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Christian Neumann: Hornbacher geht als Missionar nach Gambia

Christian Neumann : Hornbacher geht als Missionar nach Gambia

Der Hornbacher Christian Neumann unterstützt in dem westafrikanischen Land den Aufbau einer Vor- und Grundschule. Während seines Aufenthaltes bis August 2018 lebt der 31-Jährige auch bei einer einheimischen Familie.

Vor etwas über zehn Jahren führte Christian Neumann aus Hornbach ein bodenständiges und normales Leben. Er arbeitete beim Finanzamt und beschloss, in Afrika Urlaub zu machen und zugleich sein afrikanisches Patenkind zu besuchen. Doch dieser Urlaub blieb nicht ohne Folgen. „Da entstand so eine kleine Liebe zu Afrika“, erinnert sich Neumann. Dieser Kontinent ließ ihn einfach nicht mehr los, und so folgten zwei weitere Afrikareisen, für die er Urlaub und Überstunden abfeierte und gleich je drei Monate blieb. „Nach dem dritten Mal wusste ich, ich gehe langfristig, habe beim Finanzamt gekündigt und in Holland Theologie und Anthropologie studiert.“ Während des Studiums besuchte er Asien, Nordafrika und den Tschad. Um seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, schloss er sich schließlich dem evangelischen Missionswerk WEC International an, worüber er ein dreiviertel Jahr in Guinea, Westafrika und später weitere Zeit im Senegal verbracht hat.

Seine Aufgaben gestalteten sich vielseitig und je nach Bedarf. So arbeitete er auch mit auf dem Feld, versorgte Wunden, schnitt Haare und gab unter anderem Englischunterricht. Für Christian Neumann ist neben seiner Mission besonders die Beziehungen zu den Menschen vor Ort wichtig. Darum lebt er während seiner Zeit auch bei Familien vor Ort und macht sich mit Sprache und Kultur vertraut. Neben vier europäischen Sprachen spricht er darum mittlerweile auch drei afrikanische Sprachen und nicht selten haben sich aus den Bekanntschaften echte Freundschaften entwickelt, die selbst noch heute und von Deutschland aus, per Telefon gepflegt werden.

Nachdem er nun die letzten zwanzig Monate wieder in Deutschland war, wurde er gefragt, ob er in Gambia – die kleinste Nation Afrikas – den Aufbau einer Vor- und Grundschule unterstützen möchte. Christian Neumann fiel die Entscheidung nicht schwer, denn er kann gar nicht mehr anders, wie er selbst feststellt. Auch in Gambia, wo er schon in der nächsten Woche hinreist, möchte er wieder Familien und Schüler betreuen, Vertrauen aufbauen und seine Missionarsarbeit verrichten, in der es auch darum geht, den Familien die Wichtigkeit der Bildung näher zu bringen. In Afrika gilt diese eher als persönliche Sache, auch darum, weil schon die Kinder für die Feldarbeit eingeplant sind und Subsitzenzwirtschaft sicherer als Kapitalwirtschaft empfunden wird.

Darum bedeutet für Christian Neumann der Aufenthalt in Afrika auch, sich von den europäischen Vorstellungen zu lösen. Nicht immer leicht, und doch gibt es auch von Afrikanern Dinge, von denen auch wir lernen könnten, wie der 31-Jährige findet. „Es gibt ein breites Beziehungsnetzwerk, man wird ganz selbstverständlich Teil der Familie und knüpft schneller und tiefere Beziehungen als zu den Menschen in Deutschland.“ Dass er mit seiner Arbeit keine globalen Veränderungen hervorrufen kann, ist Christian Neumann bewusst. Aber man könne etwas für den Einzelnen verändern. Und auch, wenn ihm die Umstellung mit jedem Mal ein Stückchen schwerer fällt, und das anfängliche Abenteuer eher dem Alltag gewichen ist, ist er gespannt auf seine Zeit in Gambia, die zunächst bis August 2018 geplant ist.

 In Gambia herrscht keine allgemeine Schulpflicht. Christian Neumann möchte helfen, dass mehr Jungen und Mädchen eine Schule besuchen können.
In Gambia herrscht keine allgemeine Schulpflicht. Christian Neumann möchte helfen, dass mehr Jungen und Mädchen eine Schule besuchen können. Foto: dpa/Thomas Schulze

Wer mehr über das Leben in Afrika erfahren möchte, kann am kommenden Dienstag, 21. November, um 14 Uhr ins Dorfgemeinschaftshaus in Brenschelbach kommen. Dort berichtet Christian Neumann in einer offenen Gesprächsrunde und anhand von Fotos von seinen Einsätzen und dem kulturellen Leben und Bräuchen in Afrika.