Katastrophenschutz aus Zweibrücken

Zweibrücken. Diese Ventilatoren aus Zweibrücken hätten Sylvester Stallone im Kinofilm "Daylight" die Arbeit abgenommen. Dort mimte er einen Katastrophenhelfer, der in einem brennenden Autotunnel Eingeschlossene vor dem Erstickungstod bewahrt. Das können auch neue Absaugsysteme der Firma TLT Turbo

Zweibrücken. Diese Ventilatoren aus Zweibrücken hätten Sylvester Stallone im Kinofilm "Daylight" die Arbeit abgenommen. Dort mimte er einen Katastrophenhelfer, der in einem brennenden Autotunnel Eingeschlossene vor dem Erstickungstod bewahrt. Das können auch neue Absaugsysteme der Firma TLT Turbo. Die können auch bei extremer Hitze schnell und zuverlässig giftige Dämpfe und Rauch aus Autoröhren absaugen, Unglücke wie 1999 im französischen Montblanc- oder 2001 im österreichischen Gotthardtunnel verhindern. In Kürze werden sechs solcher Ventilatoren in den drei der vier Hamburger Elbröhren eingebaut, durch die im Schnitt täglich 120 000 Autos fahren. Die TLT-Ventilatoren sollen nicht nur bei Feuer anlaufen, sondern auch, wenn die Sensoren für CO2, Ruß und Feinstaub Alarm schlagen. Jürgen Steltmann, Teamleiter Tunnelsysteme bei TLT erklärt, was die sechs Riesen-Ventilatoren im Gesamtwert von etwa 4,5 Millionen Euro von anderen abhebt: "Man kann ihre Schaufeln während des laufenden Betriebs hydraulisch verstellen. Dadurch ist die Absaugwirkung an jedem Punkt des Tunnels besonders gut." In den Decken der Röhren gibt es spezielle Ent-rauchungsklappen. Je nachdem, wo es brennt, werden sie geöffnet. Frühere, statische Ventilatoren konnten sich nicht so gut darauf einstellen, ob ein Feuer eher am Tunnelanfang oder in der Mitte ausgebrochen ist. Ein weiteres Kriterium, auf das bei Ventilatoren seit den oben genannten Tunnelbränden immer mehr Wert gelegt wird: Sie müssen extrem hohe Temperaturen aushalten, dürfen dabei nicht ausfallen. Durch die Flammen werde es in den Autoröhren bis zu 1200 Grad heiß, erklärt Steltmann. Beim Absaugen kühle die Luft zwar etwas ab, "am Ventilator ist sie aber immer noch bis zu 400 Grad heiß". Daher gibt es besonders harte Sicherheitstests, die die Zweibrücker Maschinen laut Steltmann alle bestanden. Profitiert habe TLT davon, dass man ähnliche Ventilatoren, die hohe Temperaturen bis 600 Grad aushalten müssen, bereits in Russland verarbeitet hatte, so der Teamleiter. Dort gebe es zum Teil noch höhere Sicherheitsvorschriften als in der EU. Drei Jahre hätten in Zweibrücken etwa 15 Mitarbeiter an der Entwicklung gearbeitet. Im April werden die ersten beiden Ventilatoren nun auf die Reise geschickt. Die Riesengeräte sollen still und heimlich arbeiten. In lebensrettender Mission.