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Halbjahresbilanz Patrick Sema Thaleischweiler-Wallhalben

Verbandsgemeinde-Bürgermeister Patrick Sema : „Ich habe noch keine Sekunde bereut“

Thaleischweiler-Wallhalbens Verbandsbürgermeister Patrick Sema über die Erfahrungen im ersten halben Jahr im Amt.

 Vor sechs Monaten hat die Amtszeit von Patrick Sema als Verbandsbürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben begonnen. Für den SPD-Politiker aus Schauerberg war der Jahreswechsel eine gute Gelegenheit, nach dem ersten halben Jahr eine erste Bilanz zu ziehen – die geprägt war von der Einarbeitung in die Verwaltungsabläufe, aber auch von der Fortsetzung der laufenden Großprojekte: „Und da hat es keine Schonfrist gegeben.“

Ja, eine Umstellung war es schon für Sema, der nach seiner Wahl am 27. März aus der freien Wirtschaft in die Verwaltung gewechselt ist. „Es sind einfach andere Strukturen“, hat der gebürtige Herschberger erkannt. Aus diesem Grund hat es dann auch eine Zeit lang gebraucht, um sich in alle Aufgaben und Projekte einzuarbeiten, um mit den Verwaltungsabläufen klarzukommen. „In den ersten Monaten musste ich mich erst einmal zurechtfinden im Haus“, erzählt er, wobei er gleichzeitig die große Unterstützung lobt, die er sowohl von den Mitarbeitern als auch seinen Beigeordneten Michael Schmitt und Heino Schuck bekommen hat. Geht es um die Millionenprojekte des Verwaltungsneubaus in Thaleischweiler-Fröschen oder des gemeinsamen Feuerwehrhauses in Rieschweiler-Mühlbach sei diese Eingewöhnungsphase kurz gewesen, denn die Bauarbeiten müssen vorankommen. Und als wäre das nicht genug, hat die Energiekrise auch viel Arbeit und Probleme mit sich gebracht. Semas Fazit: „Für Kreativität ist da wenig Platz geblieben.“

Und dennoch hat er seine Ziele für die Verbandsgemeinde nicht aus den Augen verloren. An vorderster Stelle steht seine Vision eines Bürgerbusses, der in der Verbandsgemeinde unterwegs ist. „Er ist eines der großen Ziele, die ich vorantreibe“, bekennt er. Denn das vorhandene Bus- und Bahnangebot reiche auf dem flachen Land einfach nicht. Ihm schwebt ein Verbandsgemeinde-Busdienst vor, der ältere Bürger aus den Ortsgemeinden zum Einkauf oder Arztbesuch bringt.

Aber solche Projekte sind aktuell eher die Kür, neben den Pflichten des Alltagsgeschäfts. An vorderster Stelle steht die Bewältigung der Energiekrise, denn Preisexplosionen für Strom und Gas schlagen gerade auch auf die Verbandsgemeinde durch: Schulen, Feuerwehrunterkünfte und die Verwaltungsgebäude müssen beheizt werden, brauchen auch jede Menge elektrische Energie. Das schlägt auch die Verbandsgemeindefinanzen durch, warnt der Verbandsbürgermeister. Gefragt sind Lösungen für Energieeinsparungen – und das nicht nur auf Verbandsgemeindeebene. Denn Semas Blick richtet sich auch auf die Ortsgemeinden, in denen er noch Sparpotenzial ausgemacht hat. „32 Prozent der Straßenleuchten im Verbandsgemeindegebiet sind noch nicht auf stromsparende LED-Technik umgerüstet“: Daran will der SPD-Politiker etwas ändern, gemeinsam mit den Ortsgemeinden stellt er ein Programm für die Umrüstung auf, denn ab einer gewissen Größenordnung fließen sogar Fördergelder dafür.

Weit oben auf seiner To-do-Liste hat der neue Verbandsbürgermeister auch die Gewerbeflächen stehen. Denn die vorhandenen Gewerbegebiete sind weitgehend ausgeschöpft, es braucht Neuerschließungen, um ansiedlungs- und erweiterungswilligen Unternehmen das notwendige Gelände anbieten zu können. Möglichkeiten sieht er in der Erweiterung der Gewerbegebiete in Höhfröschen und Weselberg ebenso wie in dem neuen Interkommunalen Zweckverband Biebermühle, der am Zusammenfluss von Rodalb und Schwarzbach neue Gewerbeflächen erschließen will.

Zu den ureigensten Aufgaben der Verbandsgemeinden gehören Feuerwehren und Grundschulen: Geht es um die Floriansjünger, überstrahlt im Jahr 2023 das Millionenprojekt in Rieschweiler-Mühlbach alles – es geht langsam, aber sicher in die Endphase. Gleichzeitig will der Verbandsbürgermeister in diesem Jahr mit der Erweiterung des Feuerwehr-Stützpunktes in Wallhalben beginnen. Auch wenn es um die Grundschulen geht, fällt der Standort Rieschweiler-Mühlbach, wo eine Dachsanierung ansteht. Und dann schwelt noch ein Schulgroßprojekt, das aber eher mittelfristig zu realisieren ist: der Umzug der Grundschule Wallhalben in die frühere Realschule plus, die dafür umgebaut werden muss. Das aktuelle Problem: Momentan nutzt das Franz-von-Sickingen-Gymnasium aus Landstuhl das Realschulgebäude als Ausweichquartier, weil in Landstuhl das Schulgebäude saniert wird – und gerade erst hat der Landkreis, der immer noch Eigentümer des Schulgebäudes ist, den Mietvertrag bis 2026 verlängert. Vorher geht also nichts.

Auch touristisch soll es weiter vorangehen in der Verbandsgemeinde, nach zwei schwierigen Jahren in der Corona-Krise, wie Sema erinnert. In diesem Jahr steht der große Grumbeeremarkt in Wallhalben nach der Corona-Zwangspause an, auf dem auch die neue Marktgräfin gewählt wird – Interessentinnen dürfen sich gerne melden. Natürlich soll auch das Radwegnetz in der Verbandsgemeinde perfektioniert werden, aber der Verbandsbürgermeister muss da zuerst das Radwegkonzept des Landkreises abwarten, in das auch die Radwege der Verbandsgemeinde eingebunden werden.

Ja, da ist dann ja aber noch das große Verbandsgemeindeprojekt: das neue Rathaus. Es wird das beherrschende Thema für den Verbandsbürgermeister – und seine Mitarbeiter – in diesem Jahr sein, auch wenn der für den Herbst geplante Umzug nicht mehr machbar ist. Durch Mängel bei den Rohbauarbeiten wird sich der Einzug ins neue Verwaltungsgebäude um ein halbes Jahr verzögern in das Frühjahr nächsten Jahres – vorausgesetzt es gibt keine zusätzlichen Probleme.

Apropos Probleme und Rückschläge, wie empfindet Sema ganz persönlich sein erstes halbes Jahr als Verbandsbürgermeister? „Ich habe es noch keine Sekunde bereut“, sagt er mit Überzeugung.