Corona in der Südwestpzalz Abstand und Maske sind das A und O

Südwestpfalz · Heinz-Ulrich Koch, Leiter des Gesundheitsamtes, hält nichts von massenhaften Corona-Tests.

Für massenhafte Corona-Tests hat das Gesundheitsamt zu wenig Personal, warnt dessen Leiter.

Für massenhafte Corona-Tests hat das Gesundheitsamt zu wenig Personal, warnt dessen Leiter.

Foto: dpa/Oliver Berg

Besorgt schaut Dr. Heinz-Ulrich Koch auf die aktuellen Corona-Entwicklungen in Europa. Denn was momentan noch weit weg erscheint, kann schnell in die Südwestpfalz kommen, betont der Leiter des Gesundheitsamtes für die Südwestpfalz. „Alle Corona-Infektionen, die wir bislang in der Region hatten und haben, sind importiert worden“, warnt er, dass die aktuelle Urlaubssaison zu einer zweiten Welle führen kann: „Das ist nicht auszuschließen, sogar zu erwarten.“

Koch erinnert daran, dass schon die erste Welle im Frühjahr in der Südwestpfalz geprägt war von „Importen.“ „Da muss niemand drumherum reden, dass waren Rückkehrer aus den Skigebieten“, sagt er und betont, dass gerade dieses Wissen stark dazu beigetragen hat, die Virusausbreitung erfolgreich eindämmen zu können. Und auch bis zum heutigen Tage begegne er immer wieder der gleichen Situation im Kampf gegen das Coronavirus: „Da sind Südwestpfälzer außerhalb der Region oder es kommt Besuch von auswärts, und sie bringen das Virus mit.“

  Gesundheitsamtsleiter Dr. Heinz-Ulrich Koch

 Gesundheitsamtsleiter Dr. Heinz-Ulrich Koch

Foto: Lutz Fröhlich

Daher schwingt auch ein großes Stück Skepsis mit, wenn der Leiter des Gesundheitsamtes die Pläne der Landesregierung, nach den Sommerferien in den Normalbetrieb in den Schulen gehen zu wollen, beurteilt. „In Kindertagesstätten und Grundschulen halte ich das nicht für problematisch, wegen der besonderen Situation kleiner Kinder“, sagt Koch, denn diese Altersgruppen erkrankten weniger an Corona und übertragen das Virus auch weniger stark. Aber an den weiterführenden Schulen ab der fünften Klasse sei der Gefährdungsgrad der Virusübertragung deutlich höher, wenn die Schülerzahl steige und der Abstand geringer werde.

Abstand und Maske – für Koch sind das die beiden entscheidenden Mittel, mit denen die Corona-Pandemie im Griff gehalten werden kann. „Das sind unsere Brandschutzmauern im Kampf gegen das Virus“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, als Hygieniker übrigens geradezu prädestiniert dafür, das Coronavirus in Schach zu halten. Und diese „Mauer“ gegen die Virusausbreitung werde eben eingerissen, wenn im Urlaub Maskenpflicht ignoriert wird, wie jetzt auf Mallorca zu sehen, oder wenn der Abstand nicht eingehalten wird oder werden kann, wie in einer Schule im Normalbetrieb – diese Szenarien lassen die Furcht aufkommen, dass das Coronavirus wieder stärker zurückkehrt im August oder September.

Taugt eine Ausweitung von Coronatests auch zur Eindämmung der Virusausbreitung? Angesprochen auf die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der für eine massive Testausweitung wirbt, zeigt der Pirmasenser Gesundheitsamtsleiter großes Unverständnis. Denn auch wenn Spitzenpolitiker vollmundig mehr Tests fordern und ankündigen, gehe das komplett an der Realität vor Ort vorbei. „Es bringt überhaupt nichts, wenn ich wahl- und ziellos einfach Leute auf das Coronavirus teste“, sagt Koch: „Was soll damit erreicht werden?“

Etwas anderes sei es, wenn Verdachtsmomente bestehen oder Risiken für eine massenhafte Ansteckung ausgeschlossen werden sollen, in diesen Situationen mache eine Testausweitung Sinn – aber auch nur in diesen Fällen. Allerdings habe er sich entschlossen, quasi exemplarisch zum Schulbeginn in Zweibrücken die Testkapazitäten hochzufahren mit den niedergelassenen Medizinern, um beispielhaft zu untersuchen, ob und wie viele Corona-Fälle es nach den Sommerferien an den Schulen gibt. Für die ganze Südwestpfalz lassen sich aber solche Massentests nicht durchführen – da reiche die Kapazität einfach nicht.

Denn diese Frage stelle sich, wenn von der Erhöhung der Testkapazität die Rede ist, so Koch: „Wer soll denn diese vielen Coronatests überhaupt machen?“ Schon Problemsituationen wie vor wenigen Tagen im Rodalber Seniorenzentrum „Haus Edelberg“ oder in den Dahner Flüchtlingsunterkünften haben gezeigt, dass nur mit Hilfe der niedergelassenen Mediziner, die sich freiwillig engagieren, die vielen Abstriche haben entnommen werden können. „Wir sind im Gesundheitsamt überhaupt nicht dafür ausgestattet“, weist der Gesundheitsamtschef auf ein personelles Problem hin: „28 Mitarbeiter habe ich. Will ich in Corona-Zeiten die Tests ausweiten und in der Folge die Infektionskettennachverfolgung intensivieren, ist das zu wenig. Wird der Plan der Bundesregierung zur Personalverstärkung im öffentlichen Gesundheitsdienst umgesetzt, würde das für unser Amt 45 Mitarbeiter bedeuten.“ Selbst wenn dafür das Geld bereitstehen würde, könnte das Personal aber kaum aufgestockt werden, denn da greife der Ärzte- und Fachkräftemangel. „Wir haben bundesweit einen Arzt für unser Gesundheitsamt gesucht“, plaudert Koch aus der Praxis: „Genau vier Bewerbungen haben wir bekommen.“