Landrat hält an Fachmärkten fest

2010 hat eine überraschend starke Erholung auf dem Arbeitsmarkt gebracht. War sie auch für den Landkreis zu spüren?Hans Jörg Duppré: Auch im Landkreis ist die Zahl der Arbeitslosen und damit einhergehend die Arbeitslosenquote gesunken

2010 hat eine überraschend starke Erholung auf dem Arbeitsmarkt gebracht. War sie auch für den Landkreis zu spüren?Hans Jörg Duppré: Auch im Landkreis ist die Zahl der Arbeitslosen und damit einhergehend die Arbeitslosenquote gesunken. Lag die Arbeitslosenquote zu Jahresbeginn im Landkreis noch bei 6,0 Prozent (Arbeitslosengeld I und II), ist sie zum Jahresende erfreulicherweise wieder auf 5,0 Prozent gefallen.

Inwieweit hat sich die wirtschaftliche Erholung auch auf die Situation der Langzeitarbeitslosen im Landkreis ausgewirkt?

Duppré: Die Langzeitarbeitslosen haben ebenfalls von der wirtschaftlichen Erholung profitiert. Bei den von der Kommunalen Arbeitsagentur des Landkreises betreuten Arbeitslosengeld II-Empfängern konnte im Laufe des Jahres 2010 auch ein Rückgang verzeichnet werden: von 2 821 erwerbsfähigen Hilfebedürftigen im Januar zu 2 643 Ende November 2010. Die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften ging von 2 054 auf 1 938 zurück. Dies ist der niedrigste Stand seit der kompletten Übernahme der Betreuung der Langzeitarbeitslosen durch den Landkreis im Jahr 2005.

Kann das Kommunale Jobcenter in neuer Umgebung im neuen Jahr noch mehr Hartz-IV-Bezieher wieder in Brot und Arbeit bringen?

Duppré: Eine neue Umgebung und ein neuer Name ändern nichts an der Gesamtproblematik und schwierigen Situation der SGB II-Anspruchsberechtigten. Nachdem die Arbeitslosenzahlen im Moment auf einem sehr niedrigen Stand sind, denn die Quote der Arbeitslosengeld-II-Bezieher allein liegt im Landkreis bei nur 2,5 Prozent, dürfte es sehr schwierig werden, noch viele weitere Langzeitarbeitslose im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Nicht ohne Grund wird bei einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent im Grunde von Vollbeschäftigung gesprochen. Dennoch werden sich die Mitarbeiter des Kommunalen Jobcenters weiter mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften und Mitteln bemühen, noch viele Arbeitslosengeld-II-Bezieher in Lohn und Brot zu bringen.

Um Arbeitsplätze geht es auch in der Auseinandersetzung um Fachmarkt-Ansiedlungen auf der Truppacher Höhe am Zweibrücker Flugplatz. Glauben Sie wirklich, dass die genannten 500 bis 600 Arbeitsplätze entstehen? Oder wird der Saldo viel schlechter ausfallen, weil in der Südwestpfalz durch diese Ansiedlung hunderte Arbeitsplätze wegfallen?

Duppré: Die Entwicklung in den benachbarten "Style Outlets Zweibrücken" hat gezeigt, dass nicht nur keine Arbeitsplätze weggefallen, sondern viele neue hinzu gekommen sind.

Warum sollen diese Fachmärkte die Region voranbringen, wenn es in allen Handelssparten - Lebensmittel, Elektronik und Sport - schon ein breites Angebot, teilweise Überangebot in der Region gibt?

Duppré: Der Vorteil der Ansiedlungen auf der Truppacher Höhe liegt in der optimalen Lage: ideale Verkehrsanbindung durch den direkten Anschluss an die Autobahn 8 und die nach Frankreich führende Landesstraße 700 sowie die bereits vorhandene Kundenfrequenz durch "The Style Outlets". Gerade die Besucher der "Style-Outlets", die bekanntermaßen überwiegend aus einem weiteren Einzugsbereich hierher kommen, sollen auch als Kunden für die Fachmärkte gewonnen werden und zusätzliche Kaufkraft in die Region bringen.

Wenn es um die Zukunft geht, dann muss der Flugplatz an sich Sorgen machen: Haben Sie Angst, dass nach Germanwings-Aufgabe und TAV-Verhandlungsende der Flugbetrieb auf dem absteigenden Ast ist?

Duppré: Nein, dies ist keineswegs der Fall. Sicherlich gibt es immer mal wieder Rückschläge wie in jedem wirtschaftlichen Betrieb, wozu auch die Finanzkrise ihren Teil beigetragen hat. Dennoch ist der Flughafen auf einem guten Weg. Verhandlungen über die Ausweitung des Flugbetriebs laufen, ohne dass ich darauf konkreter eingehen will. Mit ganzer Kraft wird auch versucht, wieder eine Berlin-Verbindung, deren Auslastung ja sehr gut war, zu etablieren. Und bei den Ferienfliegern sind ja schon weitere Erfolge zu verzeichnen.

Bringt das neue Industriegebiet am Steitzhof einen Schub nach vorne, oder hinkt die Entwicklung hinter den Erwartungen her?

Duppré: Beim Industriegebiet am Steitzhof wären wir ohne die Wirtschafts- und Finanzkrise bereits einen guten Schritt weiter, das steht außer Frage. Dennoch erholt sich die Wirtschaft ja inzwischen wieder, so dass es auch am Steitzhof sicherlich bald vorangeht. Nach wie vor hat auch die Firma Brück noch eine Option auf einen Großteil des Geländes.

Wer auf andere militärische und zivile Konversionsprojekt schaut, nämlich in den Gräfensteiner Park nach Münchweiler und zum Dahner Krankenhaus, könnte 2010 auch als das "Jahr des Stillstandes" bezeichnen. Wäre diese Beurteilung zu provokant?

Duppré: "Jahr des Stillstandes" ist meines Erachtens eine zu negative und auch nicht ganz zutreffende Bezeichnung. Auch wenn keine offensichtliche Bautätigkeit erfolgt oder entsprechend große Meldungen in der Zeitung stehen, bedeutet dies noch lange nicht, dass sich wirklich nichts tut. Viele Projekte, gerade diejenigen von Bedeutung und mit größerem Finanzierungsvolumen, brauchen eine etwas längere Vorbereitungszeit und klärende Gespräche.

Stillstand - das ist ja auch das Stichwort in den Orts- und Verbandsgemeinden. Die Finanznot lässt kaum noch eine wirkliche Ortsgestaltung für die Bürger zu. Werden wir im nächsten Jahr keine Lokalpolitik erleben, sondern nur noch Mangelverwaltung?

Duppré: Die Zeiten sind schwieriger geworden und die überall knapper werdenden Finanzen engen den Gestaltungsspielraum sicherlich ein. Dennoch vertraue ich auch im kommenden Jahr auf das ehrenamtliche Engagement der Kreisbürger und deren Einfallsreichtum. Ich bin überzeugt, dass wir in vielen Gemeinden im Landkreis auch 2011 positive Beispiele erleben werden und Akzente setzen können.

Dabei gibt es aber doch genügend Aufgaben im Landkreis, um ihn zukunftsfähig zu machen. Von der Bewältigung des Bevölkerungsrückgangs und der Überalterung über eine familienfreundliche Ausrichtung bis zum Umstieg auf erneuerbare Energien. Kann das vor dem Hintergrund roter Zahlen eigentlich gelingen?

 Die drei Fachmärkte Media Markt, Decathlon und Kaufland sollen zusätzliche Kaufkraft in die Region bringen, begründet Duppré sein Beharren auf einer Ansiedlung. Foto: dpa
Die drei Fachmärkte Media Markt, Decathlon und Kaufland sollen zusätzliche Kaufkraft in die Region bringen, begründet Duppré sein Beharren auf einer Ansiedlung. Foto: dpa

Duppré: Ich bin überzeugt, dass es gelingen wird. Auch 2010 sahen die Finanzen schon nicht mehr sehr rosig aus und dennoch hat sich vieles positiv entwickelt. Ich denke dabei insbesondere an das Lokale Bündnis für Familien. Sehr engagiert arbeiteten hier die handelnden Personen in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammen und stellten immer neue Ideen auf die Beine. Zum ersten Mal wurde 2010 der Wettbewerb "Familienfreundliche Gemeinde im Landkreis Südwestpfalz" durchgeführt, bei dem sechs Gemeinden erfolgreich abschnitten. Das gerade erst ins Leben gerufene "Bündnis für Klimaschutz und erneuerbare Energien" wird sicherlich einen ebenso erfolgreichen Weg gehen. Nicht zu vergessen die Standortinitiative Südwestpfalz, durch die wir uns auch neue Impulse und einen Imageschub erhoffen. Bei knapper werdenden Mitteln müssen wir eben entsprechende Prioritäten setzen. Alles bisher lieb Gewonnene wird leider nicht mehr uneingeschränkt fortgesetzt werden können.