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Mardellen in Kleinsteinhausen saniert

Mardellen in Kleinsteinhausen : Hilfe für Biotope im Wald

Mit finanzieller Hilfe der Daniel-Theyson-Stiftung wurden Mardellen (Geländemulden) bei Kleinsteinhausen renaturiert.

Neun Mardellen gibt es auf der Kleinsteinhauser Gemarkungsfläche. Zwei im Scheuerwald unweit des gemeindlichen Festplatzes. Sieben weitere im Gseilwald, unweit des Gemeindefriedhofes. Die beiden Mardellen im Scheuerwald wurden jetzt „renaturiert“. Raphael Philipp von der Unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung überwachte die Arbeit peinlich genau. Ortsbürgermeisterin Martina Wagner initiierte die Arbeiten. Mit der finanziellen Unterstützung Daniel-Theysohn-Stiftung konnte jetzt die Renaturierung auf den Weg gebracht werden. 

„Mit den Mardellen, da müsste unbedingt was passieren. Hier geht wichtiger Lebensraum für Pflanzen- und Tierwelt verloren.“ Ihr Leid klagte Ortsbürgermeisterin Wagner vor Monaten Landespfleger Arno Sprau von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Südwestpfalz. Der hörte sich auch nicht nur das „Klagelied“ der Kleinsteinhauser Ortsbürgermeisterin an, sondern wusste zugleich Rat.

Arno Sprau weiß um die finanzielle Klammheit vieler Ortsgemeinden im Kreisgebiet, insbesondere der von Kleinsteinhausen. Sein Tipp, dass die Daniel-Theysohn-Stiftung immer wieder Naturschutzprojekte zur Förderung sucht, fiel auch jetzt auf fruchtbaren Boden. Das Projekt Mardellen wurde gefördert. Martina Wagner: „Segensreich, denn ohne die finanzielle Hilfe wäre die Ortsgemeinde nicht in der Lage gewesen, diese Mardellen wieder auf Vordermann zu bringen.“

Mardellen, was ist das überhaupt? Es sind Geländemulden vornehmlich in Lehm- und Muschelkalkböden. Die auch volkstümlich als „Pfuhl“ bekannten Vertiefungen können natürlichen oder künstlichen Ursprunges sein. In Kleinsteinhausen ist Letzteres der Fall: Martina Wagner: „Auch bei uns wurde aus den Mardellen Kalk gewonnen!“ Diese Mulden haben sich seit Jahrzehnten zu Biotopen entwickelt. Allein Regenwasser speist die Vertiefungen, welche sich zu idealen Refugien für Kleinlebewesen und Pflanzen entwickelt haben.

Die Trockenheit in den letzten Jahren ließ die Mardellen im Scheuerwald austrocknen. Das Laub der Bäume vermoderte, bildete eine Bodenschicht, welche den Lebensraum von Tieren und Pflanzen gefährdete. Im näheren Umfeld mussten Bäume gefällt werden. Raphael Philipp von der Unteren Naturschutzbehörde überwachte die Arbeiten, welche dem Baggerunternehmen Schäfer aus Wallhalben übertragen wurden. Für Baggerführer Jürgen Groß eine mächtige Herausforderung, denn filigrane Steuerarbeit war gefragt. Raphael Philipp: „Der Morast (verfaultes Laub und Holz) musste raus, doch die feine Lehmschicht am tiefsten Punkt der Mardellen durfte auf keinen Fall beschädigt werden, denn diese Schicht verhindert das Versickern des Regenwassers, das so dringend von den Tieren und Pflanzen benötigt wird.

„Mit der Ortsgemeinde Kleinsteinhausen haben wir ja gute Erfahrungen gemacht, das Pilotprojekt Wald zieht über die Region hinaus Kreise und natürlich sind wir auch gern der Gemeinde zur Hand gegangen, als es jetzt um die Renaturierung der Mardellen ging“, meint Gerhard Andreas als Stiftungs-Vorstandsvorsitzender. 

Nicht selten wurden die ortsnahen Vertiefungen in früheren Jahren auch zur Müllablagerung genutzt, was gottlob in Kleinsteinhausen nicht der Fall gewesen ist. Von Menschenhand geschaffene Abflüsse wurden bei den jetzigen Arbeiten wieder verschlossen. Die Baumfällungsarbeiten führte Norbert Schumm, ein ehemaliges Ortsgemeinderatsmitglied, aus. Die letzten Regentage sorgten dafür, dass sich auch wieder Wasser sammeln konnte. Für ambitionierte Natur- und Umweltschützer eine runde Sache. Selbst für das SWR-Fernsehen war die Aktion „Mardellen-Renaturierung“ ein berichtenswertes Ereignis.