Kerwe in Riedelberg : Disziplinierte Partylöwen

In Riedelberg wurde mit viel Elan trotz Corona Kerwe gefeiert.

Corona zwang die fast 30 Riedelberger Straußmädels und Straußbuben um Janine Haller und Martin am letzten Wochenende aus den sonst fetzigen vier Kerwetagen diesmal eine Kerwefeier im Miniformat zu machen. Mit entsprechendem „Ohhh nee unn warum nedd“ wurde die Sache doch gestemmt und zu einem runden Erfolg.

Die Kerwe 2020 unter Corona-Bedingungen wird deshalb erst recht bei allen in bester Erinnerung bleiben. Die Aktiven einerseits,  aber ebenso die Zuhörer, die in den frühen Abendstunden zum Dorfgemeinschaftshaus pilgerten, um dort der fetzigen Kerwerede zu lauschen. 

Bunter Kerwestrauß, eine Riesenschar von Straußmädels und Straußbuben, zwei Leitern an der Frontwand des Dorfgemeinschaftshauses und viele, erwartungsfrohe Kerweredelauscher zwischen dem DGH und dem neuen Sporttempel der Tischtennisaktiven mit großem Anhang. Auf den ersten Eindruck ein Bild, wie man das eigentlich schon seit vielen Jahren von der Kerwezeit im Herzen des „Hackmesser-Landes“ kennt. Oft genug glich dabei der Sporthalle im DGH einem einzigen Tollhaus, nahmen es die Feiernden oft genug gar wörtlich wenn die Losung „Hoch die Tassen“ zum geselligen Prost ausgegeben wurde.

Das Anbringen des herrlichen geschmückten Kerwestraußes als sichtbares Zeichen für die Traditionsfeier beim Dorfgemeinschaftshaus bereitete keine Probleme und als die große Schar der Straußmädels und Straußbuben formgerecht Mund- und Nasenschutz angelegt hatte, hieß die unausgesprochene Parole: „Feuer frei für die Kerwerede im Corona-Jahr.“

Janine Haller  machte den Anfang. „Ihr liewe Leit un Kerwegäschd, mit begrieße eich recht herzlich zu unserem Kerwefeschd. Dies Johr hamma widda an eich gedacht, unn was Scheenes mitgebracht. Drum präsentiere mir eich in voller Pracht, Geschichte über die es ganze Dorf lacht. Unser Boom misse na eich dies Johr gut betrachte, des is nämlich mo widda net zu verachte. Bei de Riedelberger Kerb, so is es üblich, werde gesaht - was im Ort gefällig un was betrüblich. Des losst a uns Straußmäde unn Buwe kä Ruh. Mir verzehle eich jetzt, unn ihr heere zu. Mer wolle eich berichte schun, was mancher im Dorf so hat gebrung. Doch äns wolle mer im Voraus sagen, was das betrifft.“

„Den Vortrag als Spaß empfinden die Genannten und wir nicht wollen dafür im Zuchthaus landen“, so die Devise von Janine Haller. Anekdote für Andekdote gab sie zusammen mit ihrem männlichen Partner Martin Metz preis, wie etwa des Hubers Kuh, die auch außerhalb des Zaunes und tief in Frankreich Muh macht, obwohl die Grenze doch im Frühjahr wegen  Corona geschlossen war.

Von ganz  besonderen Feuerwehreinsätzen ist ebenso die Rede gewesen, wenn es galt, einen brennenden Schlepper zunächst mit Besen und Schaufel zu löschen. Oder dem vermeintlichen Bombenfund im Hausgarten, was sich letztlich als Handgranate entpuppte, die im Spezialkoffer abtransportiert wurde. 

Den Kerwetanz mussten sich alle in diesem Jahr verkneifen. Für die Kleinsten des Ortes war ein Süß- und Spielwarenstand angeheuert worden und mit buntem Kerwestrauß und einer in allen Punkten überzeugenden Kerwerede kam dann doch eine prächtige Kerwestimmung auf.