Glasfaser für Martinshöhe Fürs Weihnachtsgeschenk reicht es nicht

Martinshöhe · Die Glasfaserverlegung in Martinshöhe wird später abgeschlossen sein als ursprünglich geplant.

 Auf der Kreuzung in Martinshöhe, einem neuralgischen Punkt in der Ortsmitte, wuselt es vor Mitarbeitern von Trifecta. Möglichst schnell sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Auf der Kreuzung in Martinshöhe, einem neuralgischen Punkt in der Ortsmitte, wuselt es vor Mitarbeitern von Trifecta. Möglichst schnell sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Foto: Norbert Schwarz

Werbebanner an markanten Punkten von Martinshöhe aufgestellt signalisierten monatelang sichtbar für jeden Vorbeikommenden: Das digitale Zeitalter für die Dorfbewohner des Ortes setzt ein. Um schnellstmöglich auf der Datenautobahn voranzukommen, wird Glasfasertechnik verlegt. In Windeseile. Betonpflaster-Aufnahme in den Gehwegen morgens, Verlegegraben mit Bagger ausgehoben, orangefarbenes Leerrohr rein, absanden, Flatterband als Hinweis: „Achtung Kabel“ dazu, zuschütten, verdichten und am Abend ist die Grundstückseinfahrt im jeweiligen Straßenzug bereits wieder verschlossen. 

Eine Baustellen-Wunschvorstellung, die sich nicht immer ganz so umsetzen lässt. Ortsbürgermeister Hartwig Schneider und Bauingenieur Michael Pritzl-Rank von der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau wissen das am besten. Wenn etwas nicht klappt, wenn es irgendwo hakt, bekommen sie das an vorderster Front zu spüren, umgangssprachlich „ihr Fett ab“. Das Bemühen, alles auf die Reihe zu bringen und dafür Sorge zu tragen, dass alles möglichst ohne Reibungsverluste über die Bühne geht, ist groß. Auf der Gegenseite befinden sich Bauleiter Peer Hahne von der Firma Trifecta P.T. Dieses Kürzel am Ende des Firmen namens steht für Papadopoulos und Tsachidis. die Familienennamen der Firmengründer, die sich zu einer Gesellschaft des Bürgerlichen Recht rechtlich zusammen geschlossen haben und für eine schnelle, zuverlässige und funktionierende Glasfaserverlegung werben.

Vierter im Bunde und sozusagen „Mann des entscheidenden Wortes“ ist Rainer Liemt von der Deutschen Glasfaser AG. Sie nämlich baut für den Landkreis Kaiserslautern das Glasfasernetz auf. Ortsbürgermeister Hartwig Schneider wie auch der Mann vor Ort von der Verwaltung, Michael Pritzl-Rank, freuen sich, dass nunmehr mit dem neuen Arbeitstrupp die Zusammenarbeit harmonischer verläuft, als das anfänglich gewesen sei, wie auf der Baustelle zu hören war.

Das „Baustellen-Handling“ muss der Sachse Peter Hahn stemmen. Derweil die übrigen Arbeiter rote Arbeitswesten mit der Firmenaufschrift ihres Brötchengebers auf dem Rücken tragen, hat Bauleiter Hahn eine gelbe Weste an. Bauingenieur Michael Pritzl-Rank von der VG-Verwaltung kurz und bündig: „Bewusst, da kann jeder Grundstückseigentümer bereits mit dem ersten Blick erkennen, wer für ihn Ansprechpartner ist.“ Aus gutem Grund. Die auf der Martinshöher Großbaustelle arbeitenden Männer kommen weitestgehend aus Moldavien und Rumänien und sind so gut wie nicht der deutsche Sprache mächtig.

An die Anfangszeit vor gut sechs Wochen erinnert sich Ortsbürgermeister Hartwig Schneider nur ungern, denn da wollte nach seiner Formulierung so gut wie nichts zusammen gehen. Doch mit der neuen Bautruppe habe sich das wesentlich gebessert, würde die Sache rund laufen, käme man bestens voran, sie Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Hartwig Schneider: „Es ist eine Großbaustelle, unser Dorf wird regelrecht umgepflügt, wo gearbeitet wird fallen Späne, das ist bei einer solchen Großmaßnahme einfach zu berücksichtigen!“

In der Zweibrücker Straße in Richtung Nachbarort Rosenkopf sei vor Tagen bereits mit einem Bagger die Telefonleitung gekappt worden. Mehrfach schon habe die Telekom den Schaden behoben, doch ein Großteil der Anschlussnehmer könne noch immer nicht telefonieren.

Die Deutsche Glasfaser AG, zu der mittlerweile auch Inexio (Saarlouis) zählt, die zuvor Netzbetreiber waren, hatte beim Ausschreibungswettbewerb des Landkreises Kaiserslautern als günstigster Anbieter für den Glasfasernetzaufbau die Nase ganz vorn und den Zuschlag für sämtliche Orte des Landkreises erhalten.

Wer allerdings davon ausgeht, dass selbst zwischen Inexio und Deutscher Glasfaser AG, weil inzwischen beide Unternehmen unter einem Dach vereint sind, alles klar sein müsste, ist  schief gewickelt, wie der Ortsbürgermeister Schneider kopfschüttelnd berichten muss. „Als wir die Langgasse vor noch nicht allzulanger Zeit ausbauten, ist von Inexio extra auf unser Drängen hin, ein Leerrohr für das Glasfaser mitverlegt worden. Doch jetzt war es nicht möglich Planunterlagen zu bekommen die es machbar gemacht hätten, dass wir dieses Leerrohr nutzen. Also wurde jetzt ein weiteres Leerrohr verlegt, in welches dann das Glasfaser eingeblasen werden kann!“

Sich darüber aufzuregen würde nichts bewegen, meint Bauingenieur Michael Pritzl-Rank lakonisch und hat eine Bemerkung parat: „Ein Treppenwitz!“ 40 Prozent der Haushalte mussten sich für den Netzbetreiber „Deutsche Glasfaser AG“ als Netzbetreiber entscheiden, wollten sie den eigentlichen Glasfaserhausanschluss kostenlos verlegt bekommen und der Provider überhaupt ins Geschäft einsteigen. Das sei überhaupt kein Thema gewesen, bestätigt Hartwig Schneider auf entsprechende Rückfrage. Inzwischen sind die orangefarbenen Anschlussschlaufen vor fast jedem Grundstück im Ort deutlich sichtbar.

Bis auf den Bereich Fritz-Claus-Straße, In der Seiters, Südstraße, Steinkreuzer Weg sind alle Straßenzüge im Ort mit einem Leerrohr für das Glasfaser versehen worden. Bis Weihnachten, so die Urplanung, hatte alles fertig sein sollen. Doch wie Bauleiter Peter Hahn einräumt, sei das nicht zu bewerkstelligen. Schlechtwetterphasen und andere Unzulänglichkeiten hätten das verhindert. Alle Beteiligten werben dafür bei den Bürgern um Verständnis. Die Weihnachtsfeiertage und das neue Jahr wollen die Arbeiter daheim bei ihren Familien verbringen. Im Februar soll es dann in Martinshsöhe weitergehen. Vier Wochen später sei dann alles fertig, ist sich Rainer Liemt von der Deutschen GlasfaserAG sicher und dieser Mann ist schließlich für die Gesamtbaustelle hauptverantwortlich. Auf „Jour-Fix-Gespräche“ drängte zwischenzeitig Michael Pritzl-Rank und bei dieser Gelegenheit könnte doch so manches ausgebügelt werden. Das Herzstück des Martinshöher Glasfsernetzes, der PoP (Point of Presence) steht hinter dem Dorfgemeinschaftshaus.

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