Wallhalben : Kerwered ohne Kerwe

Die Straußjugend in Wallhalben hat sich Corona zum Trotz ordentlich ins Zeug gelegt.

Sie lebt, die Kerwe in Wallhalben. Wegen Corona zwar nicht hochoffiziell und ohne Karussell, Festzelt und Kerweumzug durch den Ort. Doch vier Straußmädels und 13 Straußbuben, allesamt mit Strohhüten auf dem Kopf, weißen Blusen oder Hemden gekleidet, dazu nach alter Kerwetradition mit rotem Halstuch und ebenso feuerroter Schürze ausgestattet, sorgten am Sonntag in den frühen Nachmittagsstunden für einen tollen Kerwezauber auf dem Käthe-Dassler-Platz beim Ludwig-Katz-Haus. Vor vielen kleinen und großen Zuhörern, die ganz Corona-konform einer einfallsreichen Kerwerede lauschten, die Peter Lenhardt im Fenster und Florian Flohr auf der Leiter hielten.

„Ihr liewe Leid und Kerwegäschd, des Johr gebds leider nix mit unserem riesegroße Feschd. Begrüße du mer eich trotzdem, zu unserer Kerweredd, dass die dem Virus zum Opfer fall – geht efach ned…“. Bevor die beiden Redner dann die Neuigkeiten preisgaben, erinnerten sie alle Lauschenden auch nochmals ans Einhalten der Regel in dieser Pandemiezeit. Abstandhalten auf dem Platz und Eintrag in der Liste, die im Ludwig-Katz-Haus ausgelegt wurde.

Selbst an den Kerwedurst hatten die Straußmädels und Straußbuben gedacht und meinten: „Se Drinke han mer an bereitgestellt, awwer bedient werre na net. Do steht e Spendebix debei, unn jetzt komme mer zu de Kerweredd!“ Seit drei Jahren konnte erfolgreich dem alten Kerwebrauch auch in Wallhalben wieder Leben eingehaucht werden.

Gehadert haben alle mit den Beschränkungen durch Corona und die lustigen Straußmädels und Straußbuben hatten dafür eine ganz besondere Lösung parat: „Corona hin, Corona her, so langsam gehts em uff die Klabuschderbeere, ich kanns ball nimi here. Mir han jezzd efach a e anneres Wort genumm, dann kann sich kenner beschwere. Mir nennes jetzt mol annersch und zwar die ganze Zeit, wenn ihr das Wort Backfisch here – wisse ner Bescheid!“

Der Stromausfall bei der letztjährige Kerwe nahm viel Platz in den Kerwenachrichten ein und weil es mit dem Mikro bei der Kerwerede nicht tadellos klappte, zogen die Straußmädels und Straußbuben daraus die passende Konsequenz. Auf dem Platz herrschte große Stille und die beiden Kerweredner überboten sich förmlich an Redelautstärke, was großartig ankam.

Den „Grumbeere- und Weihnachtsmarkt“ ließen sie noch einmal Revue passieren und dass beim Weihnachtsmarkt das nasse Feuerholz nicht so richtig brennen wollte, sorgte erneut auf  dem Festgelände am Sonntag für viel Gelächter. Trotzdem bekam gerade die Feuerwehr viel Lob spendiert.

Die Leerstände der öffentlichen Häuser wurde angeprangert und das kam so rüber: „Dass in unserer Schul nix meh los iss, iss mittlerweile jedem klar, awwer was do des Johr bassiert iss, derf mer eigentlich kemm sahe. An e Verwaltungsgebäude werd garnimmie gedacht, awwer e Notlazerett fa de Backfisch hannse draus gemacht. Unn sowas in Wallwe, stellen eich mol vor, was die do uffgefahr hann, lein do  moins 400 Feldbette vorm Door. Fleißige Helfer hann die dort nin getrah, zum Glick hammer die net gebraucht bis uff de heitiche Daah.“

Dass die 750-Jahrfeier wegen Corona nicht organisiert werden konnte erfuhren alle noch einmal und wurden zugleich eingeladen zur 751. Jahrfeier im kommenden Jahr. Einfallsreich die Fischer des Ortes, ein wahrlich reger Verein. Zwar mussten auch sie Corona ihr traditionelles Fischerfest an Karfreitag opfern, doch dafür gab es einen Lieferexpress mit geräucherten Forelle gar über die Ortsgrenze von „Wallwe“  hinaus. Vom Ortsverein mit dem komischen Namen (Thank God it´s Friday) dem heimischen Event-Verein war die Rede und zwar gehörig. Denn die „Backfischzeit“ sei  von den Mitgliedern zum Abnehmen genutzt worden und vorher wurden Wetten angenommen, wer wieviele Pfunde verliert. Die Wettsumme wurde dann dem Kindergarten spendiert, was für sich allein schon eine gute Tat gewesen ist.