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Jäger wollen kein Unfallwild mehr entsorgen

Jäger wollen kein Unfallwild mehr entsorgen

Pirmasens/Zweibrücken. "Wir wissen zwar, dass wir den Falschen treffen, sehen aber keine andere Möglichkeit unsere Interessen zu wahren", verteidigt Karl Helfrich, Vorsitzender der Kreisjägergruppe Pirmasens-Zweibrücken, die Ankündigung der Jäger, ab 1. Oktober die freiwillige Entsorgung von Unfallwild einzustellen

Pirmasens/Zweibrücken. "Wir wissen zwar, dass wir den Falschen treffen, sehen aber keine andere Möglichkeit unsere Interessen zu wahren", verteidigt Karl Helfrich, Vorsitzender der Kreisjägergruppe Pirmasens-Zweibrücken, die Ankündigung der Jäger, ab 1. Oktober die freiwillige Entsorgung von Unfallwild einzustellen.Betroffen wäre davon der Landkreis Südwestpfalz, der künftig für die Entsorgung des im Straßenverkehr getöteten Wildes aufkommen müsste. Zu einem Entgegenkommen wäre die Kreisjägerschaft bereit, wenn der Landkreis Südwestpfalz auf die erhobene Jagdpachtsteuer verzichten würde. Die beträgt 20 Prozent der Jagdpacht und steht mit 150 000 Euro jährlich im Haushalt des Landkreises.Das Land Rheinland-Pfalz habe aber mit der Entscheidung, die Erhebung der Jagdsteuer den Gemeinden freizustellen, "den schwarzen Peter an den Landkreis weitergereicht", kritisiert Helfrich. Die Jäger reagieren mit der Boykott-Androhung auf die Entwicklung, dass ihnen immer mehr Kosten aufgedrängt werden, während ihre Leistung für den Naturschutz nicht anerkannt werde. Darunter fällt auch die Entscheidung, dass die Jäger die Untersuchungsgebühr von Wild auf radioaktive Rückstände tragen müssen, und auch die Zunahme der von den Jagdpächtern zu tragenden Wildschäden erweise sich immer stärker als finanzielle Belastung. "In den neueren Jagdpachtverträgen wird diese Übernahme der Schäden gedeckelt", sieht Helfrich zumindest einen Silberstreif am Horizont.Die Weigerung der Jäger, weiterhin freiwillig und unentgeltlich Unfallwild zu entsorgen, ist ein Protest gegen die ungerechtfertigte Jagdpachtsteuer, heißt es in einer Presseerklärung des Landesjagdverbandes, dem die aus dem 19. Jahrhundert stammende Steuerart schon lange ein Dorn im Auge ist. "Ein anderes Druckmittel, als die freiwillige Entsorgung des Unfallwildes einzustellen haben wir nicht", sagt Helfrich und verweist auf die mit der Entsorgung entstehenden Kosten von 150 Euro pro Stück Unfallwild. In der Vorderpfalz gebe es schon den einen oder anderen Landkreis, der auf die Erhebung der Jagdsteuer verzichte. Gespräche mit der Stadt Pirmasens seien ebenfalls geführt worden und ließen eine leichte Lösung erkennen. Allerdings habe es die Stadt auch etwas leichter, weil die Einnahmen aus der Jagdpachtsteuer nur eine marginale Größe habe. Unabhängig davon würden sich die Jäger auch künftig selbstverständlich um durch Autounfälle verletztes Wild kümmern, sagt Karl Helfrich.