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Kandidaten im Wahlkreis 210: Barbara Schwarz, Tierschutzpartei

KANDIDATEN FÜR DIE BUNDESTAGSWAHL IM WAHLKREIS 210 : „Es gibt kein Recht auf billiges Fleisch“

Zwölf Direktkandidaten treten im Wahlkreis 210 an, zu dem Zweibrücken und der Landkreis Südwestpfalz gehören. In einer Serie stellen wir die Bewerber vor. Heute: Barbara Schwarz, Tierschutzpartei.

Tierschutz ist das große Thema von Barbara Schwarz, die für die Tierschutzpartei in den Bundestag einziehen will. „Ich will mich für Tierschutz einsetzen, wo immer es nur geht“, bekennt die 59-Jährige. Speziell in der Region ist ihr dabei die Jagd – egal ob auf Füchse, Dachse, Marder oder auch Wild, das anschließend zu Nahrungsmitteln verarbeitet wird – ein Dorn im Auge. „Die jagen nur zum Spaß“, sagt sie entrüstet und fordert ein komplettes Jagdverbot im Biosphärenreservat. „Jedes Tier hat für mich das Recht zu leben“, meint Schwarz und beharrt darauf, dass die Jagd – auch die Fuchsjagd – gänzlich abgeschafft werden muss.

Jäger und Förster, die damit argumentieren, dass die Jagd notwendig sei, um Populationen wie zum Beispiel Wildschweine zu regulieren, da diese Schädlinge seien, entgegnet sie: „Es gibt keine Schädlinge. Jedes Tier hat seinen Platz. Je mehr geschossen wird, umso mehr vermehren sie sich.“ Denn üblicherweise vermehren sich in einem Rudel nur die Leittiere, werden diese getötet, werden alle weiblichen Tiere begattet, erklärt sie. Ferner könnte der Bestand an Wildschweine auch mit Verhütungsmitteln reguliert werden, führt sie eine Alternative ins Feld.

Auch wenn sich ihre Partei für alternative Energien ausspreche, sei sie gegen Windräder im Pfälzerwald: „In unseren Pfälzerwald, in ein intaktes Ökosystem, riesige Trassen zu schlagen, ist für mich ein absolutes No-Go.“ Stattdessen spricht sie sich als Alternative zu Wind- und Atomkraft für die Pflicht zu Photovoltaikanlagen auf privaten Dächern, zumindest auf Neubauten, aus. Als weitere Alternative zu Wind- und Atomkraft führt sie Mühlen an Bächen oder kleineren Flüssen an. Mit der Energie aus Bächen und kleinen Flüssen könnten laut Schwarz Dörfer oder zumindest umliegende Häuser versorgt werden.

Massentierhaltung muss gestoppt werden, sagt Schwarz: Dafür will sie die Preise für tierische Lebensmittel ändern. „Die staatliche Förderung von Fleischprodukten muss wegfallen“, fordert die Veganerin. Außerdem sollten auch die Umweltschäden in den Preis mit eingerechnet werden: „Wir haben nur billiges Fleisch, weil das Ganze mit Steuergeldern finanziert wird.“

Um den Bürgern tierfreundlichere Nahrung schmackhafter zu machen, will sie die Besteuerung auf Lebensmittel ändern. Während derzeit für vegane Produkte wie Sojamilch und Tofu noch 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, zahlten Kuhmilch- und Fleischkonsumenten nur sieben Prozent.

Massentierhaltung wirke sich darüber hinaus auf das Trinkwasser aus, das durch die Gülle der Viehwirtschaft verunreinigt wird. Die EU habe Deutschland bereits deshalb verklagt und Deutschland müsse täglich Tausende Euro Strafe zahlen. Auch diese Kosten würden nicht im Preis der Tierprodukte berücksichtigt.

Das werde von Steuern bezahlt, die auch Vegetarier und Veganer zahlen, so Schwarz: „Ich kann niemanden davon abhalten Schnitzel zu essen, aber ich kann verhindern, dass ausnahmslos alle die Tierquälerei mitbezahlen müssen. Es gibt kein Recht auf billiges Fleisch.“

Auch für das Klima habe Massentierhaltung negative Auswirkungen: „Die Futtermittelproduktion, die Transporte und die Millionen Tiere selbst sind verantwortlich für den Ausstoß von etwa einem Drittel aller klimaschädlichen Gase, das heißt nicht nur , sondern auch unter anderem Methan“, erklärt sie.

„Dies muss dem Großteil der Bevölkerung, die aus Gewohnheit nicht von sich aus bereit ist, ihre Essgewohnheiten zu ändern, endlich klar werden: Aus Eigennutz und für die eigene Gesundheit – die WHO warnt seit Jahren vor Fleischverzehr. Und ohne ,Zivilisationskrankheiten’, die wiederum zum größten Teil auf Fleischverzehr zurückzuführen sind, wäre der Coronavirus wesentlich weniger gefährlich“, entrüstet sie sich. Dagegen wolle sie nun ankämpfen und auf die Zusammenhänge und Tiermissbrauch aufmerksam machen. Denn Tierschutz sei auch Klimaschutz.