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Landfrauen der Pfalz und die Landeszentrale für politische Bildung

Info-Veranstaltung im Pfarrheim in Großsteinhausen : Plastikvermeidung geht jeden an

Mehr als 80 Gäste informierten sich auf Einladung des Landfrauenverbands der Pfalz in Großsteinhausen ausführlich über das Thema Plastik. Unter dem Motto „Alles Plastik, oder was?“ interessierte nach schockierenden Zahlen besonders, was jeder Einzelne tun kann.

Handies, Helme, Spielzeug, Tüten, Verpackungsmaterial, Aufbewahrungskisten, Kleidung, Autos, Blutkonserven und vieles, vieles mehr – Plastik ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Der Stoff, der seit Anfang des vorigen Jahrhunderts entdeckt wurde und ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend boomt sowie ständig weiterentwickelt und hergestellt wird, hat unser Leben reformiert – dank seiner vielfältigen und positiven Eigenschaften wie leichtes Gewicht, Formbarkeit, billige Herstellung und extrem vielseitige Verwendungsmöglichkeit.

Das Dumme daran ist nur, dass wir nicht wissen, wohin mit unserem sich ebenso rapide wie konstant vergrößernden Volumen an Plastikmüll. Gut 80 Frauen und einige Männer befassten sich auf Einladung des Landfrauenverbands der Pfalz und der Landeszentrale für politische Bildung in Rheinland-Pfalz im katholischen Pfarrheim in Großsteinhausen intensiv mit dem Thema „Alles Plastik, oder was?

Bilder von sterbenden Tieren, Plastikmassen und Müllstrudel in den Meeren sowie Plastikmüll in der Landschaft schockierten erneut, obwohl sie uns allen längst bekannt sind.

Die Chemikerin Ronit Jakob erläuterte die Entwicklung des „Wunderstoffs“ und unterschiedliche Materialien daraus. Um seine Eigenschaften zusätzlich positiv zu verändern, werden zunehmend weitere Stoffe zugeführt, etwa Weichmacher. Horst Wenner von der Landeszentrale für politische Bildung erschütterte mit Zahlen: Allein ein Kilogramm Mikroplastik pro Einwohner, sprich 83 Millionen Kilogramm insgesamt, gelangen allein in Deutschland alljährlich durch den Abrieb von Autoreifen in die Luft, damit in unsere (Atem)Luft, ins Wasser und in die Umwelt. Auch das angedachte Verbot von Plastiktüten wurde diskutiert. Hilft hier nur ein striktes Verbot? Doch was ist mit anderen Plastikproduktionen, etwa für Verpackungsmittel. „Da ist die Politik gefordert, sich auch der Industrie in den Weg zu stellen!“, rief eine Frau und erhielt einstimmigen Applaus.

Deutlich wurde, dass gerade die Landfrauen, die sich massiv für Natur und Umwelt engagieren, bereit sind, die Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen und diese, zusätzlich zu einer generellen politischen und wirtschaftlichen Lösung, auch bei jedem Einzelnen sehen.

Was kann ich tun? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Abends. Gemeinsam trugen die Teilnehmer Beispiele aus ihrem Alltag zusammen. Ein weitreichendes Projekt stellte Anja Thom aus Heuchelheim vor. Die dortigen Landfrauen haben das Projekt „40 Tage ohne Plastik“ für die Fastenzeit initiiert. Ambitioniertes Ziel und eine extreme Herausforderung: Null Plastik! „Wir Landfrauen allein sind wenige, doch wir konnten die evangelische Kirche, den Kindergarten vor Ort und auch Bürger motivieren. Wir sind aktuell eine Gruppe von über 200 Teilnehmern, und täglich werden es mehr.“

Dank dieses Aufrufs freut sich der Landfrauenverein dort über bereits sieben Neuzugänge binnen zwei Wochen. Sie selbst hatte bereits konsequent mit der Umsetzung begonnen und die Müllmenge in ihrem Familienhaushalt damit erheblich reduziert: Milchprodukte und Getränke in Flaschen kaufen, im Unverpacktladen in Landau mit eigenen Behältnissen einkaufen gehen, loses Obst und Gemüse, Weidenkorb statt Plastiktüten – sogar den lokalen Edeka-Laden konnten die aktiven Frauen zur Mitarbeit bewegen. Er erfüllte den Kundenwunsch etwa nach Nudeln in Papierverpackungen. Anregungen, die von den Teilnehmern quer durch alle Altersklassen begeistert aufgegriffen wurden.

Anja Thom erschütterte allerdings auch mit gründlich recherchierten Daten über das „Recycling“ von Plastikmüll. Nur wenig mehr als zehn Prozent werden wieder verwertet, über 30 Prozent verbrannt, doch mehr als Hälfte einfach ins Ausland transportiert, früher nach China, jetzt vorwiegend nach Afrika und in Dritte-Welt-Länder. Sie fragte: „Wenn wir im reichen Industrie-Deutschland keine Lösung haben für unseren Müll, wie können wir das von einem dieser Länder erwarten?“

Einig war sich die Gruppe in der Erkenntnis: Plastikmüll im Haushalt vermeiden ist der erste Schritt zur Erhaltung unserer Erde. Und dazu könne und müsse jeder Einzelne beitragen.