Gesundheitsamt über Grippe und Corona Appell: Zum Schutz Maske tragen

Pirmasens/Zweibrücken · Mehr Menschen erkranken an Corona und Influenza – und doch sinken die Infektionsmeldungen beim Gesundheitsamt in der Kreisverwaltung. Die Gründe dafür, die Lage in Altenheimen und welche Maßnahmen getroffen werden sollten, erklärt Gudrun Behr, die die Behörde nun für längere Zeit kommissarisch leitet.

 Zwar ist Maske-Tragen schon lange keine gesetzliche Pflicht mehr – doch das Gesundheitsamt Südwestpfalz rät zum freiwilligen Tragen. (Symbolbild)

Zwar ist Maske-Tragen schon lange keine gesetzliche Pflicht mehr – doch das Gesundheitsamt Südwestpfalz rät zum freiwilligen Tragen. (Symbolbild)

Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Seit August trägt Gudrun Behr als Stellvertreterin des ehemaligen Gesundheitsamtsleiters Heinz-Ullrich Koch, der in Ruhestand gegangen ist, die Verantwortung für das (auch für Zweibrücken zuständige) Gesundheitsamt in der Kreisverwaltung Südwestpfalz – zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Amtsärztin. Neben amtsärztlichen Begutachtungen, Hygienebegehungen sowie der Kooperation mit dem sozialpsychiatrischen Dienst und anderen Einrichtungen fungiert sie auch als amtsärztliche Schnittstelle zwischen den Behörden und Ministerien, erklärt die 64-jährige Saarländerin.

Doch über die aktuelle Corona-Lage in der Region Südwestpfalz/Zweibrücken/Pirmasens kann Behr nur wenig sagen, auch wenn die Infektionen noch immer dem Gesundheitsamt gemeldet werden müssen. Der Grund: Nur wer an einer Teststelle oder beim Arzt einen positiven PCR- oder Schnelltest erhält, wird gemeldet. Aber: „Wer geht denn heute noch zum Test?“, verweist Behr auf die gegenwärtige Praxis. Schließlich besteht keine Testpflicht mehr und von Menschen, die privat ein positives Testergebnis erhalten, erfährt die Kreisverwaltung nichts. Eines kann die Medizinerin auch ohne Blick auf die gemeldeten Zahlen mit Sicherheit sagen: „Die Infektionszahlen steigen an“, lautet ihr Fazit.

Im Dezember wurden 138 Corona- und 18 Influenzainfektionen bei der Behörde verzeichnet. Fünf Todesfälle in Zusammenhang mit einer solchen Infektion sind der Behörde bekannt. Im Januar waren es bisher 66 Corona- und 21 Influenzafälle, drei Coronapatienten sind gestorben. Das sage aber nichts über das Infektionsgeschehen in der Region aus, sondern höchstens über die Testhäufigkeit. „Mal testen sie mehr, mal weniger.“

In Einrichtungen wie Altenheimen sei das anders: Seit April vergangenen Jahres führt Behr dort regelmäßig Begehungen durch. Dabei hätten ihr die Leitungen berichtet, dass die Todesfälle durch die Impfungen deutlich weniger und die Krankheitsverläufe milder seien. Im Dezember habe es beim Gesundheitsamt keine Meldung über derartige Krankheitsfälle in Einrichtungen gegeben. Im November waren in einer Einrichtung drei, in einer sechs und in einer anderen zwei Covid-Fälle verzeichnet worden. Eine Person ist mit einer Infektion gestorben. Dort werde auch regelmäßig getestet und die Betroffenen würden direkt isoliert.

Der Verlauf der Corona-Infektionen habe sich verändert: Im Gegensatz zu den früheren Varianten, die vermehrt die Lunge angegriffen haben, verursache eine Variante des Virus, mit der sich aktuell viele infizieren, auch Magen-Darm-Beschwerden, erläutert die Medizinerin und ergänzt: „Eine Infektion mit diesem Subtyp der Omikron-Variante kann auch extreme Müdigkeit, Kopfschmerzen und Lungenbeschwerden zur Folge haben.“

Die Krankheitsverläufe seien dennoch größtenteils harmlos, denn die meisten Menschen hätten eine bessere Immunität bezüglich dieses Erregers, weil sie schon einmal Corona hatten oder geimpft sind.

Die deutsche Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine vierfache Immunisierung für Menschen über 60 oder mit Vorerkrankungen. Als Immunisierung zählt eine Infektion mit dem Corona-Virus oder eine Impfung. Für diese Empfehlung spricht sich auch Behr aus. „Für alle anderen reicht eine dreifache Immunisierung“. Auch eine Impfung gegen Influenza erachtet sie als sinnvoll für Risikogruppen oder Menschen, die mit ihnen arbeiten.

Dass es noch einmal Beschränkungen wegen des Corona-Virus gibt, schließt Behr aus, weil die Impfquote relativ hoch sei. Auf eine Maßnahme will sie aber nicht verzichten: „Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute Maske tragen, zum Beispiel beim Einkaufen oder wenn sie Symptome haben.“ Denn die Maske habe zweierlei Vorteile: sich selbst und andere Menschen schützen.

Neben Corona und anderen Infektionskrankheiten sei auch Fachkräftemangel beim Gesundheitsamt ein großes Thema. „Bei Stellen für Ärzte haben wir Probleme. Das liegt daran, dass sie hier weniger verdienen als beispielsweise in einer Klinik. Das macht die Stellen beim Gesundheitsamt weniger attraktiv.“

Außerdem suche die Behörde IT-Spezialisten. „Wir müssen die vom Bund vorgegebenen Entwicklungsmaßnahmen erfüllen“, sagt Behr. Stichwort Digitalisierung: Terminvergaben, Patientenakten alles soll elektronisch laufen. Außerdem müssen alle 24 Gesundheitsämter im Land seit 1. Januar die gleichen Programme nutzen, das heißt: Einige müssen von einem Fachmann umgestellt werden.

„Dafür brauchen wir dringend Personal“, sagt Behr, die auch verantwortlich für Personalangelegenheiten ist. Außerdem vertritt sie derzeit noch eine Kollegin, die sich in Ausbildung befindet, ergänzt sie. Amtsleitung, Amtsärztin und Vertretung – Behr hat also die Aufgaben von drei Jobs zu erledigen – und das als Beamtin in Teilzeit, die nur drei Tage pro Woche in der Kreisverwaltung ist.

Aus Altersgründen will die 64-Jährige die Leitung des Gesundheitsamtes nicht gänzlich übernehmen. Wann es einen neuen Leiter gibt beziehungsweise wann die Stelle ausgeschrieben wird, sei noch nicht spruchreif, weil noch einige Details geklärt werden müssten. Fest steht für Behr aber schon jetzt: „Sobald sich ein neuer Leiter gefunden hat, werde ich dessen Stellvertreterin sein bis Mai 2025“, sagt sie. Dann geht sie in den Ruhestand.

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