühner, die den Garten dekorieren.

Birgit Colesie wohnt aber keinesfalls alleine in dem großen Haus. Im Dachgeschoss wohnt noch die Tochter mit Ehemann. Außerdem gibt es noch eine Wohnung im Keller, in der zuvor die Mutter wohnte, die vor einigen Monaten verstorben ist. Als die Frage im Raum stand, was mit der Wohnung nun geschehen soll, entschlossen sich Birgit Colesie und ihr Mann Udo, etwas Gutes zu tun, nachdem sie während der Krebserkrankung von Udo Colesie selbst viel Hilfe erfahren, ja sogar einen Knochenmarkspender gefunden hatten. Und so meldeten sie sich auf ein Zeitungsinserat, in dem nach Wohnungen für Asylbewerber gesucht wurde. Nur einen Tag später zogen in die 100 Quadratmeter große Wohnung sechs Asylbewerber ein. Vier Männer aus Syrien, zwei aus Somalia. "Man lernt jetzt sehr viel über die Kulturen", schwärmt Birgit Colesie und versichert "wenn bei uns jemand ins Haus kommt, gehört er zur Familie". Und so hat sich zwischen ihr und "ihren sechs Jungs" sogar eine Freundschaft entwickelt, in der gegenseitig aufeinander geachtet und geholfen wird. "Unsere Sechs werden schon ein bisschen verwöhnt", erzählt Birgit Colesie mit einem Augenzwinkern. Das findet sie aber genau richtig so, auch wenn ihr vor einem möglichen bevorstehenden Abschied schon jetzt etwas schmerzt. Seit Dezember sind die sechs Männer nun Teil des Hauses, helfen beim Holz machen oder bekochen sich gegenseitig. Das ist für Birgit Colesie immer wieder spannend.

In Käshofen sind insgesamt 20 Asylbewerber untergebracht, die sich alle stark in das Ortsleben integrieren und Freundschaften entwickeln, auch ohne die gleiche Sprache zu sprechen. "In Käshofen wird für die Flüchtlinge viel getan", lobt Colesie. So erhalten sie jeden Tag Deutschunterricht von pensionierten Lehrerinnen, dürfen in den Vereinen kostenlos mitwirken oder sich im Winter im Schlittenfahren ausprobieren. Selbst in das bevorstehende Dorffest sind sie involviert.

So wundert es nicht, dass die Asylbewerber von sich selbst bereits als "Käshofer" sprechen, wie Birgit Colesie erzählt. Über die Entscheidung, die Wohnung dafür zur Verfügung zu stellen, und damit sechs starke Männer im Haus zu haben, ist sie jedenfalls auch heute noch froh. Nicht zuletzt, weil ihr Mann Udo vor wenigen Monaten den Kampf gegen die Krankheit verloren hat. Und auch hier sieht Birgit Colesie das Positive an ihrem Wohnort: "Ich lebe auch gerne in Käshofen, weil dort mein Mann beerdigt ist und es so viele nette Käshofer gegeben hat, die geholfen und mich durch diese schwere Zeit getragen haben."

Wie viel Arbeit es ist, ein altes Bauernhaus umzubauen, erfährt derzeit auch die Familie Buchholz. Die vierköpfige Familie hat vor fast einem Jahr ein Haus in der Ortsmitte gekauft. Die Vier aus dem Norden kamen nach Zweibrücken, weil York Buchholz hier bei der Bundeswehr stationiert wurde. Dabei hat sich die Familie in Käshofen verliebt, wo sie bis zum Umzug nur wenige Meter von dem gekauften Haus entfernt in Miete wohnen. Am liebsten wollte die Familie ein Haus in Käshofen kaufen, darum freut sich Steffi Buchholz auch über den "Glücksgriff", den sie mit dem Haus und dem dazugehörigen geschützten Garten machten.

Dieser Glücksgriff war auch darum möglich, weil in Käshofen jeder den Anderen kennt, und so war der Hauskauf am Ende unproblematisch.

Dass die Familie noch in diesem Herbst, spätestens aber im Winter hier einziehen will, bedarf im Augenblick noch einiger Fantasie. Mit dieser lässt sich aber trotzdem schon jetzt erahnen, was aus dem Sandsteinhaus, das circa um das Jahr 1870 erbaut wurde, einmal werden kann. Anfangs sollte erst mal nur das Dach gemacht werden, und die Fenster, und ja, auch die Elektrik. Dann kam aber eines zum Anderen, erzählt Steffi Buchholz - und nun ist daraus doch ein kompletter Umbau geworden. Die Familie saniert zwar das Häuschen, lässt den alten Charakter aber bestehen. So dürfen die Wände auch in Zukunft etwas schief bleiben und auch der alte Dielenboden bleibt, erhält aber eine Aufwertung. Damit das Ganze nachher auch gut in das Ortsbild passt, arbeiten sie mit dem Projekt für Dorferneuerung zusammen.

Im Ort sind alle vier Zugezogenen jetzt schon gut angekommen und wurden ganz nebenbei sogar zu leidenschaftlichen Reitern. "Wir wollten auf jeden Fall in einem Dorf wohnen, das ist für uns eine Lebenseinstellung", erzählt Steffi Buchholz. In Käshofen hat die Familie das gefunden, was sie gesucht hat.