„Gewalt ist nie eine Antwort“

Zweibrücken. Monty Roberts ist seit vielen Jahrzehnten Pferdeflüsterer Nummer Eins und auf der ganzen Welt unterwegs. Der von Queen Elisabeth ausgezeichnete Friedensbotschafter hat sein Tätigkeitsfeld mittlerweile auch auf die Arbeit mit traumatisierten Menschen erweitert. Am 21. April ist er wieder im Zweibrücker Landgestüt. Merkur -Mitarbeiterin Cordula von Waldow hat mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Herr Roberts, Sie waren vor zwei Jahren schon einmal in Zweibrücken. Jetzt kehren Sie zurück. Jeder weiß, dass Sie sich ständig weiter entwickeln. Was geschah in dieser Zeit?

Monty Roberts: Ja, das ist richtig, ich bin zwar 80 Jahre alt, aber ich bin nie untätig. Ich war sehr beschäftigt, habe in über zehn Ländern gearbeitet, darunter auch ganz neue Länder wie der Slowakei, Ungarn oder auch in Südamerika. Außerdem arbeite ich nicht mehr nur mit Pferden, sondern zunehmend auch mit Menschen.

Vor Jahrzehnten haben Sie ihre friedliche, gewaltfreie Arbeit mit Pferden begonnen und reisen seitdem als Botschafter des respektvollen Umgangs mit ihnen, der sich auf Vertrauen und Freiwilligkeit gründet, statt auf Strafe, rund um den Globus. Wie arbeiten Sie mit Menschen?

Roberts: Pferde sind Fluchttiere, die domestiziert und deren Wille gewalttätig gebrochen wurde. Alle Menschen, die man in Uniformen steckt, seien es Soldaten, Polizisten oder Feuerwehrleute, werden damit zu Robotern. Viele von ihnen - auch viele Kinder nicht nur aus Kriegsgebieten - haben Schreckliches erlebt, das ihre Persönlichkeit deformiert, sie vom Leben abschneidet. Das nennt man posttraumatischen Stress. Diesen Menschen fehlt jegliches Vertrauen und das baue ich mit Hilfe der Pferde wieder auf.

Wo ist die Verbindung zwischen Mensch und Pferd? Wie funktioniert das?

Roberts: Nun, Pferde fliehen, um sich einem Angriff zu entziehen und würden von sich aus niemals ein anderes Lebewesen angreifen. Außerdem sind sie Pflanzenfresser. Der Mensch ist praktisch das Gegenteil: Er tötet Tiere, um sie zu essen und bekämpft sich gegenseitig. Überall ist Gewalt im Spiel. Ich lehre die Männer, Frauen und Kinder, auf welche Weise sie das Vertrauen eines Pferdes, das in seinem Fluchtinstinkt erst vor ihnen davon läuft, nachhaltig gewinnen können. Sie erkennen, dass sie die Kette der Gewalt brechen können. So führe ich sie aus dem Trauma zurück in ihre Menschlichkeit. Sie lernen, auch Menschen wieder zu vertrauen.

Wie erfolgreich ist diese Ihre Arbeit?

Roberts: In den letzten sechs Jahren habe ich mit mehr als 3000 schwer traumatisierten Menschen, Erwachsenen und Kindern gearbeitet. In Kalifornien und anderen Bundesstaaten der USA, in Großbritannien, Irland, Australien, Neuseeland und Südamerika. Sie konnten zu einem sehr hohen Prozentsatz auf den Weg der Heilung gebracht werden. Das Leben aller hat sich deutlich verbessert. Und sie lernen für ihren Umgang mit anderen: Gewalt ist nie eine Antwort.

Gibt es dafür auch Anfragen vom europäischen Festland, etwa dem deutschsprachigen Raum?

Roberts: Die gibt es, aber ich konzentriere mich persönlich auf den englischsprachigen Raum. Allerdings habe ich sehr, sehr viele Schüler und Studenten, die ich ermutige, in ihre Heimatländer wie Deutschland oder Österreich zurückzukehren, um dort zu arbeiten. Sie sind sehr gute Nachfolger, wenn es mich einmal nicht mehr gibt. Und sie werden sehr viel weniger Fehler machen als ich.

Ihre Arbeitsenergie teilt sich jetzt quasi zwischen Pferd und Mensch auf. Was sollen die Besucher Ihrer Pferdeshow lernen?

Roberts: Mein Ziel ist es, die Welt in einem friedlicheren und liebevolleren Zustand zu verlassen, als ich sie bei meiner Geburt vorgefunden habe. Am Beispiel verschiedener Problempferde demonstriere ich, wie einfach es ist, einen motivierten Kooperationspartner zu gewinnen, wenn ich das Pferd bitte, etwas zu tun, als wenn ich es mit Gewalt von ihm fordere. Dazu brauche ich das Pferd nicht einmal anzufassen, geschweige denn anzubrüllen. Gerade in Deutschland gewinnt man den Eindruck, dass viele Stimmgewalt für hilfreich halten. Dabei erschreckt sich das Pferd nur und hat dann noch mehr Angst. Auch hier heißt das Zauberwort "Vertrauen".

Welche Art von Problempferden werden Sie in Zweibrücken behandeln?

Roberts: Ich lerne die Pferde und auch ihre Thematik immer erst kurz vor der Show kennen. Generell unterscheiden wir vier Typen: Das rohe Pferd, das noch nie einen Sattel getragen hat und lernt, ihn zu akzeptieren. Das Pferd, das beim Reiten Probleme bereitet wie buckeln, steigen oder davon stürmen. Das Pferd, das sich weigert, Hufe zu geben und sich anfassen zu lassen und damit ein Albtraum ist für jeden Hufschmied oder Tierarzt und das Pferd, das sich weigert, einen Pferdehänger zu betreten oder darauf stehen zu bleiben. Wir werden alle in der Show haben.