Orte unterschiedlich getroffen Jahrhundert-Hochwasser in Zweibrücken-Land: „Parkklinik sollte in sechs Wochen die Tore öffnen, daraus wird wohl nichts“

Update | Zweibrücken-Land · Das Hochwasser am Pfingstwochenende hat die Gemeinden in Zweibrücken-Land unterschiedlich hart getroffen. So ist die aktuelle Lage.

Hochwasser in Zweibrücken und Südwestpfalz
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Pfingst-Hochwasser in Zweibrücken und Umgebung

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Foto: Norbert Schwarz

Vorläufig ist die Hochwassergefahr in Zweibrücken-Land gebannt. Personenschäden gab es glücklicherweise keine zu beklagen, der Sachschaden im Privatbereich lässt sich derzeit allerdings. noch nicht abschätzen, wird sich jedoch mit Sicherheit in einer ein- oder zweistelligen Millionenhöhe bewegen.

Einmal mehr litt unter diesem Hochwasser 2024 die Klosterstadt Hornbach, wo zwei Objekte größte Schadensorte sind: Die noch im Bau befindliche Parkklinik beim Oberbeiwalderhof und Rotary Europe, wo vergangenes Jahr am Standort Hornbach vier Millionen Euro zur Firmengründung investiert worden waren. Das direkt hinter Walshausen bei Dusenbrücken befindliche Riesenrückhaltebecken lief in Stunden mit rotbrauner Regenbrühe voll. Die Felsalb randvoll.

Das Bild über dem Bergrücken im Schwarzbachtal nahezu identisch. Aus Richtung Thaleischweiler-Fröschen und Rieschweiler-Mühlbach kam dort der große Wasserschwall und setzte ein erstes Überschwemmungsausrufezeichen am tiefsten Ortspunkt von Dellfeld, gleich hinter dem Bahnhaltepunkt Ortsmitte (wir berichteten).

Eine Steigerung war dennoch möglich, die Fluten stiegen in den Nachtstunden von Freitag auf Samstag und erreichten in den Morgenstunden in Dellfeld ihren Höchststand. Die Hauptstraße, weitaus höher gelegen, musste für den den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Keller und Garagen leer pumpen war die Order der rund um die Uhr arbeitenden Feuerwehrleute, deren Einsatz Ortsbürgermeisterin Doris Schindler in höchsten Tönen schon währen des Einsatzes lobte. Das örtliche Rückhaltebecken in der Aschbach habe einmal mehr seine Funktionstüchtigkeit bewiesen und Schlimmeres verhindert.

Randvoll war das Schwarzbachtal zwischen Dellfeld, Falkenbusch, Stambach und Contwig. Der Radweg musste früh gesperrt werden, frei blieb der Schienenverkehr. Noch am Freitag gibt es keinen Feierabend für Mitarbeiter des Gemeindebauhofs. In der Pirmasenser Straße war ein neuralgischer Punkt bei einer Fabrikationshalle, wo Erdmassen vom Hang stets abgeschwemmt werden. Mit großvolumigen Traktoren wurden Quergräben gezogen.

Randvoll lief die Talaue in der Nacht zum Samstag. Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette organisiert bei der Stadt Blieskastel 5000 leere Sandsäcke, die in der Maßweiler Straße in der Nacht auf Samstag mit Sand befüllt und anschließend auf Paletten und Geräteboxen verteilt wurden.

In den Samstagmorgenstunden war beim Wehr der Mühle Maurer Höchstalarm, der Wehrbetreiber muss die Stauschieber öffnen, um Schlimmeres zu verhindern, womit sich logischerweise die Flutmenge beschleunigte. Längst signalisierten die Pegel Höchststände, Jahrhunderthochwasser auch in Contwig am Schwarzbach. Privatwohnungen in der Bahnhofstraße wurden überflutet, die rotbraune Brühe schoss durch Wohnungen und Garagen. Der Spielplatz hinterm Rathaus war ein „Wasserspielplatz“. Derweil sich eine Geschädigte mehr Unterstützung durch die Feuerwehr gewünscht hättem stellt Wehrführer Artur Lorenz fest, dass gegen diese Wassermassen kein Abpumpen hilft.

Walshausen kam gleich dem an der Trualb liegenden Dietrichingen glimpflich davon. Ortsbürgermeisterin Ulrike Vogelgesang lobt den Einsatz der Feuerwehrleute und Umstand, dass die Wache rund um die Uhr besetzt gewesen ist. Mit dem Hangrutsch und der nachfolgenden Vollsperrung der K 13 habe das Hochwasser wohl sein erstes Ausrufezeichen in Dietrichingen gesetzt, doch sonst seien Bürger und Ort mit einem „blauen Auge“ davon gekommen. Das Freihalten von Gräben und Durchlässen das Jahr über habe sich ausgezahlt, die Wassermassen konnten in die tiefer liegende Talaue abfließen. Höchststände signalisierte der Pegelstand bei der Brücke zum Monbijou, die Hauptstraße wurde teils überflutet, doch das Wasser floss wenig später wieder über die Gehwege in die Talaue zurück.

Ohne nennenswerte Schäden auch Mauschbach. Ortsbürgermeister Bernhard Krippleben legte als aktiver Feuerwehrmann selbst Hand an, wo es notwendig gewesen war, insbesondere im benachbarten Hornbach. Wenig erfreut ist das Gemeindeoberhaupt darüber gewesen, das ausgerechnet auf einer Internetseite von „Tierretter“ Bilder von im Wasser stehenden Wasserbüffeln auf der Hornbacher Weide gezeigt wurden, die signalisieren könnten: Tiere in Not. Dazu Bernhard Krippleben: „Der Tiername sagt es schon – Wasserbüffel. Viel schlimmer ist, dass wir als Herdenhalter schon lange bemängeln, dass Totholz entlang des Gewässers die Tiere gefährden könnten. So ist es jetzt gewesen. Totholz wurde Treibholz. Zerstörte die Umzäunungen. Die Herde mussten wir auf die höher gelegene Winterweide umsetzen!“

Der Brückenneubau bei Mauschbach in Richtung Dietrichingen habe mit seiner neuen Konstruktion auch jetzt dazu beigetragen, dass weniger Überflutungen in der Hauptstraße zu verzeichnen gewesen sind. Zudem waren die angelegten Rückhaltebecken oberhalb der Ortslage allesamt randvoll und hätten erneut ihre Funktionalität unter Beweis gestellt.

Hornbach wiederum erlebte stellenweise ein Jahrhundert-Hochwasser, was nicht ohne Folgen bleiben dürfte. Stadtbürgermeister Reinhold Hohn: „Die Parkklinik sollte in sechs Wochen die Tore öffnen, daraus wird wohl nichts, die Schäden in den Kellerbereichen sind enorm und umfangreich. Das sieht verheerend aus. Gleiches gilt für die Produktions- und Lagerstätte von Rotary Europe im früheren Gutbrodwerk, wo der amerikanische Konzern letztes Jahr bei der Ansiedlung vier Millionen investierte und jetzt überflutet wurde.“

Voll es Lobes ist auch der Stadtbürgermeister für den Einsatz der Feuerwehrleute und übrigen Helfern aus der Stadt, insbesondere den Straußmädels und Straußbuben. „Das kann man nicht genügend würdigen. 1000 Sandsäcke haben die befüllt und geholfen, wo helfende Händen gebraucht wurden – und da gab es viele Plätze.“

Hohn sieht in den letzten drei Hochwassertagen den erneuten Beweis für wahren Gemeinschaftsgeist in der Klosterstadt. Bei Landrätin Susanne Ganster will er sich dafür stark machen, dass nunmehr beim Abtransport von unbrauchbarem Material in jeglicher Form der Landkreis großzügig und behilflich ist.

Trotz der vielen Schäden auch in Althornbach eine ungebrochene Hilfsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung, die Ortsbürgermeister Bernd Kipp ins Schwärmen geraten lässt. „Was Feuerwehr und Bürger aus dem Dorf da geleistet haben, ist unglaublich!“ Von Freitag auf Samstag war das Bürgerhaus Anlaufstelle für viele, die Hauptstraße total überflutet. Kipp schätzt, dass dort 110 Zentimeter hoch die Wassermassen standen. Eine Familie mit Wohnwagen wollte zur Mitternacht am Freitag in Urlaub. Trotz Straßensperrung sollte die Urlaubstour durch die geflutete Hauptstraße gehen. Prompt gab der Motor seinen Geist auf, musste Feuerwehr die Eingeschlossenen retten. Aufgebrachte Anlieger brachten einen Lkw-Fahrer mit seinem Großlaster zur Umkehr, die Wasserwelle des Lasters hätte nur noch mehr Schaden angerichtet.

Strom musste bei zahlreichen Häusern in der Hauptstraße abgeschaltet werden Unterschlupf gab es im Bürgerhaus, wo auch die Aufgenommen verköstigt wurden. Kipp: „Gulaschsuppe hatte die Verbandsgemeinde geordert, wir von der Gemeinde steuerten Erbsensuppe bei, es gab Kaffee und Kuchen, viele hatten einen warmen Platz zum Aufwärmen, bis zu 30 Personen waren in der Höchstzeit vor Ort. Gehandelt haben das Ratsmitglieder und ehrenamtliche Helfer aus dem Dorf, die spontan anpackten. Das war großartig!“

Treibgut hatte den Pegel Althornbach beschädigt, noch am Samstag in den Nachmittagsstunden wurde der Schaden behoben.

VG-Bürgermeister Björn Bernhard lobt Hilfsbereitschaft: Nie zuvor gekannte Einsatzeindrücke erlebte Verbandsbürgermeister Björn Bernhard, selbst aktiver Feuerwehrmann in Dietrichingen und bis Pfingstsonntag schwerpunktmäßig im Dauereinsatz in Hornbach, nach Krisenstabssitzungen in der Contwiger Zentrale. „Solche Hilfsbereitschaft von Privatpersonen und insbesondere wie die Hornbacher Feuerwehrleute zusammen mit der großen Helferschar dieses Hochwasser im technischen Sinn gemanaged haben, das ist für mich völliges Neuland gewesen und eine ganz besondere Erfahrung“, stellt der Verbandsbürgermeister fest.
Ein Dutzend Contwiger Frauen beispielsweise schippte Sand in die Säcke in der Maßweiler Straße. In Hornbach, das zusammen mit Althornbach am Schlimmsten vom Hochwasser Pfingsten 2024 betroffen gewesen ist, kamen wildfremde Personen und boten Hilfe an. Eigene, großvolumige Tauchpumpen hatten sie selbst für die Hilfeleistung mitgebracht.
Allein aus den 17 Löscheinheiten der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land waren rund 220 Feuerwehrfrauen und Männer im Einsatz. Von Löscheinheiten aus dem Landkreis kamen 139 Feuerwehrhelfer, dabei der Gefahrstoffzug des Landkreises Südwestpfalz, der wegen auslaufendem Heizöls in Hornbach und Altölsicherung in Althornbach im Spezialeinsatz unterwegs gewesen ist. 120 gemeldete Einsätze mussten insgesamt abgearbeitet werden, ohne die Hilfeleistungen zwischendurch.
Helfer des THW Zweibrücken und Pirmasens waren in Dellfeld und bei der Parkklinik in Hornbach im Einsatz, den weitesten Anfahrtsweg hatten wohl die Berufsfeuerwehrleute des Pfalzklinikums Klingenmünster und die Löscheinheit aus Annweiler. Kritisch sieht der CDU-Verbandsbürgermeister Björn Bernhard den Besuch der SPD-Landesmutter im Zweibrücker Land mit ihrem gesamten Stab und Landrätin Susanne Ganster. „Unnütze Wartezeiten! Und in Hornbach, wo in Parkklinik, Wohnungen in der Zweibrücker Straße und bei Rotary viel Schaden entstanden ist und jede helfende Hand notwendig war, wurde nicht mal reingeschaut, um sich ein umfassendes Bild zu verschaffen. Das werde ich, sollte es eine solche Katastrophe nochmals miterleben nicht mehr mitmachen, da werde ich für meine Person nur noch Feuerwehrmann sein!“

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