Mehr Eigenverantwortung!

Hornbach. "Wir sind das Volk!" Mit diesem Ruf läuteten vor zwei Jahrzehnten die Bürger Leipzigs die Revolution in der DDR ein. Der Ruf sollte heute für jeden Auftrag sein, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, appellierte Landrat Hans Jörg Duppré beim Neujahrsempfang des Landkreises Südwestpfalz an die Bürger, sich für die Allgemeinheit einzusetzen

Hornbach. "Wir sind das Volk!" Mit diesem Ruf läuteten vor zwei Jahrzehnten die Bürger Leipzigs die Revolution in der DDR ein. Der Ruf sollte heute für jeden Auftrag sein, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, appellierte Landrat Hans Jörg Duppré beim Neujahrsempfang des Landkreises Südwestpfalz an die Bürger, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Duppré lobte vor rund 350 Gästen in der Hornbacher Pirminiushalle zwar, dass viele Bürger dies in Vereinen, Kirchen, Parteien, Bürgerinitiativen oder bei der Nachbarschaftshilfe beherzigten. Doch das ehrenamtliche Engagement lasse deutlich nach: "Es wird immer schwieriger, für verantwortliche Positionen Persönlichkeiten zu gewinnen." Dies gelte auch für die Gemeinderäte. Mancherorts sei es sogar schwierig gewesen, einen Bürgermeister-Kandidaten ausfindig zu machen.Dabei kommt es nach Meinung Dupprés in der krisenhaften Situation "auf jeden Einzelnen an". In der Vergangenheit hätten sich die Bürger angewöhnt, alles vom Gemeinwesen, vom Staat, von der Kommune zu fordern. Der Landrat mahnte ein Umdenken an.

Das bedeute beispielsweise, dass man nicht ständig bessere soziale Leistungen, umfassende Kinderbetreuung, die Sicherung der Schulstandorte oder eine perfekte Infrastruktur einfordern könne und sich gleichzeitig darüber beklagen, dass Staat und Kommune Steuern und Gebühren wollten. Duppré: "Natürlich bedeutet dies konkret, dass wir unsere Ansprüche reduzieren müssen, und zwar in allen genannten Bereichen. Dies wird nicht ohne empfindliche Veränderungen vonstatten gehen." Nach Auffassung Dupprés müssen sich die Gemeinden darauf besinnen, "was möglich und dauerhaft leistbar ist. Wir dürfen unseren Bürgern nichts versprechen, was wir nicht auf Dauer gemeinsam schultern können." Der Landrat appellierte an die Bürger, "die Veränderungen zu akzeptieren, eigenverantwortlich darüber zu entscheiden, was für uns richtig ist, es dann auch gemeinsam zu tragen". Duppré erwähnte auch den Beschluss des Landkreises, sich selbst um die Arbeitslosengeld-2-Empfänger zu kümmern: "Wir fühlen uns als kommunale Gemeinschaft verantwortlich für die, die in einer besonderen Situation der Unterstützung, aber auch der Herausforderung bedürfen." Der Flächen-Landkreis fühle sich auch verpflichtet, ein gutes und immer noch wohnortnahes Schulangebot zu organisieren. Denn dies schaffe gute Startchancen für die Jugendlichen.

Musikalisch umrahmt wurde der Empfang vom Gitarrenensemble "String Walker" der Kreismusikschule.

"Es wird immer schwieriger, für verantwortliche Positionen Persönlichkeiten zu gewinnen."

Hans Jörg Duppré