Massive Kritik an Berichterstattung „Die Wasserbüffel waren nie in Gefahr“ – Wirbel um angebliche Tierrettung aus Hochwasser

Update | Hornbach/Mauschbach · Die Bürgermeister von Hornbach und Mauschbach, Reinhold Hohn und Bernhard Krippleben, wehren sich gegen Medienberichte, die Tiere „drohten weggeschwemmt zu werden“. Auch die Tierrettung Contwig wird von ihnen kritisiert.

 Die Sommerweide der Wasserbüffel im Hornbachtal war durch das Hochwasser überschwemmt worden.

Die Sommerweide der Wasserbüffel im Hornbachtal war durch das Hochwasser überschwemmt worden.

Foto: Tierrettung Contwig

Die Wasserbüffel-Herde in der Talaue zwischen der Klosterstadt Hornbach und der Nachbargemeinde Mauschbach seien zu keinem Zeitpunkt während der gesamten Hochwasserphase gefährdet gewesen. Schon gar nicht sei ein Eingreifen der Tierrettung Saar-Pfalz aus Contwig notwendig gewesen, um die Herde von der Sommerweide auf die höher gelegene Winterweide zu bringen, die lediglich von einem asphaltierten Wirtschaftsweg getrennt wird. Hornbachs Stadtbürgermeister Reinhold Hohn, dessen Erster Beigeordneter Helmut Weiske sowie Mauschbachs Ortsbürgermeister Bernhard Krippleben weisen anderslautende Aussagen in Medienberichten schärfstens zurück.

Verwaltungschefs weisen Berichte über Hochwasser-Rettungsaktion zurück

Bei einer Pressekonferenz direkt vor Ort an den Büffelweiden zwischen Hornbach und Mauschbach trafen die beiden Verwaltungschefs diese Feststellung. Mit dabei waren auch die beiden Herdenbetreuer Marius Sauter und Eike Kennel, die Vertreter der Feuerwehr-Löscheinheit Hornbach, Wehrführer Michael Conrad und Thomas Hohn, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land.

Anlass der Pressekonferenz: Die „Bild“-Zeitung hatte von einer in Not geratenen Wasserbüffelherde berichtet, die in der überschwemmten Hornbachtalaue aus einer Notlage habe gerettet werden müssen.

Klarstellung nach Berichterstattung: Wasserbüffel in Hornbach nicht in Gefahr

Die Tierrettung Saar-Pfalz hatte den Medien zuvor Fotos in der Talaue im Hochwasser befindlichen Wasserbüffel gemailt und auf Social Media veröffentlicht. In der (mit einem Spendenaufruf verbundenen) Pressemitteilung dazu war allgemein zu Tierrettungs-Einsätzen beim Hochwasser die Rede, ohne aber die Wasserbüffel zu erwähnen. Die „Bild“-Zeitung berichtete dann, die Tierrettung habe ihr gesagt, die Wasserbüffel „steckten bis zum Widerrist im Wasser fest und drohten weggeschwemmt zu werden“.

Weil durch das Hochwasser Treibgut die Umzäunung beschädigte, war ein Umsetzen der Tiere auf die höher gelegene Winterweide notwendig. Wasserbüffel lieben jedoch Wasser – das Hochwasser war für sie nicht lebensbedrohend, so die kommunalen Herden-Eigentümer Mauschbach und Hornbach.

Weil durch das Hochwasser Treibgut die Umzäunung beschädigte, war ein Umsetzen der Tiere auf die höher gelegene Winterweide notwendig. Wasserbüffel lieben jedoch Wasser – das Hochwasser war für sie nicht lebensbedrohend, so die kommunalen Herden-Eigentümer Mauschbach und Hornbach.

Foto: Norbert Schwarz

Kai Harstick, Einsatzleiter des Contwiger Vereins „Tierrettung/Fahrservice für alle Tiere Saar-Pfalz“ wird von „Bild“ weiter wörtlich zitiert: „Hier zählte jede Sekunde.“ Zehn Tierrettern sei es schließlich gelungen, die Büffel an Land zu führen. Einige Tiere hätten völlig unter Schock gestanden, seien verletzt gewesen, habe Harstick gesagt. Die Tiere seien vom Tierarzt behandelt und vorübergehend in Notunterkünfte gebracht worden.

Hornbach und Mauschbach: „Fake News“ Vorwurf nach Medienberichten

Für die Herdenverantwortlichen Reinhold Hohn und Bernhard Krippleben des Guten zu viel, die Aussagen seien rundweg unwahr und falsch. Ortsbürgermeister Krippleben zur Eröffnung des Pressetermins: „Wir müssen klarstellen, dass für die Büffelherde hier in der Talaue zwischen Hornbach und Mauschbach nie eine Gefahr bestanden hat!“ Stündlich sei die Herde kontrolliert worden: „Als die Weideeinzäunung in der Talaue durch Treibgut im Hochwasser schließlich beschädigt war, beschlossen die Herdenbetreuer Marius Sauter und Eike Kennel, die Büffelherde auf die höher gelegene Winterweide zu führten.“

Die aktive Reaktion der Repräsentanten von Hornbach und Mauschbach erklärte Krippleben so: „Wir sind hier in einem Projekt, das vom Land gefördert wurde und haben bei der Umsetzung mehr als 100 000 Euro als Förderung bekommen, weil mit dem Brückenbau beim Bau der L 700 auch Eingriffe in die Natur notwendig waren.“

Krippleben bezeichnete die „Bild“-Berichte als „Fake News“ und bedauerte, dass diese schon in anderen Medien aufgegriffen und verbreitet wurden.

Landwirt widerspricht Medienberichten

Marius Sauter, Landwirt in Hornbach, berichtet auch, wie die dramatischen Bilder und Videos entstanden sind: „Die Tiere sind mehrfach durchs Hochwasser gewechselt. Sie sind halt gute Schwimmer. Auch nicht gegen, sondern mit der Strömung.“ Beim letzten abendlichen Kontrollgang habe er die Tiere dann in Sicherheit gebracht. Sauter: „Die Tiere kennen mich und meinen Traktor ja, sie kamen sofort zum Gatter und haben problemlos auf die Winterweide gewechselt, wo Futter zu finden gewesen ist.“

Mit dem Tierarzt hatte noch am Hochwasser-Samstag Ortsbürgermeister Bernhard Krippleben Kontakt aufgenommen und die Vorgehensweise besprochen – von einem Standortwechsel sei da noch keine Rede gewesen.

Um Hasen, Hühner und zwei Pferde in Hornbach in Sicherheit zu bringen, hatten sich beim Dauerregen die Einsatzhelfer der Contwiger Tierrettung in die überflutete Talaue zwischen Mauschbach und Hornbach begeben. Bei dieser Rettungsaktion sahen sie dann auch die Büffelherde im Wasser, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Tierrettung zu den Vorwürfen. Regelrecht in Panik habe eine Frau angerufen und vom Zustand der Büffelherde berichtet. Zuvor sei man bereits von zwei Autofahrern auf die besondere Situation hingewiesen worden. Der Tierrettungs-Trupp habe auf dem Wirtschaftsweg gestoppt und die Büffelherde auf einen nicht überfluteten Weidebereich beim Gatter gelockt. Den „Bild“-Bericht bezeichnen die Contwiger Tierretter als schlecht recherchiert. Auf der eigenen Facebook-Seite habe man in der Form nie berichtet, auch am Telefon habe es derartige Aussagen zu keiner Zeit gegeben. „Bild“ habe vieles verdreht und dramatisiert, so die Tierrettung Saar-Pfalz.

„Bild“ verteidigt Darstellung

Die „Bild“-Zeitung blieb auf Merkur-Anfrage bei ihrer Darstellung – die Zitate seien korrekt. 109 Einsätze zu in Not geratenen Tieren habe es bei dem Pfingsthochwasser gegeben. Unterstützung durch Feuerwehrleute habe es dabei bei allen Einsätzen gegeben.

Die Contwiger Tierrettung berichtet ihn ihrer Pressemitteilung von vielen freiwilligen Helfern, die sich zur Tierrettung über die Hochwassertage in den Dienst der Sache gestellt hätten.

Selbst aus dem Ahrtal seien zwei Helferinnen und Helfer in die Westpfalz zur Tierrettung gekommen, um sich einzubringen. Hintergrund: Bei der Katastrophe im Ahrtal sei auch ein Einsatztrupp aus Contwig vor Ort gewesen.

UPDATE: Die E-Mail mit der Pressemitteilung, in der die Tierrettung auf die Vorwürfe der Bürgermeister von Mauschbach und Hornbach reagierte, war von Anna-Lena von Rohden unterzeichnet, Abteilungsleiterin und tiermedizinische Fachangestellte bei der Contwiger Tierrettung. In der ersten Version unseres Artikels war deshalb von Rohden an einer Stelle auch erwähnt, in anderen Medien noch häufiger. von Rohden mailte dazu am Freitagabend: „Ich distanziere mich hiermit von allen Presseberichten, die in den letzten Tagen von der ,Tierrettung/Fahrdienst für alle Tiere Saar-Pfalz’ angeblich in meinem Namen bei Ihnen eingegangen sind und es so auch in den Artikeln über die Wasserbüffel im Hornbachtal veröffentlicht wurden.“ Auf telefonische Nachfrage erklärte von Rohden, sie habe sich zum Ablauf der Einsätze beim Pfingsthochwasser überhaupt nicht äußern können – sie sei nämlich krankgeschrieben gewesen und habe davon gar nichts mitbekommen. Die Tierrettung habe versehentlich ihre Signatur verwendet, weil diese normalerweise unter Pressemitteilungen der Tierrettung steht. Ihr Ärger habe nichts mit inhaltlichen Differenzen zu tun – aber ihr Telefon stehe nicht mehr still, weil sie mit Äußerungen konfrontiert werde, die sie gar nicht getätigt habe.

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