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Gericht: Keine Strafe nach Amok-Drohung in Thaleischweiler-Wallhalben

Gerichtsentscheidung nach Vorfällen in Thaleischweiler-Wallhalben : Verwaltung mit Amoklauf gedroht

Die Drohungen gegen Beschäftigte der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben bleiben straffrei: Das Amtsgericht hat das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt.

Er ist offenbar ein kleiner Wüterich, der schon bei Nichtigkeiten die Fassung verliert und vermeintlichen Widersachern schlimme Dinge androht. Ein 59-Jähriger aus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben musste sich jetzt im Amtsgericht Pirmasens wegen zwei Vorfällen im Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben verantworten, nachdem er gegen einen Strafbefehl über 2100 Euro Geldstrafe Einspruch eingelegt hatte. Die Tatvorwürfe: Störung des öffentlichen Friedens, Bedrohung und versuchte Nötigung.

Demnach soll er Ende Juni 2019 und Mitte November 2020 Mitarbeitern am Sitz der Verbandsgemeinde in Thaleischweiler-Fröschen mit einem Amoklauf und einem der Verwaltungsangestellten damit gedroht haben, ihm „eine Kugel zwischen die Augen“ zu schießen.

Im ersten Fall war die Situation eskaliert, als ihm die Verwaltung die Auszahlung eines Schadensersatzes über 7000 Euro verweigerte. Er hatte der Behörde die Schuld an einem Autounfall seiner Tochter gegeben und Wiedergutmachung verlangt, weil die junge Frau mit ihrem Gefährt in Maßweiler wegen eines von der Kommune angeblich nicht gestreuten Fahrwegs auf schneeglatter Straße an eine Hauswand gerutscht war. Die Verbandsgemeindeverwaltung hatte seine Ansprüche zurückgewiesen und ihn gebeten, sich mit seinem Anliegen an die Ortsgemeinde Maßweiler zu wenden, wo sich der Unfall ereignet hatte.

Doch damit war der Mann offenbar nicht einverstanden und wurde in der Verbandsgemeindeverwaltung vorstellig.

„Er wurde sehr aggressiv, kündigte an, Amok zu laufen, wenn er sein Geld nicht bekommt“, erinnerte sich ein 59-jähriger Angestellter im Zeugenstand. „Die 7000 Euro wollte er in bar mitnehmen.“ Er habe das anfangs gar nicht so ernst genommen. Als der immer wütender werdende Mann dann aber sagte, dass „er mir eine Kugel zwischen die Augen schießen will, hat mir das doch zu denken gegeben“. Später habe er das Geschehene aber „verdrängt“. Angst habe er nicht gehabt, obwohl „ich Familie habe und er ja wusste, wo ich wohne“, sagte der Verwaltungsangestellte auf Nachfrage von Strafrichterin Franziska Bock.

Mitte November vergangenen Jahres fiel der Mann erneut in Thaleischweiler-Fröschen unangenehm auf, als er einer Verwaltungsangestellten drohte, man solle ihn „nicht weiter provozieren“, denn er habe schon einmal einen Amoklauf angekündigt, berichtete die 56-Jährige im Amtsgericht. Dabei sei zu diesem Zeitpunkt eine fehlerhafte Abrechnung, in deren Folge eine Vollstreckung wegen einer offenen Grundsteuerforderung angeordnet war, längst bereinigt gewesen: „Die Kontopfändung war bereits zurückgenommen worden.“ Im Zuge des Vorfalls sei gegen den 59-Jährigen ein Hausverbot ausgesprochen worden.

Durch seinen Verteidiger, den Pirmasenser Rechtsanwalt Dieter Bernhardt, ließ der 59-Jährige erklären, er räume die Vorwürfe ein. Sein Mandant wolle nur den „Kugel zwischen die Augen“-Spruch nicht gemacht haben. Und im Übrigen sei der 59-Jährige ein „sehr impulsiver Mensch“ und das damals Gesagte „in keinster Weise ernst gemeint“ gewesen. Es gehe seinem Mandanten, der von einem Hilfsarbeiterjob lebe, hauptsächlich darum, die Geldstrafe zu reduzieren, zu der er per Strafbefehl verurteilt worden war.

Dem kam Richterin Bock schließlich nach, indem sie auf Antrag der Staatsanwaltschaft und im Einvernehmen mit der Verteidigung das Verfahren gegen den nach eigenen Angaben „mittellosen“ und hoch verschuldeten 59-Jährigen einstellte. Doch ganz ungeschoren wollte sie ihn nicht davonkommen lassen: Die Richterin erlegte ihm auf, 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen.