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Merkur-Wetter-Experte Michael Agne über Kapriolen des April

Wetter-Experte Agne über Kapriolen : „Der April ist endlich wieder ein launischer Geselle“

Schnee nach Ostern: Das ist gar nicht so extrem selten, sagt Merkur-Wetterfrosch Michael Agne. Aber die Menschen seien zuletzt sehr verwöhnt worden. In den nächsten Tagen stehe spannende Entwicklung an: Es schneit weiter — oder es wird warm.

„Der April, der April, der macht, was er will.“ Dieser Kinderreim dient seit jeher als Eselsbrücke, damit man sich merken kann, welch launischer Monat der April sein kann. Aber mal Hand aufs Herz: Wer hat in den vergangenen Jahren diesen Reim noch ernst genommen? Bereits Ende Februar schnaufen die meisten schon genervt, wenn das Thermometer noch keine 20 Grad Celsius anzeigt. Und spätestens im April, so die Vorstellung, will man mit kurzer Hose und T-Shirt am Schwenker stehen und leckere Würste im Freien brutzeln.

Und jetzt das! Durch die Zweibrücker Allee pfeifte am Mittwoch ein Wind, der derart eisig war, dass man jeden einzelnen Knochen im Leib klappern hören konnte.

In der Fußgängerzone tanzten die Weißröckchen zart vom Himmel und fielen – wie zum Spott – auf verwaiste Tische und Stühle im Freien.

Und so hatten die Bürger der Rosenstadt am Mittwoch seit längerer Zeit endlich mal wieder ein anderes Gesprächsthema als nur „Corona“ – nämlich das Wetter.

Michael Agne, Wetterexperte des Pfälzischen Merkur, schaute am Mittwoch genauso gebannt gen Himmel wie viele andere Menschen. Und beobachtete nicht minder fasziniert die Schneeflocken in der Luft. Aber sein Fazit dürfte sich doch erheblich von dem seiner Mitmenschen unterscheiden.

„Der April ist endlich wieder ein launischer Geselle“, frohlockte der Wetterfrosch im heimischen Lambsborn, wo er seine Wetterstation aufgebaut hat und Woche für Woche für die Merkur-Leser mit hoher Präzision seine Prognosen abgibt (so auch diesmal – denn in seiner letzten Kolumne hatte Agne den Wintereinbruch vorhergesagt).

Aber: Schnee nach Ostern, ist das normal? „Wir haben April“, merkt er an. Die Menschen seien zuletzt zu verwöhnt gewesen, zu Ostern 2020 (eine Woche später als dieses Jahr) seien es 20 bis 25 Grad gewesen. Das sei „beachtlich“ gewesen. „Aber im April ist eine frühsommerliche Phase genauso möglich wie ein spätwinterliches Phänomen“, gibt Agne, der beim Deutschen Wetterdienst ausgebildet wurde und im Anschluss noch als Mitarbeiter tätig war, eher er sich selbständig machte, zu bedenken.

Sicher: Vor gut einer Woche seien es in unserer Region ebenfalls 20 bis 25 Grad gewesen, wie an Ostern 2020; „Luftmassen aus Afrika“, bescherten uns diese warmen Tage Ende März, Agne sagt, es sei gar „Wüstenstaub“ in der Atmosphäre zu beobachten gewesen. Von Wüstenstaub zu Schneeflocken – ein Wechselbad der Gefühle. Es sei Ende März zu warm gewesen, sagt Agne. Seit über 25 Jahren zeichne er das Wetter in unserer Region auf, er habe Rekordwerte verzeichnet.

„Wir stehen jetzt vor einer spannenden Wetterlage“, sagt Agne. Für das Wochenende, möglicherweise erst für Sonntag und Montag, erwartet er eine „intensive Luftmassengrenze“. Je nachdem, ob, laienhaft ausgedrückt, unsere Region die Vorderseite oder die Rückseite dieser Grenze abbekommt, kann es dann in der nächsten Woche bei uns frühsommerlich warm werden – oder aber es gibt den nächsten „polaren Kaltlufteinbruch“.

 In Lambsborn, wo Michael Agne seine Wetterstation betreibt, blieb der Schnee am Mittwoch an einigen Stellen zeitweise ein bis zwei Zentimeter dick liegen.
In Lambsborn, wo Michael Agne seine Wetterstation betreibt, blieb der Schnee am Mittwoch an einigen Stellen zeitweise ein bis zwei Zentimeter dick liegen. Foto: Michael Agne

Das sind ja Aussichten!