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Heike Bißbort ist eine der bekanntesten Landfrauen der Region Zweibrücken

Heike Bißbort ist eine der bekanntesten Landfrauen der Region : Zwischen Laptop und Schweinestall

Corona stellt auch die Landfrauen vor neue Herausforderungen. Kochkursleiterin Heike Bißbort lässt sich daher neben ihrer Arbeit auf dem eigenen Hof in Online-Kurs-Technik ausbilden. Und hält ihre eigene Windsberger Ortsgruppe im 40-jährigen Jubiläumsjahr „bei Laune“.

„Um 17 Uhr muss ich in den Stall, wir haben viel Arbeit und sind nur in der Familie“, erklärt Heike Bißbort gleich zu Anfang des interessanten Gesprächs. 170 Muttersauen stehen in dem großen Bauernhof an der Windsberger Durchgangsstraße. Diese füttert die Landwirtin dann ebenso, wie die unterschiedlich alten Ferkelwürfe, regelmäßig von Hand.

Um den Schwerpunkt bei ihrer vielfältigen Landfrauen-Arbeit setzen zu können, hat die 55-jährige Windsbergerin im Laufe der letzten Jahre sowohl ihre politischen Ämter als auch ihr Engagement im Presbyterium, die Schriftführung im Förderverein Dorfgemeinschaft Windsberg, den Vorsitz und die Mitwirkung in dem von ihr mitgegründeten Förderkreis Kindergarten Windsberg sowie bei dem 1989 von ihr gegründeten „Ring junger Landwirte“ niedergelegt. „In der Kirche werde ich als ,alte Häsin’ das neu gewählte Gremium weiter unterstützen, vielleicht sogar als Protokollführerin“, plant sie.

Seit über 40 Jahren bereits ist die Hauswirtschaftsmeisterin und Agrarbetriebssekretärin, die mit 17 Jahren in die Landjugend Zweibrücken eintrat und diese mehrere Jahre lang führte, ehrenamtlich aktiv, seit 1999 auch bei den Landfrauen. Mittlerweile führt sie den Ortsverein Windsberg im 13. Jahr – zunächst als Stellvertreterin und seit 2011 als Vorsitzende. Sobald die verschobene Mitgliederversammlung inklusive Wahlen von 2020 nachgeholt werden kann, kandidiert sie erneut – voraussichtlich konkurrenzlos.

Seit 2010 gehört die aktive Landfrau außerdem dem Vorstand des Kreisverbands Südwestpfalz an. In dieser Eigenschaft organisierte Heike Bißbort das Projekt „Integriert is(s)t gut“ im Rahmen des Programms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. Hier fanden in zehn Ortsvereinen Treffen statt, zu denen im Ort lebende Migrantinnen eingeladen waren. Mit landestypische Gerichten aus ihrer Heimat kamen die Frauen zusammen mit den Einheimischen ins Gespräch. Ein toller Erfolg, für den dem Kreisverband 2014 der Weiterbildungspreis des Landes Rheinland-Pfalz verliehen wurde.

Seit September 2019 zeichnet die nimmermüde Landfrau als Seminarleiterin für die Kochkurse verantwortlich und betreut selbst neun Ortsvereine zu diesem Thema. Aus diesem Grund auch verbringt sie aktuell viel Zeit am Laptop. „Wir werden für mögliche Online-Vorträge und Online-Seminare geschult“, berichtet die langjährige Schriftführerin für diverse Vereine. Sie gehört zu den Junggebliebenen, die keinen Respekt vor moderner Technik haben, sondern sich interessiert deren Herausforderungen mit Videos und Webinaren stellen. Doch gemeinsam online kochen hält sie schlicht für unmöglich, Vorträge unter anderem als Beraterin der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz e.V. (Milag) für den Kreis Südwestpfalz und Kaiserslautern hingegen schon.

Mit ihrem vor Corona tagtäglich voll gepackten Terminkalender wäre zusätzlich Engagement in diesem Bereich undenkbar. So jedoch hat sie ihre Vorliebe fürs Puzzeln entdeckt und gönnt sich an den terminfreien Abenden Zeit, um demnächst das geschenkte Puzzlebild von Hofhund Bruno mit 1000 Teilen zusammenzusetzen.

Im Ortsverein hat Heike Bißbort dennoch alle Hände voll zu tun. Sie weiß: „Obwohl wir zwischen 35 und 65 Jahren einen jungen Vorstand in Windsberg haben, bin ich da die Einzige mit Online-Schulung.“ Auch in ihrer Whats-App-Gruppe ist gerade einmal die Hälfte der 50 Landfrauen (als sie den Vorsitz 2011 übernahm, waren es nur 35) vertreten. Also schreibt sie Briefe und verteilt diese, zusammen mit kleinen Geschenken, etwa zu Neujahr.

Da es mehr als unwahrscheinlich scheint, dass der 1971 gegründete Ortsverein am 12. März 2021 sein Jubiläum würdig begehen kann, wird es auch dazu einen Erinnerungsbrief geben. Und zu Fasching eine selbst geschriebene Büttenrede.

In der Hoffnung, dass zu ihrem zehnjährigen Vorstandsjubiläum am 20. Oktober eine große Veranstaltung wieder möglich ist, soll die Jubiläumsfeier an diesem Tag starten. Heike Bißbort hofft, dass sie bis dahin mit der reaktivierten Tanzgruppe auch die Tänze zu den Michael-Jackson-Songs rechtzeitig üben kann, die sie im vergangenen Sommer begonnen hatten. Und, dass der Familienhof tatsächlich ab August wieder eine Hauswirtschafterin ausbildet. Das wäre dann für die engagierte Mutter dreier Töchter die neunte im Laufe ihres Wirkens.

Ihr Traum von einem geglückten 2021: „Wenn unsere vielfältigen Veranstaltungen endlich wieder live stattfinden und wir sorglos unsere gute Gemeinschaft mit viel Spaß pflegen können.“