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Gemeinderat Contwig spendet eigene Kita-Spielgeräte fürs Ahrtal

Weil Kita-Baustelle noch unabsehbare Zeit ruht : Contwig spendet Spielgeräte fürs Ahrtal

Weil die Kita-Baustelle noch für unabsehbare Zeit ruht, hat der Ortsgemeinderat – nach teils kontroverser Diskussion – sich für einen anderen Verwendungszweck entschieden.

Die Not im Katastrophengebiet Ahrtal ist allenthalben groß. Das haben auch Feuerwehrleuten aus Zweibrücken-Land bei ihrer Hilfe vor Ort erfahren. Kurz nach dem von Verbandsbürgermeister Björn Bernhard initiierte Benefizschwimmen gibt es deshalb jetzt eine weitere Spendenaktion für die Hochwasser-Geschädigten: Die Ortsgemeinde Contwig spendet Großspielgeräte, die beim neuen Kindergarten oberhalb der Pestalozzischule hätten aufgebaut werden sollen, aber noch immer beim Hersteller Seibel in Hinterweidenthal lagern. Denn nach den Wasserschäden auf der – deshalb seit anderthalb Jahren ruhenden – Baustelle steht noch in den Sternen, wann die Kita öffnen kann und der Spielplatz dort benötigt wird.

„Spielgeräte für Kindertagesstätte“ lautete die Überschrift des Tagesordnungspunktes, der für reichlich Diskussionsstoff bei der Sitzung des Ortsgemeinderates am Donnerstagabend im SC-Sportheim in Stambach sorgte. Erläuterungen dazu gab es im Vorfeld nicht. Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette (CDU)erinnerte in der Sitzung, dass man für rund 20 000 Euro bei Seibel diverse Wippen, Schaukeln und Kleinspielgeräte erworben hat. Bei einem Gespräch mit dem Firmeninhaber habe sie in Hinterweidenthal auch die bereits bezahlen, aber noch nicht abgerufenen Spielgeräte besichtigt. Diese lagern derzeit unter freiem Himmel. „Das Holz hat schon Patina bekommen, aber das wird ja auch der Fall sein, wenn es beim Kindergarten einmal steht. Ansonsten sind die Geräte funktionstüchtig und ungebraucht“, berichtete die Ortsbürgermeisterin von ihrem Besuch.

Mit dem Unternehmer Seibel ins Gespräch gekommen, sei auch die große Not der Kleinen im Ahrtal ein Thema gewesen. Seibel selbst hatte davon direkt durch einen Dritten erfahren, der als Einheimischer im Ahrtal Landschaftsgestalter ist und über fehlende Spielmöglichkeiten für die Kleinen klagte. Die Idee, jetzt die Contwiger Spielgeräte für die Kinder im Ahrtal zu spenden war somit schnell geboren. Der Unternehmer, so die Ortsbürgermeisterin, brachte sie ins Gespräch.

Bei einer Neubestellung sollte die Ortsgemeinde Contwig einen Rabatt von 10 000 Euro bekommen, Hersteller und Gemeinde also in der Spendensache halbe-halbe machen. Nadine Brinette, selbst Mutter zweier Kinder im schulpflichtigen Alter, fand die Spendenidee spontan großartig, wusste aber, dass dabei die Ratsmitglieder mitspielen müssten, weil das ihren Entscheidungskompetenz übersteigen würde. Vorbeugend hatte sie sich aber schon mal bei der Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung Südwestpfalz kundig gemacht und dort grünes Licht für eine solche Spende bekommen.

Verbandsbürgermeister Björn Bernhard (CDU) sicherte in der Ratssitzung das Prüfen einer Beteiligungsmögllchkeit zu, was aber den Bonus bei der Firma Seibel nicht schmälern würde.

„Was sagt ihr dazu“, war Brinettese Aufforderung zur Stellungnahme – wobei die neue Ortsbürgermeisterin ergänzend zu bedenken gab, dass die jetzt ausgesuchten und erworbenen Spielgeräte schon kreativer hätten ausfallen können, wie sie bei ihren Informationsbesuch selbst habe feststellen können.

Die zunächst greifbare Stille im Ratsgremium durchbrach CDU-Fraktionssprecher Thorsten Sefrin (CDU), der die Idee begrüßte und es gut fand, dass auch schon die Frage nach der Einschätzung bei der Kommunalaufsicht abschließend geprüft sei. Parteifreund Walter Carius wollte sich dieser Meinung nicht anschließen. Es könne noch einige Zeit dauern, bis der Spielgeräteneukauf möglich sei – und dann müssten mit Sicherheit mehr als 20 000 Euro mit Sicherheit hingeblättert werden. Geld habe auch die Gemeinde Contwig nicht zu verschenken. Dieser Einschätzung aber widersprach Thorsten Sefrin prompt mit dem Hinweis, dass das Geld nicht rausgeworfen werden sondern für einen guten Zweck in dem Sinn gespendet wird, so, wie das ja auch beim Benefizschwimmen geschehen sei.

SPD-Fraktionssprecher Volker May, beim Benefizschwimmen mit 46 geschwommenen Bahnen selbst aktiv dabei, begrüßte für sich und die Fraktion die Spendenaktion der Ortsgemeinde.

Herbert Sefrin (FDP) hakte nochmals in der Frage der „Ideengebung“ nach, was Ortsbürgermeisterin Brinette erneut schilderte und meinte: „Ich bin selbst Mama und kann gut nachvollziehen wie es den Kindern im Ahrtal momentan ergeht, wenn die Fluten alles mitgerissen haben.“ Das Versprechen, die Sache im Rat zur Diskussion zu stellen habe sie als Ortsbürgermeisterin gern und voller Überzeugung gegeben. Wissend auch um die weiteren Aktivitäten wie Benefizschwimmen oder Feuerwehreinsätze.

Für David Betz (SPD) war die Diskussion überhaupt befremdend. „Hier wird Menschen in unserem Bundesland geholfen. Wir haben hier eine Katastrophe und wir sind uns zu fein hier zu helfen? Tut mir leid. 10 000 Euro für unsere Gemeinde, da reden wir doch eigentlich von Peanuts vor dem Hintergrund des Helfens bei einer Katastrophe.“

Am Ende der Diskussion beschloss der Ortsgemeinderat bei einer Gegenstimme die Spende der Spielgeräte für eine Gemeinde oder einen Kindergarten im Ahrtal. Der Aufbau wird gleichfalls kostenfrei erfolgen, habe das Unternehmen Seibel zugesichert.