Kerwe in Großsteinhausen : Wie Corona in die Pfalz kam

Bei der Kerwerede ließ man in Großsteinhausen die letzten zwölf Monate Revue passieren.

„Ihr liewe Leid und Kerwegäscht – Gott sei Dank, kenne mir heit feiern unser geliebtes Feschd! Uns war schun ganz Angst un Bange, dass mir net kenne am Kerwefreidah e Sauferei anfange…“ Es schallte wie in den letzten Jahren immer vom Eingangsdach beim Sportheim hin zur Zuhörerschar, welche in gebührendem Abstand den Dorfneuigkeiten lauschte, die Selina Glaser und Sonja Reidenbach wie immer gekonnt und mit viel Ausdruckskraft verbreiteten.

Kirchweihtage, landläufig Kerb genannt, sind in dem Ort auf der Hackmesserseite schon Jahrzehnte lang ein ganz besonderes Erlebnis. Das sollte es auch diesmal werden, wenngleich mit Corona die nicht zu umgehenden Schwierigkeiten von Versammlungsumfang und ähnlichen Auflagen kamen. „Nicht wie sonst, aber doch herzlich und vor allem mit jeder Menge Herzblut dabei“, stellte kurz und knapp Ortsbürgermeister Volker Schmitt fest welcher sich natürlich darüber freute, dass auch in diesem Jahr wieder 18 Straußmädels und Straußbuben für die Fortsetzung des alten Kerwebrauchs sorgten.

Beim SVG versteht sich, dem Sportverein Großsteinhausen, in dessen Zuhause, dem Sportheim, sich alles um die Kerwe drehte und am frühen Sonntagabend nach alter Gepflogenheit im Anschluss an das Kerwespiel der heimischen Kicker die übers Jahr aufnotierten Neuigkeiten in gereimter Form den Zuhörern präsentiert wurden.

Dabei haben die Bürger ja einen ganz besonderen Zug zur ausgebrochenen Pandemie, wenn auch nicht in positiver Art und Weise, wie jetzt auch in der Kerwerede zu hören gewesen ist. „Ich wees, ihr kenne des bestimmt nimmi here, aber über Corona müsse mir uns a noch kurz beschwere. Mir han gedacht in unserm kleene Dorf sin mir sicher, aber kenner hat mir de Ischgl Heimkehrer gerechnet, denne Stricher. Die han nämlich die Seuche in unser Dorf gebrung un somit han se de erschde bestätige Fall in de Palz in unserem Dorf gefunn. Nur gut, dass jeder Großsteinhauser von inne raus dut gut desinfiziere, do konnte se net so viel anrichte, die Viere…“, meinten die beiden Rednerinnen und konnten prompt den entsprechenden  Szenenapplaus einheimsen.

Dass der langjährige Medikus „Hobbi“ (Hoppenrath) nunmehr nur noch in Kröppen seine Diagnosen stellt bliebt nicht unerwähnt und auch der Hausanstrich des Dorforiginals „Atze“ in einem schier blendgrellen Gelb sorgte für viel Gelächter. Der Sportverein als heimliche Seele des Ortes bleibt gleichfalls nicht unerwähnt, an die vielen Feste dort habe man sich ja bekanntlich in der Vergangenheit längst gewöhnt.

Gezwungenermaßen musste die Straußjugend mit einer alten und längst liebgewonnenen Tradition brechen, denn aus bekannten Gründen war auch das beliebte Scheunenfest in Dellfeld ausgefallen, wo stets am Vatertag hingewandert worden ist. Doch in Freddys-Scheune vor Ort ward schnell Ersatz gefunden.

Dass die gemeindliche Grillhütte draußen im Seiters noch vor dem Berliner Flughafen fertig werden sollte, hätten wohl die wenigsten im Ort vermutet und dafür hatten Selina und Sonja folgenden Vers gereimt: „Noh langer Warterei isses endlich soweit, un die Grillhitt is fa die Feschde bereit. Die is net nur groß, a noch wunnerschee, un Dank unserer treuen Helfer könne mir dort jetzt feire geh…“