Klappstulle mit noblem Paten

Der Name der edlen Klappstulle geht auf den britischen Staatsmann John Montagu, den vierten Earl of Sandwich zurück, welcher nicht nur Politiker, sondern auch passionierter Zocker war

Der Name der edlen Klappstulle geht auf den britischen Staatsmann John Montagu, den vierten Earl of Sandwich zurück, welcher nicht nur Politiker, sondern auch passionierter Zocker war. Während einer ausgedehnten 24-Stunden-Pokerei, der Legende nach 1762 im Londoner "Beef Steak Club", sollte ihm sein Dienstmädchen, weil er keine Zeit mit Essen verschwenden wollte, aber Hunger hatte, gesalzenes Rindfleisch zwischen zwei Scheiben Toastbrot servieren.Sogar im alten Rom kannte man schon das Stück Fleisch zwischen zwei Brotscheiben als "offulae". In der englischen Literatur werden Sandwiches ab etwa 1760 erwähnt und waren zunächst als Imbiss für abendliche Herrenrunden gedacht. Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie bei Tanzbällen für Damen als Zwischenmahlzeit angeboten. Die Bandbreite ging vom einfachen bis hin zu aufwendigen Sandwich für den Adel, bei denen die Füllung viel umfangreicher ausfiel. Im 19. Jahrhundert wurde das Sandwich vor allem zum Tee gereicht und gehörte darüber hinaus unbedingt zum typisch englischen Picknick. Als Reaktion auf die Abstinenzbewegung in England haben Kneipen und Pubs zu alkoholischen Getränken kostenlos ein Sandwich angeboten, um Kunden anzulocken. Auch wenn Sandwiches immer nach persönlichem Geschmack und Kreativität belegt werden können, so gelten doch einige internationale Klassiker. Das englische Cucumber Sandwich wird mit gesalzener Butter und Salatgurke belegt, das Chicken Sandwich mit Hühnerbrust, das Bookmaker Sandwich mit Roastbeef, Senf und Meerrettich. Eine Edelvariante ist das Lucullus Sandwich mit getrüffelter Gänselebercrème, das BLT-Sandwich (Bacon, Lettuce, Tomato) ist mit Speck, Kopfsalat und Tomaten belegt. Ein USA-Klassiker ist das Clubsandwich (dreilagig mit Hühnerbrust, Speck, Ei, Kopfsalat und Mayonnaise, dazu noch frische Kartoffelchips), das jeden gestandenen Koch wegen seines Aufwands, vor allem wenn es von mehreren Gästen kurz hintereinander bestellt wird, zur Verzweiflung bringen kann. Neben dem Pastrami Sandwich gibt es auch noch das etwas gewöhnungsbedürftige Reuben-Sandwich mit Corned Beef, Schweizer Käse und Sauerkraut. Hamburger und Hot Dog fallen übrigens in die gleiche Kategorie. In Italien sind Tramezzini und Panini populär, gefüllt und im Ganzen getoastet, ähnlich wie in Frankreich der Croque Monsieur mit Schinken und Käse. Die üppig belegten Baguettes werden in den USA als Submarine Sandwiches bezeichnet. Da stellt sich mir die Frage, wie lange es in Deutschland eigentlich schon die beliebten Leberkäs' Sandwiches - pardon! - Semmeln gibt. Vielleicht sind wir ja die eigentlichen Erfinder!Jörg Glauben ist Küchenchef im Romantik-Hotel Landschloss Fasanerie in Zweibrücken und hält einen Michelin-Stern.