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Vogelstimmenwanderung: Insektenmangel wirkt sich bereits aus

Vogelstimmenwanderung : Insektenmangel wirkt sich bereits aus

Vogelstimmenwanderung in Kleinsteinhausen mit Uwe Groh von der Pollichia.

Es war einfach wunderbar am frühen Sonntagmorgen durch die Gemarkung Kleinsteinhausen zu wandern. Die Vögel, nicht nur Amsel, Fink und Star, sangen nach Herzenslust, ein vielstimmiges Konzert, ganz nach dem Geschmack der gut 20 Vogelstimmenwanderer. 46 Vogelarten wurden gezählt, obwohl noch gar nicht alle Arten aus dem Süden zurück sind, so kommt der Mauersegler als letzter. „Die Vielzahl der Arten ist noch nicht geschädigt, wohl aber die Dichte“, sagt Hans Göppel vom Naturschutzbund. Als Folge des Insektenmangels.

Nicht nur die Vögel seien betroffen, auch die Fledermäuse und die Fische. Die Führung hatte Uwe Groh übernommen, Vorsitzender der Pollichia Pirmasens und Mitglied der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft. „Wir sind froh, dass der Rote Milan wieder da ist, wir hatten ihn schon vermisst, aber er ist da und brütet“, sagt er. Der Rotmilan ist ein Nahrungsgeneralist, er frisst alles, er kann an die 30 Jahre alt werden. Ein Turmfalke hielt gerade sein Schäferstündchen, besser sein Schäferminütchen auf einem Kirchturm.

Ornithologen sehen die Welt ganz anders, sozusagen nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren. Sie können jeden Vogellaut der entsprechenden Art zuordnen. Nicht Kunstgenuss treibt die Vögel zum Singen, nein, es sind die Hormone. Die Vogelweibchen wählen zu ihrem Partner den besten Sänger. Die strengen sich deshalb mächtig an und erfinden oft, wie die Amsel zum Beispiel, schönste Melodienbögen. Drei Hasen jagen derweil über ein Feld, hören wahrscheinlich nichts von dem Gesang, eine Häsin voran, zwei Rammler hinterher. Irgendwie wird das bald eine Familie geben. Hier kommt der Schnellste zum Zug. Zu jedem Vogel weiß der Fachmann eine Geschichte.

Neu unter den Wanderern ist Franziska Siefert aus Zweibrücken. „Ich habe den Termin hier von einer Bekannten erfahren, sie schwärmte geradezu von einer Wanderung, an der sie teilgenommen hat. Da dachte ich, ich muss auch mal mit, so bin ich heute dabei. Es gefällt mir wirklich sehr.“ Naturkundlich gestärkt und irgendwie bereichert wanderte die Gruppe unter dem Gesang der Vogelschar vier Stunden durch Wald und Flur.

Norbert Fakuntiny aus Kleinsteinhausen war auch dabei. „Ich bin Gründungsmitglied der Ortsgruppe Zweibrücken. Ich habe die Wanderung hierher geholt, weil ich dachte, hier ist ordentlich was los in der Vogelwelt, da gibt’s was zu lernen.“ Recht hatte er.