1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Ganz und gar kein „Sproochegewirr“

Ganz und gar kein „Sproochegewirr“

Die „Pälzer Schbrooch“ stand diesmal beim Kleinbundenbacher Bürgertreff im Mittelpunkt. Fritz Stucky wusste vieles über die unterschiedlichen Dialekte zu berichten. Vergessene Lehnworte gehörten dazu.

In die Geheimnisse des pfälzischen Dialekts weihte Friedrich Stucky jüngst die fast 30 Besucher des örtlichen Bürgertreffs in Kleinbundenbach ein. Das "Pälzisch als Weltschbrooch" lautete sein Vortrag. Seit gut einem Jahr organisiert der Landfrauenverein jeden ersten Donnerstag im Monat in den neu geschaffenen Räumlichkeiten des Dorfgemeinschaftshauses mit viel Erfolg diese Zusammenkunft. Friedrich Stucky, in den bundesrepublikanischen Sprachregionen herumgekommen, zeigte vor einer interessierten und neugierigen Zuhörerschar auf, warum das "Pälzisch" sogar eine "Weltschbrooch" ist.

Er erinnerte daran, dass die Muttersprache, der regionale Dialekt, bei dem einen oder anderen Zeitgenossen vielleicht verpönt sein mag. Doch an der Feststellung, dass die mundartliche Sprache eine Wiese mit vielen bunten Blumen in der Sprachlandschaft sei, ließ er keine Zweifel aufkommen. Stucky ist ein Verfechter des Dialektes und lässt keine Gelegenheit aus, gerade für das "Pfälzisch" zu werben. Warum der Dialekt gar einmal Weltsprache gewesen sein soll, konnte Friedrich Stucky den Zuhörern plausibel mit den Erkenntnissen von Paul Münch erklären.

Dichtender Schulmeister

Der dichtende Schulmeister habe das "Pälzisch" über alles geliebt, und seine gebundene Gedichtsammlungen hätte in den Haushalten früherer Zeit stets einen festen Platz neben der Bibel gehabt, so Friedrich Stucky. Paul Münch war der Zuhörerschar aber ganz und gar kein Unbekannter und dass die Weltachse im Pfälzerwald bei Johanniskreuz "geschmiert" wird, wie das Paul Münch einmal beschrieb, hatten die Zuhörer gleichfalls sofort parat.

Vom "Welchsschmeere" und dem "babylonische Schbroochegewirr" erzählte Stucky und las aus Münchs Werken die passenden Passagen, wie etwa: "denn wenn die Leid sich net verschdehn - kanns met de Arwed ned vorwärts gehn", zur Erheiterung aller vor.

Den Ursprung der Dialektbildung beleuchtete Friedrich Stucky ausführlich, garnierte seine Ausführungen mit bajuwarischem Dialekt und passenden Flüchen. Dass die Schwaben selbst in ihrer Dialektsprache sparsam sind, konnte Stucky mit Wortbeispielen belegen, und neben der schwäbisch-alemannischen Sprachverwandtschaft beleuchtete Dialektfan Stucky auch den moselfränkischen Dialekt. Friedrich Stucky präsentierte zum Abschluss seines informativen, unterhaltsamen Vortrags noch eine Besonderheit: Worte und Begriffe, die heute selbst im pfälzischen Dialekt nicht mehr zu den ganz gebräuchlichen Umgangsworten zählen.

Allerdings, beim Wörterquiz wurden die Bedeutungen doch schnell gefunden, mit großem Eifer waren alle dabei und nur ganz selten musste der Fragestelle den Bedeutungsschleier lüften. Die Wortpalette ist groß gewesen, reichte vom "Bimse", das für "Eintrichtern" steht, bis hin zum "eindarmigen Kerl", dem "bruzzig sein" oder dem "Schinoos", wie eine leicht durchgedreht weibliche Person früher oft genannt wurde. Bei den Bürgertreffs sind es seit gut einem Jahr die Landfrauen, die für die Organisation und Bewirtung sorgen. Zum Bürgertreff sind alle Dorfbewohner eingeladen.

Brigitte Straube: "Wir holen ältere Dorfbewohner auch gern daheim ab." Den monatlichen Treff sollten alle nutzen, um zu erzählen und einfach Freude zu haben. Am letzten Donnerstag jedenfalls war das ganz und gar der Fall.