König von Napoleons Gnaden

Beinahe biblischen Stiles bediente sich der Autor jener Biographie, in der 1836 der Werdegang eines bayerischen Herrschers nachgezeichnet wurde, der zeit seines Lebens enge Bezüge zu Zweibrücken und der Saarpfalz hatte. Von Max I.

Joseph aus dem Hause der Wittelsbacher ist die Rede, dem ersten bayerischen König, der freilich nur durch viele Zufälle auf dem Thron landete: "Es ist gewesen am 27. Mai 1756, Morgens halb 5 Uhr, als die Frau Prinzessin Marie im Schloße von Manheim eines wunderlieblichen Knäbleins genaß. Das neugeborne Kind ist Max Joseph gewesen. Dreimalige Kanonaden verkündeten den braven Manheimern das fröhliche Ereignis, und denselben Morgen um 11 Uhr vollzog Herr Pfarrer Seedorf die heilige Taufe. Eigentlicher Taufpathe war der damalige Churfürst von Bayern, Max Joseph der Vielgeliebte. - Der kleine Max gedieh zusehends, war immer heiter und kräftig, gesund an Seele und Leib; die zärtliche Liebe seiner Mutter, die freundliche Umgebung des Hofes und endlich die schöne Natur von Manheim und Schwezingen hob Geist und Gemüth des Kindes schnell und kräftig empor. Böses keimte kaum in dem blühenden Knaben und wer ihn nur immer sah, den schönen und schmuken Prinzen, der freute sich dessen; denn er gewann durch seinen von Sanftmuth und Freundlichkeit offen strahlenden Blik sich Aller Herzen."

Es hatte von Anfang an nicht den Anschein, dass dem Sprößling einer abseitigen Linie des Hauses Pfalz-Zweibrücken derart hohe Weihen bevor stehen würden. Als nachgeborenem Sohn von Friedrich Michael, des Herzogs von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler, und Franziska Dorothea von Pfalz-Sulzbach hatte er von Geburt an jedenfalls keinerlei Aussicht auf Thronfolge. Die war bekanntlich seinem zehn Jahre älteren Bruder Karl August vorbestimmt. Während dieser 1775 Herzog von Pfalz-Zweibrücken wurde und zudem die Kurpfalz und Bayern als Erbe scheinbar sicher vor Augen hatte, wurde Max Joseph auf einen ganz anderen Lebenslauf vorbereitet. Zunächst hatte er eine sorgsame Unterrichtung zu durchlaufen, und die führte ihn im Kindesalter nach Zweibrücken. Sechs Jahre alt war er, als ihn Christian IV. an den Zweibrücker Hof holen ließ. Seinen Vater sah der junge Wittelsbacher ohnehin höchst selten, da dieser als kaiserlicher Feldherr viel auf Kriegszügen war, und seine Mutter war wegen "ehelichen Fehltritts" vom Hof verstoßen worden. Franziska Dorothea hatte sich auf die Beziehung mit einem Mannheimer Schauspieler eingelassen. Sie wurde schwanger und gebar in Straßburg einen Sohn, danach wurde sie für einige Zeit in Klosterhaft isoliert.

In Zweibrücken wurde Max Joseph zunächst in "Elementargegenständen" und in Religion unterwiesen, wobei ihm für letztere der katholische Geistliche Pierre Salabert zur Seite gestellt wurde. Dem zwielichtigen Abbé sollte er im Laufe seines Lebens immer wieder begegnen. Nach drei Jahren folgte das Studium der Geschichte, Geographie und Mathematik bei Professor Friedrich Christian Exter, und Französisch brachte ihm der Muttersprachler Agathon Keraulio bei. Die Beherrschung dieser Sprache sollte für Max Joseph von besonderer Wichtigkeit für seinen weiteren Lebensweg sein. "Da man den Prinzen in Ermangelung einer weiteren Aussicht zum Kriegsdienste bestimmte, so wurde derselbe frühzeitig zur Reitkunst und zum Exerzieren angehalten", heißt in der fast zeitgenössischen Biographie weiter - will heißen: Weil keine Landesherrschaft auf ihn wartete, war er für den Militärdienst vorgesehen. 1770 erhielt er den Titel eines Obersten in dem in Straßburg garnisonierende Regiment Royal Elsaß, einem deutschen Fremdenregiment im Dienst des französischen Königs. Kommandeur des Regiments wurde er dann 1777. Ein Jahr später widerfuhr ihm nun erstmals das, was sich später noch einige Male wiederholen sollte: Durch Erbfolge fiel ihm unverhofft die kleine Grafschaft Rappoltstein (heute Ribeauvillé) im Elsass in die Hände, auf die sein Bruder Karl II. August zu seinen Gunsten verzichtet hatte.

Unangenehme Erinnerungen verbinden sich für Zweibrücken mit der Verheiratung von Max Joseph. Anlässlich seiner Vermählung mit Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Darmstadt hatte sein Bruder, Herzog Karl II. August, im Dezember 1785 zu einem exklusiven Fest auf Schloss Karlsberg eingeladen. Höhepunkt sollte ein Feuerwerk in der Karlslust werden. Während die Feierlichkeiten wie geplant über die Bühne gingen, endete das abschließende Spektakel in einer Katastrophe. Die auf einem eigens aufgebauten Vulkan inszenierten "Raketen jeden Kalibers, zehn bis zwölf Kanonen mit Kartuschen für sechzig Schüsse" (so Mannlich), zündeten unkontrolliert und rissen zahlreiche Menschen in den Tod. Das frisch vermählte Paar reiste unversehens aus Zweibrücken ab.

Als 1789 mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution begann und damit der nachhaltige Umsturz der alten Gesellschaftsordnung in Europa, quittierte Max Joseph den französischen Militärdienst, auch wenn Ludwig XVI., der König von Frankreich, persönlich als Taufpate seines ersten, 1786 geborenen Sohnes Ludwig aufgetreten war. Die sich überschlagenden Ereignisse beobachtete er zeitweise als Gast seines Bruders auf dem Karlsberg, teils vom Mannheimer Schloss aus, zeitweise stand er sogar als Offizier in preußischen Militärdiensten. Um es kurz zu machen: Schloss Karlsberg wurde Ende Juli 1793 dem Erdboden gleichgemacht, Karl II. August, dem nur mit knapper Not wenige Monate zuvor die Flucht vor den Revolutionstruppen gelungen war, starb 1795 in Mannheim. Sein Nachfolger wurde - Max Joseph, nun freilich als Zweibrücker Herzog ohne Land, da dieses Territorium von Frankreich besetzt war. Und zudem hatte er plötzlich auch Aussicht auf Bayern. 1799 war es soweit: Nach dem Tod von Kurfürst Karl Theodor trat er jenes Erbe an, das eigentlich für seinen Bruder vorgesehen war. Die Machtübernahme erfolgte in schwierigen Zeiten: Bayern drohte außenpolitisch zwischen Österreich und Frankreich zerrieben zu werden. Innenpolitisch hatte Karl Theodor ein stark verschuldetes Land hinterlassen, dessen Verwaltungsstrukturen und Beamtenschaft reformbedürftig waren. Darauf jedoch waren der neue bayerische Herrscher und sein Minister Maximilian Joseph von Montgelas vorbereitet.

Außenpolitisch vollzog Bayern 1805 die Hinwendung zu Frankreich, was dazu führte, dass der Wittelsbacher 1806 durch Napoleons Hand als Max I. Joseph zum ersten König von Bayern wurde. Die Zeche dafür zahlten die Untertanen; von den 52 000 bayerischen Soldaten, die in der "Grande Armée" für Napoleon nach Russland gezogen waren, kamen gerade noch 12 000 mehr tot als lebendig in ihr Heimatland zurück. Napoleons Untergang und die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress führten schließlich dazu, dass 1816 Max I. Joseph wieder in den Besitz seiner Stammlande kam - auch wenn die Pfalz dem Königreich Bayern eher unlieb war und regelrecht aufgezwungen werden musste. In Zweibrücken verband sich die Rückkehr in den Schoß der Wittelsbacher mit großen Hoffnungen, zumal dem König eine besondere Anhänglichkeit an die alte Herzogstadt nachgesagt wurde. Sie bemühte sich nach dem Anschluss um den Sitz der Kreisregierung von "Rheinbayern", zog jedoch gegenüber Speyer den Kürzeren. Quasi als Trostpflaster wurde Zweibrücken zum Sitz des "Königlich Bairischen Appellationshofes", dem höchsten Organ der Rechtsprechung in der Pfalz und Vorläufer des heutigen Oberlandesgerichts. Insofern steht die gesäulte Büste des ersten Bayernkönigs im Schlossgarten heute an genau der richtigen Stelle. Blieskastel war schließlich eine der ersten Gemeinden der bayerischen Pfalz, die ihre besondere Dankbarkeit dem Königshaus gegenüber in Gestalt eines exponiert stehenden Denkmals zum Ausdruck brachte. Im Jahre 1823 ließ die Stadt an der "Saargemünder Chaussée" unweit der damaligen Ziegelei eine stattliche Säule zu Ehren des Monarchen in München aufstellen. Geboren hatte die Idee Bürgermeister Peter Hoffmann, der als glühender Verehrer Maximilians I. galt. Als Huldigung an den König, den "regierenden Landesvater", war das Monument gedacht. Die sechs Tonnen schwere Säule aus Sandstein, fast unmerklich konvex und mit einer Höhe von 6,20 Meter durchaus imposant, wurde mit der Inschrift "Maximiliano Josepho/Patri Patriae/Cives Bliescastellani/MDCCCXXIII" versehen. Blieskastel bedankte sich so für den Bau der "neuen Chaussée" ins lothringische Saargemünd. Dieser Verkehrsweg hatte eine nicht zu unterschätzende Verbesserung der regionalen Infrastruktur zur Folge. Schneller und mit viel weniger Erschütterungen sei der neue Weg dank Bayern und seinem König Max I. Joseph, dem "Vater des Vaterlandes", zu benutzen, heißt es zeitgenössisch. Sämtliche Gestehungskosten waren aus der bayerischen Staatskasse bezahlt worden. Der erste bayerische König starb am 13. Oktober 1825 auf Schloss Nymphenburg. Er wurde in der Theatinerkirche in München beigesetzt.

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