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Kandidaten im Wahlkreis 210: Verena Hofmann, Klimaliste

KANDIDATEN FÜR DIE BUNDESTAGSWAHL IM WAHLKREIS 210 : Es sind zu viele Autos auf den Straßen

Zwölf Direktkandidaten treten im Wahlkreis 210 an, zu dem Zweibrücken und der Landkreis Südwestpfalz gehören. In einer Serie stellen wir die Bewerber vor. Heute: Verena Hofmann, Klimaliste.

Klimaliste – der Name ist Programm. Das trifft besonders auf Verena Hofmann zu, denn sie stellt sich zwar als unabhängige Direktkandidatin, aber mit Unterstützung der Klimaliste für den Bundestag zur Wahl und will sich dort in erster Linie für den Klimaschutz engagieren. Dabei ist ihr besonders die derzeit erlaubte Menge an -Äquivalenten, die ausgestoßen werden darf, ein Dorn im Auge.„Im Pariser Klimaabkommen 2015 wurde festgelegt, dass sich das Erdklima im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bis 2100 nur um maximal zwei Grad erwärmen darf“, schildert sie die Basis all ihrer Forderungen. „Laut des aktuellen Klimaberichts lagen wir schon im vergangenen Jahr bei 1,2 Grad“, warnt die 24-Jährige. Der Weltklimarat hat berechnet, dass sich die Erde bis zu den 2030er Jahren um 1,5 Grad erwärmt, für Hofmann bedeutet das: „Der Ausstoß an -Äquivalenten muss dringend reduziert werden.“ Dabei will sie das von Wissenschaftlern errechnete -Budget, das ausgestoßen werden dürfte, ohne dass das Zwei-Grad-Ziel verfehlt wird, betrachten. Dieses soll dann die Grundlage für die Klimapolitik bilden.

Die Zertifikate, die Unternehmen für ihre vermeintlichen Emissionsmengen kaufen können, sind nach Hofmanns Einschätzung insgesamt zu viel und zu billig. Um die Großindustrie zu klimafreundlicheren Maßnahmen zu zwingen, soll der Preis für ausgestoßene -Äquivalente von aktuell 25 Euro pro Tonne schrittweise auf 195 Euro angehoben werden.

Da die Verursacher die Preiserhöhung an die Endverbraucher weitergeben werden – sprich: Strom, Gas, Öl und Benzin teurer würden –, will Hofmann den Bürgern als Ausgleich am Ende jeden Jahres eine Dividende auszahlen. Diese orientiert sich an deren tatsächlichen Verbrauch.

Die Preiserhöhung für die Emissionen soll ein finanzielles Polster schaffen. „Die Kosten bestehen schon lange, die haben wir nur ignoriert. Mit der Maßnahme bereiten wir uns auf die Folgen des Klimawandels vor wie beispielsweise die Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Maßnahmen dort haben auch viel Geld gekostet.“

Um die Abgase auf den Straßen zu verringern, muss laut Hofmann die Mobilität umstrukturiert werden. „Es reicht nicht, alle Verbrenner durch E-Autos zu ersetzen, dann sind immer noch zu viele Autos auf den Straßen“, betont sie. Um den Individualverkehr zu verringern, will sie den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver machen: Im ersten Schritt sollen sämtliche Zug- und Busfahrten innerhalb Deutschlands kostenlos für alle sein.

Für die Wege, die dann noch mit dem eigenen Wagen erledigt werden müssen, sollen ausschließlich Autos genutzt werden, die mit Strom, Wasserstoff oder anderen alternativen Energien angetrieben werden.

Alternative Energien sind ein Grundpfeiler im Klimaschutz, deshalb spricht sich Hofmann klar für Windkraft aus, allerdings will sie die Bürger daran beteiligen: Zum einen sollen sie die Möglichkeit erhalten, in die Anlagen wie in Aktien zu investieren, und dann am Gewinn beteiligt werden. Zum anderen will sie die Windräder besonders für die Anwohner in unmittelbarer Nähe attraktiver machen, indem diese besonders günstigen Strom erhalten.

Das Argument von Tierschützern, dass die Windräder den Vogelpopulationen schaden, weiß sie zu entkräften: „Statistisch sterben mehr Vögel durch Hauskatzen und Fensterscheiben als durch Windräder, außerdem entwickeln Forscher derzeit Rotorblätter mit anderen Formen, sodass diese nicht mehr tödlich für Vögel sind.“

Ökolandbau fördern, ist ebenfalls ein großer Punkt auf ihrer Agenda. Dabei sollen die Landwirte nicht mehr nach Nutzfläche subventioniert werden, sondern die Förderrichtlinien an Umwelt- und Klimaschutz angepasst werden: „Ein Bauer, der ökologische Landwirtschaft betreibt, zum Beispiel weniger Pestizide einsetzt, kleinere Felder bebaut und weniger -Ausstoß verursacht, soll mehr Förderung erhalten als ein konventioneller Bauer.“ Auch auf das Geschäft der Bauern würde sich Klimaschutz mittelfristig auswirken, ergänzt Hofmann.

Einen früheren Kohleausstieg als 2038 sieht Hofmann als zwingend notwendig und will Deutschland bis 2030 wirklich klimaneutral machen.