Messdiener treten auf : Kinder wollen „Welt ein bisschen fairer machen“

Mit ihrem Theaterstück über die ausbeuterische Kleiderproduktion wollen die Contwiger Messdiener informieren, aufrütteln und sensibilisieren. Aufgeführt wird es an diesem Sonntag.

„Laaangsam“, erinnert Hedi Bender immer wieder. Die Presbyterin der katholischen Kirche Contwig hat mit den Messdienerinnen und Messdienern, wie in jedem Jahr, zum Fastenessen ein Theaterstück einstudiert, das nachdenklich macht. Aufgeführt wird es an diesem Sonntag, 7. April, nach dem Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt. Die 14 Mitwirkenden zwischen 10 und 16 Jahren waren bereits bei der vorletzten Probe am Mittwochnachmittag sehr textsicher und feilten an Feinheiten.

„Dreh Dich mehr zu den Zuschauern“, forderte Hedi Bender das „rote T-Shirt“ aus dem Billigladen auf. „Lauter, viel lauter und energischer“, hörte André Roszyk. Er spielt den Aufseher, der die Näherinnen in Bangladesh drangsaliert. „Das ist keine Fiktion, sondern Realität“, erinnern die jungen Menschen an das Schicksal der Näherinnen in dem asiatischen Land.

„Meine Geschichte beginnt in einem fernen Land“ heißt das Theaterstück, das die Contwiger Messdiener in diesem Jahr einstudiert haben. Seit Januar lernen sie die Texte und proben die Inszenierung. Zwei Freundinnen, die sich auf eine Party freuen, gehen zuvor noch shoppen. Nach dem Kleiderkauf treffen sich beide Mädchen und präsentieren ihre Ausbeute, darunter auch ein rotes, super billiges T-Shirt. Plötzlich beginnt das T-Shirt zu sprechen und nimmt die beiden Mädchen mit auf seine Reise. Sie beginnt in Usbekistan, wo Kinder, statt in die Schule zu gehen, Baumwolle ernten müssen.

Franzi und Tina lernen die zahlreichen Stationen rund um den Globus kennen, die das rote T-Shirt auf seinem Hin und Her durchläuft, bis es in einem deutschen Geschäft ankommt. Sie erleben in einer beeindruckend dargestellten Szene mit, unter welchen Arbeitsbedingungen die Näherinnen in Bangladesch, „der Nähmaschine der Welt“, ausgebeutet werden. Dabei lernen die Protagonisten wie auch die Zuschauer die Schattenseiten des globalen Handels kennen. Sie erfahren, was „fair trade“ bedeutet und sind eingeladen, ihr eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.

Für die Messdiener war es interessant. Auch sie hatten sich bislang wenig Gedanken darüber gemacht, woher ihre Kleidung kommt und wer an der Herstellung beteiligt ist. Kirsi Ureg (11) war entsetzt, „wie arm die Menschen in anderen Teilen der Welt sind und wie viel sie tun müssen“. Der zwölfjährige Maximilian Weidler freut sich, seinen Mitmenschen zu zeigen, „wie es auf der anderen Seite der Welt zugeht.“

„Mit diesem Stück möchten unsere Theaterspieler die „Welt ein bisschen fairer machen“, erklärt Hedi Bender. Mit mehr als 100 Anmeldungen ist das Fastenessen „Chili sin Carne“ (vegetarisches Chili ohne Fleisch) im Pfarrheim auch in diesem Jahr sehr gut gebucht.

Der Erlös kommt der Welthilfsorganisation Miserior zu Gute und fließt 2019 mit El Salvador in eines der ärmsten Länder der Welt. Im vergangenen Jahr spielten die Messdiener über 500 Euro an Spendengeldern ein.