Kein Dioxinfleisch in Südwestpfalz

Zweibrücken. Welche Gefahren drohen? Welche Vorsichtsmaßnahmen können getroffen werden? Die Antwort lautet: nur wenige! Geringe Mengen Dioxin sind überall zu finden. "Selbst durch strengste Maßnahmen ist nicht zu verhindern, dass Dioxine über Lebensmittel aufgenommen werden", erklärt Metzgermeister Conrad Borck

Zweibrücken. Welche Gefahren drohen? Welche Vorsichtsmaßnahmen können getroffen werden? Die Antwort lautet: nur wenige! Geringe Mengen Dioxin sind überall zu finden. "Selbst durch strengste Maßnahmen ist nicht zu verhindern, dass Dioxine über Lebensmittel aufgenommen werden", erklärt Metzgermeister Conrad Borck. Es gehe ausschließlich um die Menge der Giftstoffe, die sich in der Nahrung befinden.Solange die Grenzwerte nicht überschritten würden, krähe kein Hahn danach. Seien die Werte überhöht, komme es zu einem Skandal. Rückmeldungen und Nachfragen von seinen Kunden habe es kaum gegeben. Aufgrund ständiger Horrormeldungen seien die Verbraucher an schlechte Nachrichten gewöhnt. Seine Metzgerei habe keine Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Auch der Absatz an Schweinefleisch sei stabil. "Es gibt auch Kunden, die schätzen Qualität", berichtet Borck. Ursachenforschung zum Skandal zu betreiben, fällt dem Metzgermeister nicht schwer: "Lebensmittel sind in vielen Bereichen zu Ramschartikeln verkommen." Der Verbraucher kaufe oft nur unter Preisaspekten.

Einer der vom Dioxinskandal direkt Betroffenen ist Schweinezüchter Uwe Bißbort aus Windsberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. "Der Schweinemarkt ist in den vergangenen Tagen massiv eingebrochen, obwohl unser Tierbestand rundum gesund ist", erklärte er auf Anfrage. Momentan könne er nur hoffen, dass sich die Lage wieder beruhige. Nicht nachvollziehen kann er den Aktionismus von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Es seien doch Gesetze vorhanden, auf deren Grundlagen nur strenger kontrolliert werden müsste. Eine vorsätzliche Handlung wie mit dem Untermischen von technischen Fetten in die Tiernahrung geschehen, sei nicht verhinderbar. Durch solche Kriminelle gerate die komplette Branche in Verruf.

Waltraud Fesser von der Verbraucherzentrale berichtet von zahlreichen Anfragen, die sie von verunsicherten und verärgerten Verbrauchern erhalten habe. Ihr Ratschlag: Niemand müsse in Panik ausbrechen. Dioxin entstehe durch Verbrennungsprozesse und sei in geringen Mengen überall vorhanden. "Wichtig ist, dass Produkte, die erhöhte Werte aufweisen, nicht in den Handel kommen." Weiter gelte ihre Empfehlung, nicht mehr als zwei bis dreimal pro Woche Fleisch zu verzehren. Da sich Dioxin hauptsächlich in Fett ablagere, sei fetthaltiges Fleisch stärker betroffen. Nicht von hohen Werten betroffen sei Biofleisch. Um Skandale zu vermeiden und mehr Transparenz zu erzeugen, müsse die Herkunft des Fleisches detailliert gekennzeichnet sein. Zudem müsse sich jeder Einkäufer selbst seine Gedanken machen, wie die großen Preisunterschiede zu erklären sind.

Ulla Eder von der Kreisverwaltung erklärte auf Anfrage, dass weder in der Stadt noch im Landkreis zusätzliche Kontrollen von Bauernhöfen aufgrund des Dioxinskandals notwendig waren. Überprüfungen zur Herkunft der Futtermittel hätten gleich zu Beginn der Meldungen stattgefunden. Dabei sei festgestellt worden, dass von den fraglichen Anbietern nichts in die Südwestpfalz gelangte. Viele Tierhalter in der Region bauen ihr Futter ohnehin selbst an. In der Südwestpfalz gebe es nur noch einen Schlachthof in Zweibrücken. Von dort wurden auf Anforderung des Ministeriums zwei Proben von Schweinefleisch außerplanmäßig entnommen. Die Ergebnisse stünden noch aus.

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Hühner, Puten und Schweine haben auf deutschen Bauernhöfen vergiftetes Futter gefressen. Ein Futtermittelhersteller hatte technische Fette aus der Diesel-Produktion für Tiernahrung genutzt. Über Eier und Fleisch nehmen Menschen die Dioxine auf, die sich in Leber und Gewebe einlagern. Das Gefährliche ist die Langzeitwirkung, denn die Substanzen werden kaum abgebaut. Auch bei geringen Einzelmengen steigt im zunehmenden Alter die Belastung. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden bis zu 3 000 Tonnen mit Dioxin verseuchtes Fett an 25 Futtermittelhersteller in vier Bundesländern geliefert. Wohin das Gift von dort aus transportiert wurde und welche Mengen an Nahrungsmitteln belastet sind, ist momentan noch nicht geklärt. est