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Kandidaten-Trio ist Contwig Herzenssache

Kandidaten-Trio ist Contwig Herzenssache

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 Volker May, SPD. Fotos: pma
Volker May, SPD. Fotos: pma
 Bertram Schlachter, UWG.
Bertram Schlachter, UWG.
Kandidaten-Trio ist Contwig Herzenssache

Für die Wahl des Ortsbürgermeisters gibt es in Contwig am 11. Januar drei Bewerber. Neben Karlheinz Bärmann (CDU) und Volker May (SPD) möchte auch Bertram Schlachter (UWG) künftig auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen. Der Merkur sprach mit den drei Kandidaten darüber, was sie für ihr Dorf erreichen wollen. Warum bewerben Sie sich für das Amt des Bürgermeisters?Bärmann: Contwig ist mein Lebensmittelpunkt. Hier bin ich zu Hause. Mein Heimatort liegt mir am Herzen. Aufgrund meiner langjährigen politischen Erfahrung und der guten Zusammenarbeit mit Wilhelm Sefrin wurde ich von vielen Bürgern gebeten, mich um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben, damit sei gewährleistet, dass es in Contwig weiter so gut läuft wie bisher.May: Seit meiner Jugend ist es mein Anliegen, im Ort etwas zu verbessern und das Gemeindewohl zu fördern. Durch meine langjährige Erfahrung als Mitglied des Gemeinderates bin ich außerdem mit den Problemen von Contwig und Stambach sowie mit dem Ablauf des Verwaltungsapparates vertraut. Daher bin ich überzeugt, dass die Bürger mit mir als Bürgermeister eine sehr gute Wahl treffen würden.Schlachter: Contwiger und Stambacher Politik wird seit 20 Jahren von der Großen Koalition in Verbandsgemeinde und Kreis gesteuert. Diese Parteiabhängigkeit hat die Gemeinde nicht weit gebracht. Es fehlt an Baugebieten, an einem Dorfgemeinschaftshaus, an Schulkonzeptionen, am Ausbau der Ortsdurchfahrt Stambach und Vielem mehr. Es wird höchste Zeit, dass Contwig und Stambach das Gewicht erhalten, das der Größe und dem Entwicklungsbedarf der Gemeinden entspricht. Das Erreichen dieses Zieles erfordert eine durchsetzungsfähige und nach oben parteiunabhängige Person.Was wollen Sie für die Gemeinde erreichen?Bärmann: Die positive Entwicklung unserer Gemeinde weiterführen, Begonnenes fertigstellen und Neues in Angriff nehmen. Festhalten an der Weiterentwicklung des Flughafen Zweibrücken. Ein Seniorenheim an der Rosenschule schaffen. Bau des Bahnhaltepunktes in Stambach. Die Förderung von Jugend und Sport weiterführen. Erschließung der Neubaugebiete Seitershang und Bohnrech und die Errichtung eines Spielplatzes in Stambach.May: Den Zusammenhalt im Ort weiter zu stärken, hat oberste Priorität für mich. Dies geschieht vor allem durch gezielte Förderung des Vereins- und Gemeindelebens mit Schwerpunkt auf der Einbeziehung von Neubürgern. Des Weiteren setze ich mich für den Ausbau hochwertiger Betreuung von Kindern und Jugendlichen sowie angemessene Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten ein. Gleichzeitig möchte ich neue Wege für die Finanzierung des Ausbaus von Ortsstraßen einführen und Gewerbeflächen für Kleinbetriebe schaffen. Schlachter: Die finanzielle Leistungsfähigkeit zur Weiterentwicklung der Gemeinde muss gewahrt bleiben. Contwig muss an den Gewinnen auf dem Flugplatzgelände beteiligt werden. Der Knebelvertrag von 1996 mit dem Landkreis, der Contwig nur Schulden aus dem Ausbau der Landebahn, Befeuerungsanlage und so weiter aufbürdet, muss weg, da der reine Flugbetrieb nur Verluste bringt. Nur eine Änderung des bestehenden Vertrages kann eine attraktive Weiterentwicklung der Gemeinde zum Wohl ihrer Bürger sichern.Welche Auswirkungen hat Ihrer Ansicht nach die Entwicklung auf dem Flugplatz für Contwig?Bärmann: Die Zukunft der gesamten Region liegt auf dem Flugplatz. In diesem Jahr werden wir voraussichtlich 825000 Euro Gewerbesteuereinnahmen haben. Ohne die Einnahmen vom Flugplatz hätten wir ein Gewerbesteueraufkommen von 198000 Euro. Das bedeutet, dass unsere Gemeinde zum Ende des Jahres über eine freie Finanzspritze von 334000 Euro verfügen kann. In den Jahren zuvor waren wir froh, wenn wir wesentlich bescheidenere Überschüsse verbuchen konnten. Noch ein kleiner Hinweis auf die Entwicklung der Arbeitsplätze auf dem Flughafen: Waren vor zehn Jahren 364 Arbeitsplätze gemeldet, so waren es im Juni dieses Jahres 2612. May: Die Entwicklung auf dem Flugplatz wird vor allem in der Zukunft einen großen Einfluss auf unsere Gemeinde haben. Floriert das Gewerbe auf dem Flugplatz, wird sich das selbstverständlich positiv auf Contwig auswirken und umgekehrt. Schlachter: Ich bin für die Weiterentwicklung des Flughafengebietes, weil sie Arbeitsplätze für die Region bringt. Sie bringt Einnahmen für die Verbandsgemeinde und den Landkreis. Durch den Vertrag von 1996 mit dem Landkreis verbleiben Contwig jedoch nur Schulden. Dadurch fehlt der Gemeinde auf Jahre definitiv das Geld für Straßen, Spielplätze, Baugebiete, Vereinszuschüsse usw. Ich möchte mit allen Mitteln ein böses Erwachen vermeiden.Vor einiger Zeit wurde gefordert, dass Stambach eine eigenständige Ortsgemeinde werden soll. Wie denken Sie darüber?Bärmann: Wir sind eine Gemeinde. Das empfinden unsere Bürger sowohl in Stambach als auch in Contwig so. Wer etwas anderes will, der muss dies selbst vor unseren Bürger vertreten. Ich werde dafür arbeiten, die Stärken unserer Gemeinde in beiden Ortsteilen zu fördern und so das Wir-Gefühl stärken.May: Ich denke, dass dies nicht nötig ist, zumal Stambach im Gemeinrat zahlreich vertreten ist. Auch wenn es manchmal Querelen gibt, ist der Zusammenschluss von Contwig und Stambach für beide Seiten von Vorteil und eine große Bereicherung.Schlachter: Als fünftgrößte Gemeinde der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land fühlen viele Stambacher Bürger ihre Interessen durch ihre parteilichen Ratsmitglieder im Contwiger Rat nicht ausreichend vertreten. Gesetzlich ist es kein Problem, einen Ortsbeirat mit eigenem Ortsvorsteher zur Lösung eigener Anliegen zu bilden, zumal die politische und finanzielle Verantwortung im Contwiger Rat bleibt. Die Betroffenen können jedoch in Zukunft zum Beispiel mit entscheiden, ob und welche Straße ausgebaut wird, ob ein Bahnhaltepunkt eingerichtet wird oder nicht und ob die Ortsdurchfahrtsgestaltung so akzeptiert wird oder nicht. Die Entscheidung über einen Ortsbeirat sollen die Stambacher Bürger selbst treffen.Sehen Sie im Bereich Tourismus Chancen für Contwig?Bärmann: In Verbindung mit der Entwicklung auf dem Flugplatz kann und wird es die eine oder andere Übernachtung geben. Chancen, die sich aus dem Ile-Prozess ergeben, müssen genutzt werden. May: Ich bin überzeugt, dass man den Tourismussektor noch weiter ausbauen kann und somit auch einen Gewinn für die Gemeinde erzielt. Die Möglichkeiten sehe ich dabei in der Nutzung der Radwege und der Freizeitanlagen vor allem in Verbindung mit dem Tourismuskonzept des Flugplatzes Zweibrücken sowie des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz. Schlachter: Im Moment ist wenig Infrastruktur vorhanden. Durch die hohe Schuldenrückzahlung an den Kreis wird in Zukunft kaum Geld für Tourismusförderung zur Verfügung stehen. Im Übrigen greifen Tourismuskonzepte nur, wenn ganze Regionen und nicht einzelne Ortschaften das Konzept entwickeln und mittragen.Sollte das geplante Neubaugebiet im Ort trotz eines zu erwartenden Bevölkerungsrückganges erschlossen werden?Bärmann: Zurzeit können wir den Bedarf an Bauplätzen abdecken. In Stambach hat die Gemeinde noch 14 Bauplätze, die sofort bebaut werden können. Was die Weiterentwicklung des Baugebietes auf dem Bohnrech betrifft, stehen wir Gewehr bei Fuß. Verhandlungsgespräche mir verschiedenen Erschließungsträgern sind eingeleitet. Die ersten Vorgespräche sollen im Frühjahr 2009 statt finden. Ich bin aber auch der Meinung, dass unabhängig von dem Rückgang der Bevölkerungsentwicklung auch die allgemeine momentane wirtschaftliche Lage eine große Rolle spielt, wie und wann die Erschließung des Neubaugebietes in Angriff genommen wird. May: Ja, aber nur in Abschnitten. Contwig hat vor allem durch seine Nähe zu Zweibrücken eine sehr gute Ausgangsposition und auch innerhalb der Gemeinde gibt es ein reiches Angebot in Bezug auf Schulen, Gesundheitsversorgung, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten.Schlachter: Eine Gemeinde muss immer kostengünstige Bauplätze für junge und zuziehende Familien zur Verfügung haben. Leider konnten oder wollten sich über 20 Jahre Contwigs Bürgermeister bei der Verbandsgemeinde zur Erschließung eines Baugebiets nicht durchsetzen. Die Folge: Viele Contwiger und Stambacher bauten in Nachbargemeinden. Was kann man tun, damit junge Leute nicht aus Contwig wegziehen?Bärmann: Ich habe es bereits in meiner Funktion als Fraktionssprecher schon vor Jahren gesagt, dass die Zukunft unserer Jugend und die unserer Gemeinde da droben auf dem Berg liegt. Deshalb halten wir uneingeschränkt an der Weiterentwicklung auf dem Flugplatz fest.May: Unsere Jugend braucht neben einer guten Schulbildung auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Um junge Familien in unserer Gemeinde zu halten und anzuziehen, benötigen wir ein umfassendes Betreuungsangebot für Klein- und Schulkinder sowie kostengünstige Bauplätze. Des Weiteren müssen Jugendliche und junge Familien aktiv an der Gestaltung des Gemeindelebens beteiligt werden. Schlachter: Ansiedlung von Arbeitsplätzen unterstützen, Bauplätze bereithalten, günstigen Wohnraum im Ortskern schaffen, Ansiedlung neuer Einkaufsmärkte und Geschäfte, Förderung der Kleinkindbetreuung, schulisches Angebot optimieren und Jugendarbeit der Vereine fördern.Reicht das Angebot des ÖPNV in Contwig aus?Bärmann: Im Großen und Ganzen finde ich das Angebot ausreichend. An den Wochenenden haben jedoch die Stambacher Bürger nicht die Möglichkeit, mit einem öffentlichen Verkehrsmittel etwas zu unternehmen. Sei es eine Fahrt ins Krankenhaus oder zu einem Fest in der Vorderpfalz. Dies wird sich aber voraussichtlich bis zum Fahrplanwechsel Ende nächsten Jahres ändern. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Reaktivierung des Bahnhaltepunktes in Stambach ja abgeschlossen sein.May: Contwig hat im Vergleich zu anderen Gemeinden eine relativ gute Anbindung an die öffentlichen Nahverkehrsmittel. Besonders durch die Aufnahme Stambachs in den Zugverkehr wird dies noch zusätzlich verstärkt. Jedoch darf man dabei den Busverkehr nicht ausdünnen, denn besonders für ältere Mitbürger ist der Weg zum Bahnhof sowohl in Contwig als auch in Stambach teilweise sehr weit. Schlachter: Im Moment besteht eine hinreichende Verbindung nach Zweibrücken und Pirmasens. Ich hoffe, dass durch den Haltepunkt in Stambach zukünftig die Busverbindungen in Contwig und Stambach nicht eingeschränkt wird. Wer weiter verreisen will, hat von unserem Ort aus eher schlechte Karten. Bis man zu Bahnhöfen gelangt, die das Fernreisen ermöglichen, muss man sehr oft umsteigen und braucht zu viel Zeit.Wie sehen Sie die Chancen, dass für Stambach und Contwig ein gemeinsamer Fußballrasenplatz gebaut wird?Bärmann: Wir von der CDU- Fraktion haben über Jahre in jedem Haushaltsentwurf 100000 Euro für eine Beteiligung an der Schulsportanlage bereitgestellt, damit den beiden Fußballvereinen ein Rasenplatz zur Verfügung gestanden hätte. Leider war für die Verwirklichung eine Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Nach der Anhörung der Träger öffentlicher Belange waren die Einsprüche so groß, dass das Projekt leider zum Sterben verurteilt wurde. Nach wie vor haben die Sportvereine unsere volle Unterstützung.May: Selbstverständlich werde ich mich als Bürgermeister dafür einsetzen, dass dieses Projekt konkretere Formen annimmt und in absehbarer Zeit realisierbar ist. Schlachter: Die Chance für einen gemeinsamen Platz besteht im Bereich des Freizeitgebietes. Durch eine abwechselnde Nutzung eines Rasenplatzes könnten Eigenständigkeit und sportliche Entwicklung des Contwiger und Stambacher Vereins erhalten bleiben. Diese Anlage sollte auch für die Contwiger/Stambacher Schulen nutzbar sein.Was schätzen und kritisieren Sie an Ihren Mitbewerbern?Bärmann: Ich nehme mir nicht das Recht, meine Mitbewerber zu kritisieren, schon gar nicht öffentlich. Ich finde es schön, wenn wir uns bei den verschiedensten Gelegenheiten treffen, gemütlich unser Bierchen trinken und die Politik außen vor lassen können. So soll und wird es auch bleiben. Jeder, der sich in die Gemeindearbeit einbringt und seine Freizeit opfert, egal welcher Partei oder Gruppe er angehört, verdient meine Wertschätzung.May: Ich schätze an beiden, dass sie sich für den Ort engagieren. Natürlich hat jeder seine Ecken und Kanten, aber auch gerade das macht die Arbeit mit ihnen interessant. Außerdem ist eine Gegenmeinung oftmals sehr wichtig, um dadurch einen anderen Blickwinkel zu erhalten. Schlachter: Beide Mitbewerber sind integre Personen. Sie waren aber selbst oder durch Parteivertreter im Zweckverband Flugplatzgebiet vertreten und ließen trotzdem die Schuldenentwicklung Contwigs bis Ende dieses Jahres auf rund drei Millionen Euro stillschweigend steigen.Chefsessel und Schreibtisch des Ortsbürgermeisters im Contwiger Rathaus. Foto: voj