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Gemeinderat Bechhofen misslingt Einigung auf Standort für Kita-Neubau

Jugendliche demonstrieren im Bechhofer Rat für Erhalt der Rollschuhbahn : Patt bei Abstimmung über Kita-Standort

Eine kleine Bürger-Demo für den Erhalt der Rollschnelllaufbahn begleitete die Bechhofer Ratsdebatte über den Standort für den Kita-Neubau. Die Abstimmung muss wiederholt werden.

Weiterhin ungeklärt bleibt die Standortfrage für den zweigruppigen Kita-Neubau auf der Schmittenflur in Bechhofen. Der vorweihnachtliche Wunsch von Ortsbürgermeister Paul Sefrin (CDU) ging nicht in Erfüllung. Derweil am Montagabend im Ortsgemeinderat die CDU-Fraktion von drei Standort-Alternativen den nördlich des Dorfgemeinschaftshauses (in unmittelbarer Nachbarschaft des bestehenden Kindergartens) favorisierte, plädierten SPD und Grüne übereinstimmend für den bei der Juli-Ratssitzung ins Gespräch gebrachten Standort beim alten Gemeindefriedhof. Demonstrationen für den Erhalt der Rollschnelllaufbahn begleiteten die Sitzung zu diesem Beratungspunkt.

Den gordischen Knoten in der Standortfrage zu einem neuen, zweigruppigen Kindergarten mit einer Kostenschätzung von rund 1,2 Millionen Euro vermochten die Ratsmitglieder nicht zu durchschlagen. Dabei hatte Bürgermeister Sefrin fast schon flehentlich um ein Zusammenraufen gebeten, weil die Zeit für den Neubau dränge und junge Familien Planungssicherheit wünschten, dass der Nachwuchs einen Kita-Platz bekommt.

„Es geht heute Abend um eine zukunftsweisende Entscheidung für unseren Ort. Junge Familien wollen wir am Ort halten und ihnen Betreuungsplätze für ihre Kinder bieten. Es wäre sicher wünschenswert, vorhandene Strukturen zu erhalten. Berühren sich allerdings verschiedene Interessen, dann ist es notwendig, Entscheidungen nach Prioritäten zu treffen. Unseren Ort sollten wir zukunftsweisend ausrichten, eine Interessenkollision scheint hier vorprogrammiert zu sein“, stellte Sefrin fest, bevor die Fraktionsführer ihre Meinungen kundtaten.

CDU-Fraktionssprecher Matthias Roos sagte, der Kostenrahmen für einen Neubau mit insgesamt acht Gruppen sei von der Ortsgemeinde finanziell nicht zu stemmen – und der zweigruppige Kita-Neubau damit alternativlos. Der Empfehlung des Bauausschusses wie aller Fachkräfte zusammen mit der Kommunalaufsicht trage die CDU-Fraktion nach reiflichem Abwägen Rechnung. Nördlich des Dorfgemeinschaftshauses soll die neue Kita an der Dorfstraße Schmittenflur errichtet werden. Die „Rollschuhbahn“ bleibe erhalten und könnte weiter genutzt werden. Das Heranrücken an die vorhandene Kindertagesstätte sei aus Sicht der Kita-Leitung mit Team nachvollziehbar.

Anders die Einschätzung der SPD-Fraktion. Sprecher Bernd Knerr sah mit dem bei der Juli-Ratssitzung ins Gespräch gebrachten Standort beim alten Friedhof die bessere Lösung. Die „grüne Wiese“ beim Dorfgemeinschaftshaus gelte es unbedingt zu erhalten. Gleiches gelte für die Rollschuhbahn. Bernd Knerr erinnerte an die mannigfache Nutzung dieser Anlage, die einmal in Deutschland die erste ihrer Art gewesen sei. Zudem befürchtet die SPD-Fraktion, dass es allein bei er Erweiterung Kindergarten nicht bleibt: Auch die benachbarte Grundschule stoße an ihre Kapazitätsgrenze. Für den Standort „Alter Friedhof“ würde es zudem weitere Fördergelder geben – die SPD-Fraktion habe sich dieserhalb schlau gemacht. Was das Planen angehe, müssten sich die Planer halt Gedanken machen.

Im Erhalt der Rollschuhbahn sieht Tim Scherer von den Grünen einen Teil der sozialen Struktur des Ortes. Ein Platz, wo sich Kinder, Jugendliche und Rollsportler träfen. „Das ist kein toter Fleck. Hier treffen sich Kinder und Jugendliche, hier werden Feste veranstaltet. Der Platz ist ein Teil der sozialen Struktur unserer Gemeinde. Wenn hier gebaut wird, dann ist ein Teil der sozialen Resonanz hier in Bechhofen zerstört!“ Auch Scherer blickte zurück und fand: „Wenn wir in der Juli-Sitzung nicht darauf gepocht hätten nochmals alles aufzurollen und zu besprechen, dann hättet ihr (CDU-Fraktion) die Bebauung der Rollschuhbahn beschlossen!“ Mit einem Kita-Neubau am alten Dorffriedhof gebe es eine passende Alternative, zumal dort kein Bereich beansprucht wird, der einmal für die Beisetzungen genutzt wurde. Auch bei einem Kindergarten sei eine Zweistöckigkeit möglich und von den Kosten machbar.

Altbürgermeister Volker Schwarz (SPD) erhielt Rederecht und brach eine Lanze für das Zentrum beim Dorfgemeinschaftshaus. Geld dürfe keine Rolle spielen, das sei an anderer Stelle mit beiden Händen zum Fenster rausgeworfen worden.

Markus Lunk (CDU) sah überhaupt keine Gefahr für das Dorfgemeinschaftshaus, noch würde durch einne Kita-Neubau nördlich des Dorfgemeinschaftshaus eine „soziale Struktur“ im Ort angeknackst.

Patt endete die Abstimmungssituation mit 8:8 Stimmen dann jeweils bei den Standorten nördlich des DGH und beim „Alten Friedhof“ – damit muss der Rat in naher Zukunft erneut abstimmen. Einig waren sich alle nur darin, dass mitten auf die Rollschuhbahn nicht gebaut wird. Eine solche Überlegung ist vom Tisch.