Flut in Hornbach „Kaum in Worte zu fassen“: Wie diese Hochwasser-Opfer in all dem Unglück das Glück fanden

Hornbach · Viele Familien in der Region haben am Wochenende durch das Hochwasser Teile ihrer Habe verloren, wurden aus ihrem Heim regelrecht herausgespült. Stellvertretend für sie alle stehen die Familien Baumann und Meyer in Hornbach bei Zweibrücken. Für die schlimmen Erfahrungen, aber auch die hoffnungsvollen Momente.

 Katharina und Florian Meyer vor ihrer physiotherapeutischen Praxis in Hornbach.

Katharina und Florian Meyer vor ihrer physiotherapeutischen Praxis in Hornbach.

Foto: Elisabeth Heil

Wie machtlos wir sind, wenn die Natur ihre unfassbare Kraft entfaltet, haben die Menschen in der Region am Wochenende am eigenen Leib spüren müssen. Volker Bauman lehnte sich gerade an die Küchentür zum Eingangsflur und genoss ein Glas Rotwein. Die Pasta, die seine Frau Andrea gerade zubereitete, sollte gleich fertig sein. Dann der Schock: Unter der Haustür strömte Wasser ins Haus.

Als ihm die Couch entgegen schwamm, brach Volker Baumann ab

„Es muss so gegen hab acht gewesen sein“, erzählt Volker Baumann, dann sei alles furchtbar schnell gegangen. Natürlich hatten die Eheleute bereits Vorkehrungen getroffen: Sandsäcke vor der Tür zum kleinen Hof drapiert, das Auto weggefahren. „Nicht weil wir dachten, dass es vorne über den Butterweg zu uns nach hinten fließen könnte, sondern für den Fall, dass wir an der Straße nicht mehr rauskommen“, sagt Andrea Renner-Baumann. Um dem Wasser zu entkommen, sei sie auf die erste Stufe zum oberen Stockwerk gesprungen, dann auf die zweite, die dritte und so weiter. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell es ging“, erzählt sie und gesteht: „Das haben wir so nicht kommen sehen.“

Als das Wasser in die Steckdosen lief, sprang die Sicherung heraus. Zunächst wollte Volker Baumann im Erdgeschoss noch retten, was zu retten war – leider vergebens. Von allen Seiten drang das Wasser ins Haus, und als ihm die Couch entgegen schwamm, brach er ab und ging nach oben zu seiner Frau. Der Hund und die zwei Katzen hatten sich ebenfalls schon in Sicherheit gebracht.

 Das Erdgeschoss von Familie Baumann musste ausgeräumt werden.

Das Erdgeschoss von Familie Baumann musste ausgeräumt werden.

Foto: Elisabeth Heil

„Diese Hilfsbereitschaft der Menschen in Hornbach ist kaum in Worte zu fassen“

Es dauerte nicht lange, und die Baumanns bekamen Hilfe. Vom Kloster Hornbach gleich nebenan erhielten sie Strom, um eine Pumpe anzuschließen und einen weiteren Anstieg des Wassers zu verhindern. Baumann: „Wildfremde Menschen boten uns an, die Nacht in ihrem Gästezimmer zu verbringen.“ Ihr Vermieter – als Inhaber der benachbarten Hieronymus Bock Apotheke selbst betroffen – ermutigte sie, auf seine Kosten für drei Tage ins Klosterhotel zu flüchten.

Inzwischen haben Familie, Freunde und Menschen aus Hornbach geholfen, das zerstörte Inventar aus dem Haus zu schaffen. Nachbar Christian Dörr konnte den Eheleuten zudem eine Ferienwohnung in Dietrichingen vermitteln, wo sie für die kommenden Wochen gemeinsam mit ihren Tieren eine Bleibe finden. „Diese Hilfsbereitschaft der Menschen in Hornbach ist kaum in Worte zu fassen“, gesteht Volker Baumann. „In all dem Unglück dennoch das Glück zu finden ist ein ganz besonders Gefühl.“

Blick vom Balkon der Familie Baumann auf das Gebäudes, in dem die Praxis der Meyers untergebracht ist.

Blick vom Balkon der Familie Baumann auf das Gebäudes, in dem die Praxis der Meyers untergebracht ist.

Foto: Elisabeth Heil

Hochwasser hat die ganze Physiotherapie-Praxis zerstört

Hart getroffen hat es auch das Ehepaar Katharina und Florian Meyer. Sie führen erst seit einem Jahr gleich nebenan in der Hauptstraße 3a eine physiotherapeutische Praxis. „Die Flut hat alles zerstört. Wir waren machtlos und mussten zusehen, wie sich das Wasser durch die Schiebetür drückte und innerhalb kurzer Zeit die Räume einen halben Meter hoch flutete“, berichtet der 36-Jährige. Auch die Meyers hatten den ebenerdigen Eingang zur Praxis noch mit Sandsäcken zu schützen versucht, die unter anderem die Straußjugend im ganzen Ort verteilte. „Wir hatten schon ein ungutes Gefühl, dachten aber nicht, dass es so schlimm wird.“

An den Sandsäcken habe es schließlich nicht gelegen. Das Wasser ließ sich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr aufhalten und so konnte Florian Meyer nur zusehen, wie der Pegel von Minute zu Minute rasant anstieg. Zuvor hatte er noch einiges in Sicherheit bringen können. Patientenakten und Computer zum Beispiel. „Als ich merkte, ich kann hier eh nichts mehr retten, bin ich durchs Badfenster aus dem Gebäude und durch das knietiefe Wasser in Richtung Straße gelaufen. Die Strömung war so stark, sie hatte meine Mülltonnen schon bis zur Post getrieben, wo ich sie einfangen konnte. Danach bin ich erst mal nach Hause. Hier konnte ich eh nichts mehr machen.“

 Die braune Brühe flutete die Praxisräume zeitweise einen halben Meter hoch.

Die braune Brühe flutete die Praxisräume zeitweise einen halben Meter hoch.

Foto: Elisabeth Heil

Pegel waren zunächst zu hoch zum Abpumpen

Das ganze Ausmaß der Verwüstung wurde den Meyers dann am nächsten Morgen bewusst, als sie in ihre zerstörte Praxis zurückkehrten. An ein Abpumpen war zunächst nicht zu denken, da die Pegelstände noch zu hoch waren. „Wir wohnen oben im Hornbacher Neubaugebiet. Hier war vom Hochwasser nichts zu spüren war, im Gegensatz zu der Zerstörung unten. Wie in zwei Welten fühlte es sich an“, beschreibt er seine Eindrücke. Gegen zehn Uhr dann kam endlich die Nachricht, dass die Pegel niedrig genug seien, um mit dem Abpumpen zu beginnen.

Mit vereinten Kräften durch Nachbarn, Freunde und hilfsbereite Hornbacher haben Katharina und Florian Meyer schon ein großes Stück an Arbeit bewältigt: Der Schlamm ist draußen und ein Großteil des zerstörten Inventars bereits auf privatem Wege abtransportiert. Dank persönlicher Kontakte zu einem Sachverständigen konnte auch der Schaden schon aufgenommen und an die Versicherung übermittelt werden. Doch bis die Praxis wieder beziehbar ist, werden Monate ins Land ziehen. „Vielleicht zu Weihnachten. Es wäre zumindest ein schönes Weihnachtsgeschenk“, gesteht der Hornbacher.

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Foto: Norbert Schwarz

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Bis dahin hat ihm eine Kollegin aus Zweibrücken sozusagen Asyl gewährt – die Praxis Physio Dynamics in der Homburgerstraße 84 in Zweibrücken. „Hier komme ich schon ab kommendem Montag mit meinem ganzen Team unter, was es auch für unsere Patientinnen und Patienten einfacher macht“, freut er sich.

So können die Familien Meyer und Baumann trotz der Katastrophe, die auf sie, wie auch auf viele anderen Menschen hereingebrochen ist, schon wieder ein wenig positiv in die Zukunft blicken. „Die Hilfsbereitschaft hier im Ort war immens, einfach unglaublich“, sagt Florian Meyer. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Gegenseitige Hilfe nach dem Hochwasser in Hornbach

Dem kann sein Vermieter Christian Dörr, der mit seiner Familie über der Praxis wohnt und in Hornbach das „Capito“ führt, nur zustimmen: „Nichts ist so schlecht, als dass es nicht auch etwas Gutes hätte“, findet er und erinnert an den SV Hornbach, der trotz seines zerstörten Vereinsgeländes Pizza für die Feuerwehrleute buk oder die Hornbacher Bevölkerung, die am Wochenende die Helferinnen und Helfer mit Essen versorgte, ganz zu schweigen von all den anderen Hilfen. „Ich selbst musste ja meinen Grillabend am Freitag absagen und wollte mit dem Essen die Feuerwehr versorgen. Die waren aber schon mit Pizza und all dem anderen Essen gut versorgt. Den Grillabend für die Feuerwehr hole ich aber nach“, verspricht er.

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