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Klanggemälde tanzender Finger: Tatjana Flickingers starker Auftritt

Klanggemälde tanzender Finger: Tatjana Flickingers starker Auftritt

Einen ganz starken Auftritt haben gestern Abend Tatjana Flickinger und Markus Zahnhausen in der Karlskirche hingelegt. Die beiden flöteten zur Freude der 100 Besucher eine Stunde lang bekannte musikalische Werke.

Mit einem außergewöhnlichen Konzert begeisterten gestern Abend die Contwigerin Tatjana Flickinger und ihr Ex-Lehrer Markus Zahnhausen rund 100 Zuhörer in der Karlskirche. "Blockflöte zu vier Händen" hatten die beiden Musikvirtuosen ihre 60-minütige musikalische Reise in der Zeitmaschine getauft. Zeitgenössische wechselte mit Barockmusik. Am Anfang standen zwei Stücke Programmmusik, bei denen der Komponist mit seinen Melodien eine Geschichte erzählte. "Gespräche, Streit und Klatsch", ein theatralisch-szenisches Werk des 2014 verstorbenen Russen Vladislav Kazénin, begann mit Zahnhausens Solo auf der Knickbassflöte. Ein langsamer, russisch melancholischer Monolog. Plötzlich tauchte aus dem Hintergrund die verborgene Altflötistin jubelnd und trillernd auf. Parallele Melodien , abgehackte Wechsel bestimmten den Dialog. Bis zum Streit, in dem Tatjana Flickinger, genervt blickend und musikalisch in hektischen Läufen zeternd, kreischend, schimpfend die Bühne verließ - langsam, wortkarg und dumpf verfolgt von ihm. Ein Mann - ein Wort, eine Frau - viele Worte. Typisch: Sie behielt mit der jubilierenden Altflöte aus der Ferne das letzte Wort.

Mit seiner Gulliver-Suite erzählte der zu seiner Zeit berühmteste Komponist der Welt, Georg Philipp Telemann , dessen Geschichte nach. Zwei polyhphone Altflöten umspielen sich in der Intrada. Zwei Piccoloflöten traktieren mit fliegenden Fingern kleinste Notenwerte wie die Zwerge mit ihren winzigen Pfeilen. Zwei Bassflöten tanzen als Riesen eine behäbige Chaconne, bevor die nachdenklichen Philosophen mit kurzen "Weckrufen" aus ihren lang gezogenen (Gedanken)Tönen gerissen werden. Die furiose Piccoflöte Zahnhausens stört als "böses Affentier" den melodischen "Tanz edler Pferde" auf Flickingers Altflöte. Der ersten Tanz-Suite des französischen Barockkomponisten Jaques M. Hotteterre mit ihren vorgeschriebenen Verzierungen folgt mit "Ikona" ein Solostück, das Zahnhausen 2006 komponiert hat. Im Wechsel von Alt- und Piccoloflöte zeichnet er als einer der bekanntesten Blockflötisten und Komponisten die dunklen, nachdenklichen Elemente der Goldikonen, die in der hellen Flöte wie unter Lichtstrahlen aufblitzen. Den "versöhnlichen Abschluss" bildet das Konzert g-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach in drei Sätzen. Polyphon verschlungene Läufe, ein bald sehnsuchtsvoll schluchzendes, bald sich tröstlich auflösendes Andante und ein wie Wildwasser perlendes Allegro zeigen noch einmal die gesamte Virtuosität der beiden Flötisten in diesem technisch höchst anspruchsvollen und dennoch witzigen Konzert.