Martinsfest in Martinshöhe : Das Hochfest für den Namensgeber

In Martinshöhe wurde der Martinstag in früheren Zeiten ganz besonders gefeiert – sogar mit einem eigenen Feiertag.

(cos) Die Erinnerung bleibt in Martinshöhe. Bei den Ältesten des Ortes auf der Sickingerhöhe,  das heute Namenstag feiern kann, sind die Erinnerungen noch besonders wach. Früher hatte die Ortschaft deshalb sogar einen zusätzlichen Feiertag. Ein dörfliches Alleinstellungsmerkmal. Bis weit in die Nachkriegsjahre hinein. Erst in den 70er Jahren setzte ein spürbarer Wandel ein, einziges Relikt bis zur Gegenwart: der Martinsumzug. Auf diesen müssen die Kinder des Ortes Martinshöhe heuer allerdings auch verzichten. Coronabedingt. 

In nicht wenigen Familien des Ortes wird aber die Erinnerung an den früheren dörflichen Festtag weiterhin Bestand haben, kommt heute vor allem das Gespräch darüber auf, wie früher die Martinshöhe den Martinstag feierten.  Ein Hochfest, bei dem die allgemeine Arbeit ruhte. „Als Schulkinder waren wir doppelt froh über diesen Tag, wir hatten da nämlich schulfrei und bekamen die weiße Sonntagsschürze umgezogen“, erinnert sich Maria Müller noch bestens. Aus der hochbetagten, aber noch rüstigen und geistig fitten Dorfbewohnerin sprudeln die Erinnerungen an den Martinstag im Heimatort in Kinder- und Jugendtagen wie später geradezu heraus. Der Vater, wie hätte es anders sein können, hörte natürlich gleichfalls auf den Namen Martin und Maria Müller, die früher den Mädchennamen Klug trug, glaubt, dass es in den Bauernfamilien damals wenigstens in einer Generation einen Buben mit dem Vornamen Martin gab. „Das war einfach die Tradition und den Heiligen Martin haben wir im Dorf schon immer hoch verehrt.“

Vater Martin selbst zählte nicht zu den „Großbauern“ des Ortes. Dafür aber zu den ganz besonderen Pferdeliebhabern. Wenn es um die edlen Vierbeiner gerade am Martinstag ging, war Martin Klug ganz in seinem Element.  „Unsere Pferde waren Familienstolz. Viele Jahre zählte es zu den vornehmen Aufgaben meines Vaters, im Gespann mit dem  großen, schwarzen Totenwagen die Verstorbenen den Buchenweg hinunter zur letzten Ruhestätte zu bringen.  Hinter sich in der Regel ein großer Trauerzug. Die Leichenhalle kam erst in den siebziger Jahren.“

  Zu Martini dann standen die edlen Rösser aus anderem Grund im Mittelpunkt. Sie wurden am Nachmittag nach der Vesper gesegnet.  Natürlich wurden dafür die Pferde mächtig herausgeputzt. Gestriegelt und gebürstet, die Hufe sogar schwarz lackiert, berichtet „es Marieche“, wie sie von allen im Ort genannt wird. Gefeiert wurde der Patronatstag  anschließend auch in den vier Gasthäusern, die es gleichfalls rund um die markante Kreuzung in der Ortsmitte des Bauernortes gab. Alle nur einen steinwurfweit voneinander entfernt.  Manchmal habe sogar das Pachtgeld später an die Grundbesitzer abgegeben werden müssen, stellt Maria Müller schelmisch fest, denn der Martinstag war auch der Tag für die Pachtsauszahlung.