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Mehr Infizierte durch neue Zählweise

Corona im Landkreis Südwestpfalz : Mehr Infizierte durch neue Zählweise

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Brigitte Freihold will mehr Tests für die Südwestpfalz.

Obwohl gestern keine Neuinfektion im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes bestätigt wurde, steigt die Gesamtzahl um drei auf nun 171 Infizierte an. Es handele sich um eine „statistische Berichtigung“, erklärte Landrätin Dr. Susanne Ganster. Neue Vorgaben in der Datenbank durch das Robert-Koch-Institut (RKI) sorgen dafür, dass drei Personen nun als Covid-19-Kranke geführt werden. „Wir müssen diese Zählweise vom RKI übernehmen. Dr. Heinz-Ulrich Koch vom Gesundheitsamt hat mit dem RKI gesprochen und ihm wurde das so mitgeteilt“, informierte Ganster. In der Datenbank wurden Covid-19-Fälle bis zur Umstellung jeweils auch als weitere bedrohliche Krankheit eingegeben. Beim Datenabgleich fiel nun die abweichende Verschlüsselung innerhalb dieser Sammelrubrik in vier Fällen auf. Dass es letztendlich nur drei Fälle sind liegt daran, dass ein positiv gemeldeter Fall in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land sich als negativ erwies.

Von den 171 Infizierten waren Stand Donnerstag 159 Personen genesen, drei starben am Coronavirus, so dass es im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Südwestpfalz, zu dem die Städte Pirmasens und Zweibrücken sowie der Landkreis gehören, noch 13 Personen infiziert sind.

Anderer Meinung als die Linke-Bundestagsabgeordnete Brigitte Freihold ist Ganster bei Testungen auf das Coronavirus. Für Freihold lassen sich von den im Corona-Testzentrum in Höhfröschen positiv getesteten Personen keine Rückschlüsse auf die Bevölkerung von 170 000 Menschen in der Südwestpfalz ziehen. „Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen“, teilt Freihold mit und fordert die Kreisverwaltung auf, die Kapazitäten im Testzentrum nicht zu reduzieren, sondern diese deutlich auszuweiten. „Auch auf Menschen ohne Symptome“, so die Bundestagsabgeordnete. Eine vom Coronavirus freie Südwestpfalz erhalte man nicht, indem man immer weniger, sondern mehr teste, meint Freihold. „Blindes Durchtesten hat wenig Sinn“, entgegnet die Landrätin, die sich auf die Expertise von Dr. Koch verlässt. Tests seien auch nur Momentaufnahmen.

Noch keine Antwort hat die Landrätin auf das Schreiben an das Bundesinnenministerium, in dem sie die Öffnung der Grenzen in Kröppen in der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land und Hirschtal in der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland fordert. Nicht bestätigen könne sie die Information, dass die Bundespolizei hierfür freie Kapazitäten habe. Ihr Stand sei, dass es nicht genügend Kapazitäten gebe. Nochmals ging Ganster auf die personelle Verstärkung beim Gesundheitsamt ein, die seit Ende April zur Verfügung stehen, darunter ein sogenannter „Containment-Scout“ vom RKI und drei „Infektionshelfer“, die vom Medizischen Dienst der Krankenversicherungen kommen und für acht Wochen unterstützen. Mit der Erhöhung der Personalstärke sei sie derzeit zufrieden. Klar müsse aber auch sein, dass das Gesundheitsamt langfristig eine Entlastung brauche.

„Grundsätzlich brauchen wir aber dauerhaft vier bis sechs Personen, bei einer einjährigen Lage, wie von Dr. Koch vermutet“, machte Susannne Ganster klar. Benötigt wird das zusätzliche Personal besonders für die Nachverfolgung von Infektionsketten. Räumlichkeiten für die Personalaufstockung stünden im Banana-Building und im weiteren Schritt in der früheren Realschule plus in Wallhalben, wo derzeit das Notfall-Lazarett eingerichtet ist, zur Verfügung.