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Mangolds Erinnerungen an den Sog des Bösen

Mangolds Erinnerungen an den Sog des Bösen

Wolfgang Ohler beschreibt in seinem Buch „Die Träumer von Struthof“ die unmenschlichen Bedingungen des Lageralltags im KZ Natzweiler-Struthof. Im Bürgerhaus Althornbach war nun eine packende szenische Lesung zu sehen und zu hören.

Eine Buchvorstellung der etwas anderen Art konnten gut 50 Literaturfreunde am Montagabend auf Einladung des Kulturfördervereins Althornbach im dortigen Bürgerhaus erleben. Wolfgang Ohler hatte seine neueste Erzählung "Die Träumer von Struthof" in eine szenische Lesung verpackt und mit den Sprechern Anita Bischof, Michael Dillinger, Gerhard Kaiser, Hans-Otto Streuber und Erhard Vogel sowie Matthias Wolf als Klanggeber am Kontrabass stadtbekannte Darsteller gewonnen. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen die teils historischen, teils fiktiven Geschehnisse in den medizinischen Labors des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, in der Nähe von Straßburg.

Aufgehängt wird sie an den Erinnerungen des ehemaligen Sanitäts-Fähnrichs Mangold (Wolfgang Ohler) und seiner Frau Gerda (Anita Bischof), die seit 50 Jahren seine Geschichte an seinem Geburtstag hört und die Erinnerungen teilt, als seien es ihr eigenen. Als Prolog interwievt der Rundfunkredakteur (Hans-Otto Streuber) Mangold anlässlich seines 100. Geburtstags. Dieser hat, seit er im Alter von 50 Jahren aus dem Zweiten Weltkrieg zurück gekehrt ist, sein Zimmer nicht mehr verlassen, weil "sein Bart am Tisch fest gewachsen ist".

Seine Ehefrau Gerda, die er nach seiner Verwundung als Krankenschwester im Lazarett kennenlernte, erinnert sich an die Zeugung des ersten Sohnes auf dem Tisch, bis der unsichtbare Bart länger war und jetzt sogar bis auf die Couch reicht. Als der Reporter gegangen ist, erinnert sich das Ehepaar an Mangolds Geschichte. Sie beginnt mit "ihrem Lied "Sing, Nachtigall, sing", wunderschön vorgetragen von Anita Bischof.

Zwischen Historie und Fiktion

Statt als Mitarbeiter im KZ, landet der genesene Sanitäter Mangold im Sanatorium Struthof. Hier wird mit Schlafmohn an Juden und Zigeunern experimentiert, um ihnen ihre Träume, Visionen, Mystik und Phantasien zu entlocken. "Der Endsieg wird über den Geist erreicht", davon ist der Professor - den es tatsächlich gab, grandios gespielt von Gerhard Kaiser - überzeugt. Ohler verwebt Historie mit Fiktion - die Übergänge sind fließend.

"Ich bin tief beeindruckt. Es ist ein enormer Unterschied, ob man etwas liest oder ob es so vorgetragen wird, als sei es gerade passiert - man will es nicht wahr haben", sagte Helga Utzinger sichtlich bewegt. Die 76-jährige Althornbacherin gehörte zu den Zuhörern, die am Montagabend im Bürgerhaus Althornbach die szenische Lesung "Die Träumer von Struthof" mit erlebten. Der Zweibrücker Autor Wolfgang Ohler hatte sein neuestes Werk als kleine Theateraufführung mit sechs Sprechern und Matthias Wolf als Klanggeber am Kontrabass vorgestellt.