1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Jahresrückblick Zweibrücken-Land 2022: Januar bis Juni

Jahresrückblick Zweibrücker Land 2022 (Teil 1 von 2) Was von Januar bis Juni geschah : Viel Wasser, viel Ärger, zwei runde Geburtstage

Was die erste Jahreshälfte 2022 prägte.

Januar

In der Bahnhofstraße in Contwig müssen die bereits im Zuge des Straßenausbaues neu gesetzten Bordsteine auf einer Straßenseite wieder herausgebrochen und neu gesetzt werden. Bei der Sanierung der Bahnhofstraße wurden die Bordsteine irrtümlich schief gesetzt. Und zwar so, dass sie zur Straße hin abgefallen wären, hätte man den Fehler nicht behoben. Nicht, dass der Fehler den Contwigern nicht aufgefallen wäre – es wollte nur, klagt Bürgermeisterin Nadine Brinette im Januar bei einer Baustellenbesichtigung, zunächst keiner hören. Verantwortlich waren offenbar Messfehler. Ursächlich für den Messfehler war wohl eine Schwäche des GPS-Messverfahrens. Ein Fachbüro hatte demnach im Jahr 2017 mit GPS die gesamte Bahnhofstraße vermessen. Gebäudeschatten und ähnliche Störfaktoren, das ist seitdem bekannt, haben wohl auch bei dieser Messung zu Fehlern mit erheblichen Folgen geführt. Mitte Dezember 2021 gab es einen Baustopp, im Januar kann Brinette mitteilen, dass die Steine neu – und dieses Mal richtig – gesetzt wurden.

Oberhalb der Dellfelder Schulstraße, „Auf Hohen Rech“, soll ein neues Wohngebiet entstehen. Erschließungsträger ist die Herzog-Wolfgang-Stiftung. Im Lauf des Jahres wird der Plan modifiziert und an den Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde angeglichen. In seiner Novembersitzung beschließt der Rat den Aufstellungsbeschluss. Die Fläche wird bei etwa 5 Hektar liegen.

Kleinbundenbach will mit einem Doppelwumms junge Familien im Ort halten. Mit neuen Bauplätzen und einem eigenen Kindergarten. Das Neubaugebiet mit 1,5 Hektar soll in Fortführung der Sonnenstraße liegen. Die Pläne für den Kindergarten müssen bis Spätherbst fertig sein, um Landes-Zuschüsse beantragen zu können. Bis dahin wird der „Bundenbacher Kindergarten“ weiter mit zwei Standorten (in Großbundenbach und dem in Kleinbundenbach) Bestand haben.

Die Polygone-Anlage gegenüber der Deponie Mörsbach sorgte 2022 für viel Verdruss.
Die Polygone-Anlage gegenüber der Deponie Mörsbach sorgte 2022 für viel Verdruss. Foto: Norbert Schwarz

Februar

Hochwasser-Alarm im Hornbach- und Schwarzbachtal am ersten Wochenende des Monats. Die historische Lauerbrücke in der Hornbacher Lauerstraße war bei den drei Brückenbögen gerade mal noch eine Handbreit frei. Bei einem weiteren Wasseranstieg wäre die Überflutung der Unterstadt nicht mehr zu verhindern gewesen. Gerade noch rechtzeitig konnte das Wehr bei Dusenbrücken geschlossen werden. In der Fasaneriestraße in Contwig kam sturzbachartig jede Menge Wasser von den Außengebieten in die Straße geschossen. Das Wasser lief in Gärten und bahnte sich Wege in Kellergeschosse. In Teilen waren die K 13 und die B 424 überflutet.

Ärger gibt es in diesem Jahr mehrfach und an verschiedenen Orten wegen der Polygone-Anlage in der Nähe der Deponie Rechenbachtal. Polygone ist eine von Frankreich, Deutschland und den USA gemeinsam betriebene Anlage für das Training der Luftwaffe. Die soll erweitert werden. In diesem Zusammenhang soll der Schutzkreis von zwei auf fünf Kilometer erweitert werden. Das stößt im Februar den Käshofer und Großbundenbacher Räten und auch dem Verbandsgemeinderat von Zweibrücken-Land übel auf, denn im Rahmen des Schutzkreises muss die Bundeswehr Bauvorhaben, die ein bestimmtes Höhenmaß über dem Meeresspiegel überschreiten, genehmigen. Das gälte zum Beispiel für Windräder. Betroffen wären Käshofen, Großbundenbach, Kleinbundenbach, Battweiler, Contwig und Mörsbach. Für Käshofen würde von ihrer Höhenlage her fast die gesamte Höhenstraße (Ortsdurchfahrt) in diesen baulich besonders geschützten Bereich fallen. Die Bundeswehr begründet ihren Wunsch nach einer Schutzzone damit, sie sei notwendig für eine „störungsfreie Kommunikation“ mit zwei Polygone-. In Großbundenbach kommen die Windrad-Gegner Mitte des Jahres auf die Idee, mit einem Bürgerbegehren pro Polygone-Ausweitung die Errichtung neuer Anlagen zu verhindern – das Ansinnen wird jedoch vom Rat abgelehnt. Dagegen ziehen die Antragsteller vors Verwaltungsgericht.

Solarparks liegen im Jahr 2022 im Trend. Bereits im Februar wird im Contwiger Gemeinderat ein Solarpark-Projekt vorgestellt, das auf dem Offweilerhof auf privatem Grund und Boden entstehen soll. Die Rede ist von einer „Einlagefläche“ von überschlägig mit 20 Hektar. Da laut der neuen EEG-Vorlage der der ansässigen Ortsgemeinde 0,2 Cent pro Kilowattstunde an erzeugtem Strom zustehen, rechnet man im Contwiger Rat mir 2500 bis 3000 Euro pro Hektar.

Auch Biedershausen möchte jungen Familien eine Heimat geben. Als Standorte sind die rechte Seite der Gartenstraße und Baulücken im Ort selber auserkoren.

 Erst Regen, dann Schnee: Das Tiefdruckgebiet „Nasim“ hielt Anfang April die Helfer im Zweibrücker Land stundenlang auf Trab.
Erst Regen, dann Schnee: Das Tiefdruckgebiet „Nasim“ hielt Anfang April die Helfer im Zweibrücker Land stundenlang auf Trab. Foto: Feuerwehr

Zur Badesaison 2023 soll das Freizeitbad „ConAqua“ im Contwiger Freizeitgebiet mit einem neu gestalteten Eingangsbereich die Besucher erfreuen. Bis ins Detail haben Studenten der Hochschule Kaiserslautern, Campus Zweibrücken, dafür Ideen gesammelt, Pläne geschmiedet und konkret errechnet, mit welchen Kosten zu rechnen sein wird. Das Projekt „Umgestalten des Eingangsbereichs mit neuem Kassensystem“ beim ConAqua ist ein erstes Ergebnis der Kooperation zwischen Hochschule und Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Ihre Ideen umfassen etwa eine barrierefreie „Empfangslounge“ mit Kassenautomaten und Drehkreuzen – und der Möglichkeit, bargeldlos zu zahlen oder die Karten im Internet zu erwerben.

März

Erleichtung bei Bechhofens Ortsbürgermeister Paul Sefrin: Die von SPD-Fraktionssprecher Steffen Mannschatz gegen ihn erhobene Dienstaufsichtsbeschwerde hatte keinen Erfolg, die Kommunalaufsicht stellte kein Fehlverhalten fest. Anlass für die Beschwerde waren Arbeitsvergaben zur Sicherstellung des Brandschutzes im Dorfmittelpunkt im Sommer zuvor gewesen.

April

Zur 750-Jahr-Feier von Althornbach gehörte auch ein farbenfroher und fantasievoller Umzug.
Zur 750-Jahr-Feier von Althornbach gehörte auch ein farbenfroher und fantasievoller Umzug. Foto: Norbert Schwarz

Das Tiefdruckgebiet „Nasim“ hielt fast 100 Feuerwehrleute der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land auf Trab und bescherte vielen Menschen kalte Stuben und Wohnzimmer, weil wegen eines mehrstündigen Stromausfalls die Heizungen auf „Störung“ standen und nicht liefen.. Begonnen hat alles schon in den frühen Abendstunden des Freitags. Überflutungen alarmierten die Löscheinheiten aus Kleinsteinhausen und Dietrichingen. Die Wassermassen vom Freitag setzten Keller unter Wasser, drückten Kanalschächte hoch. In der Nacht von Freitag auf Samstag sorgte das Tiefdruckgebiet „Nasim“ dann für eine weitere Überraschung, denn statt Regen fiel plötzlich schwerer Pappschnee vom Himmel. Gleich reihenweise krachten Bäume unter der Schneelast um, blockierten Verbindungsstraßen, Wirtschaftswege oder fielen in Leitungen des vorderpfälzischen Energieversorgers. In der Wiesbacher Sessbergstraße fiel von der gegenüberliegenden Waldseite ein Baum über die Zufahrtsstraße. Die Baumspitze donnerte noch auf das Hausdach und das davor geparkte Auto. Bis in die Morgenstunden versperrten Äste des entwurzelten Baumes die Eingangstür des Hauses.

Die Kindertagesstätte beim Dorfgemeinschaftshaus Bechhofen muss dringend erweitert werden. Die Wartezeit für einen Platz liegt aktuell bei 29 Monaten, sagt Leiterin Britta Larsen im Rat. Durch den Standortstreit und die geänderte Wirtschaftslage explodieren die Kosten im Vergleich zur ursprünglichen Planung, die Rede ist von einem zweistelligen Prozentwert. Vorgestellt wird auch die Planung. Die Kita soll sich gleich einem „Gürtel“ um Teile des Dorfgemeinschaftshauses schließen. Auf die Ostseite des DGH sollen die beiden Gruppenräume kommen. Multifunktionsräume und Schlafräume sind ebenso geplant wie eine kleine Küche. Der große Saal wird zu einem Multifunktionsraum umgestaltet und später von den Kleinen der Tagesstätte mitgenutzt. Eine mobile Falttür soll Trennwand werden.

Über dem Bechhofer Neubaugebiet „Am Neupeterhof“ sind, was die Erschließungskosten anbelangt, dunkle Wolken aufgezogen. Die Erschließungskosten sollen pro Grundstück um einen fünfstelligen Euro-Betrag steigen. Ursache sind Schwierigkeiten beim Baugrund. Er kann in bestimmten Bereichen des Baugebietes für die 25 Bauplätze nicht wie ausgehoben (Sand) wieder zum Verfüllen verwendet werden. Er ist zu feucht und lässt sich nicht verdichten. Kalk wird deshalb dem ausgehobenen Erdreich beigemengt und somit stabilisiert. Richtung Buchenweg müssen zudem eiserne Spundwände eingebaut werden, damit beispielsweise der Kanal- und Wasserleitungsgraben ausgehoben werden kann. Zwar wurde vor Baubeginn ein geotechnisches Gutachten erstellt, darin war von diesem Problem aber nichts zu lesen, hieß es.

Althornbach fühlt sich beim anstehenden Ausbau der Kindertagesstätte von Land und Landkreis im Regen stehen gelassen, was die Höhe der Zuschüsse betrifft. Die Erweiterung soll 1,4 Millionen Euro kosten, davon zahlt das Land nur 187 500 Euro. Mehr als der Beitrag der Gemeinden Mauschbach und Dietrichingen (je 200 000 Euro), deren Jüngste ebenfalls die Althornbacher Kita besuchen.

In Rosenkopf und Wiesbach ärgert man sich über die Verzögerungen beim barrierefreien Ausbau der Bus-Haltepunkte. Drei Jahre sind in Rosenkopf vergangen, seit die einst vorhandene Unterstellmöglichkeit dem Erdboden gleich gemacht wurde. Aus Gründen der Standsicherheit sei das unaufschiebbar gewesen. Für eine neue Wartehalle gab es kein „grünes Licht“ mehr, vielmehr wurde die Ortsgemeinde darauf hingewiesen, dass der Landkreis Südwestpfalz als zuständige Behörde in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr, kurz ÖPNV genannt, den barrierefreien Ausbau kreisweit plane und koordiniere. Auf die Umsetzung dieser Pläne wartet man seitdem. Auch in Wiesbach. Dort wusste man sich immerhin mit einem Zeltdach provisorisch zu helfen.

Mai

Althornbach macht in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land den Auftakt beim Programm Dorfcheck. Insgesamt sind 11 der 17 Kommunen dabei. Der neue Landeswettbewerb hat das Ziel, den ländlichen Raum bei seiner Herausforderung im Hinblick auf den Strukturwandel unter die Lupe zu nehmen und Hilfestellung zu geben.

Hornbachs Bürgermeister Reiner Hohn stößt mit Bettina Weber (links) und Katrin Bauer (rechts) an, seit Juni Pächterinnen der Gimpelwaldhütte.
Hornbachs Bürgermeister Reiner Hohn stößt mit Bettina Weber (links) und Katrin Bauer (rechts) an, seit Juni Pächterinnen der Gimpelwaldhütte. Foto: Norbert Schwarz

Am Abend der 19. Mai sorgt zum dritten Mal in diesem Jahr ein Unwetter für viel Arbeit. 35 bis 40 Liter Regenwasser pro Quadratmeter waren vom Himmel gekommen und hatten mancherorts zu Schlamm- und Gerölllawinen geführt. In Niederauerbach versorgte das THW Anwohner mit Sandsäcken, um die Tor- und Hauseingänge zu schützen. Die Kreisstraße zwischen Oberauerbach und Battweiler musste wegen Schlammlawinen gesperrt werden. In Ernstweiler liefen mehrere Keller voll.

Juni

In Winterbach findet erstmals eine Weinwanderung statt. Die neue Veranstaltung soll dem Gemeinschaftsleben nach der Corona-Zeit neuen Aufschwung geben. Das Experiment gelingt, 75 Bürger werden gezählt. Bürgermeister Andreas Weizel kündigt eine Neuauflage an.

Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Der offizielle Festakt findet im Juni in der Pirminiushalle in Hornbach statt. Es folgen ein Bürgerfest in Contwig und eine Geburtstagsfeier für die Kinder in Bechhofen.

Auch in Althornbach wird im Juni gefeiert: Der Ort begeht seinen 750. Geburtstag. Im Jahr 1272 wurde der Ort als veteri Horbaco erstmals urkundlich erwähnt. Als Geburtstagsgeschenk aus Mainz bringt Staatssekretär Randolf Stich eine Landesflagge mit in den neuen Festsaal des Bürgerhauses.

Die Gimpelwaldhütte im Hornbacher Stadtwald bekommt nicht nur eine, sondern gleich zwei neue Pächterinnen: Katrin Braun und Bettina Weber, zwei Zweibrückerinnen, wollen wieder „Leben in die Hütte“ bringen.

Martinshöhe plant 22 neue Bauplätze. Elf davon sind für Einheimische reserviert. Die können sich ihren Bauplatz aussuchen. Weil es für diese elf Grundstücke aber mehr als elf Interessenten gibt, muss das Los entscheiden.

Der neue Kindergarten Kleinbundenbach wird so teuer, dass die Arbeiten europaweit ausgeschrieben werden müssen. Der Grenzwert liegt bei 215 000 Euro.