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Frauenpolitischer Empfang der Landrätin: Für die Hälfte des Mitspracherechts

Frauenpolitischer Empfang der Landrätin : Für die Hälfte des Mitspracherechts

(cvw) Vorbild sein, Beispiel geben, junge Frauen an die Hand nehmen – dazu ermutigte Susanne Ganster bei ihrem frauen-politischen Neujahrsempfang in der Verbandsgemeinde Pirmasens mehr als 40 engagierte Frauen bis nach Zweibrücken.

Das waren dreimal so viele wie im vergangenen Jahr.

Die Landrätin stellte fest, dass bei allen erreichten Fortschritten der Frauenanteil in der Politik nach wie vor verbesserungswürdig sei. Nur jeder zehnte Bürgermeister im Landkreis ist weiblich, unter 46 Landräten im Land sind gerade einmal acht Frauen. Familie, Haushalt, Beruf und politisches Engagement seien nach wie vor schwer vereinbar, vermutet sie als Ursache für die Zurückhaltung der Frauen. Und vielfach der Zweifel, einer Aufgabe gewachsen zu sein. „Nehmt die Jungen Frauen an die Hand, lasst sie euch durch euren Arbeitsalltag begleiten“, ermutigte sie politische Kolleginnen jeder Couleur und interessierte Netzwerkerinnen, den Girls-Day am 26. März zu nutzen. Dabei gelte es auch, ehrlich zu thematisieren: „Wo stoße ich an meine Grenzen?“ „Männer tun das selten. Die glauben, sie haben keine“, bemerkte die Landrätin.

Frauen in ihrer Arbeit zu vernetzen ist eines der Hauptanliegen von Susanne Ganster. Frauen mit der Politik und Frauen in der Politik – und darüber hinaus. Beim ersten Frauenkongress 2019 in Mainz stellten sich dieselben Fragen wie auf Lokalebene: Was hindert Frauen, sich erstens zur Wahl zu stellen und zweitens, gewählt zu werden? Männer nominierten gewöhnlich Männer, also müssten die Frauen selbst aufstehen. Im Zeitalter digitaler Medien plädierte die Landrätin dafür, die körperliche Präsenz von Frauen bei Sitzungen zu hinterfragen. Lassen sich diese auch digital abhalten? Braucht es eine andere Uhrzeit, etwa für Mütter schulpflichtiger Kinder? Ziel sei es, dass „Frauen nicht nur die Hälfte der Gesellschaft, sondern auch die Hälfte des Mitspracherechts“ bekleiden.

Susanne Morsch, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Südwestpfalz, stieß in dasselbe Horn. Vor allem sollten sich Frauen mit ihren Leistungen in der Öffentlichkeit sichtbarer machen. „Lassen Sie den Funken überspringen. Sich (polititsch) engagieren: Das funktioniert und das macht auch Spaß“, ermunterte sie die anwesenden amtierenden und ehemaligen Ortsvorsteherinnen aus dem Landkreis und weitere, engagierte Frauen. Noch immer verdienen Frauen in Deutschland für dieselbe Leistung 21 Prozent weniger als Männer, obwohl Frauen und Männer nach Paragraf drei, Artikel zwei im Grundgesetz gleichberechtigt sind.

Nicht nur die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und (politischem) Engagement trieb die Frauen im anschließenden Austausch um. „Frauen in der Politik sind nicht gerne gesehen“, stellte Silvia Seebach als einige der wenigen Bürgermeisterinnen (Pirmasens-Land)  in den Verbandsgemeinde fest. Die Juristin weiß aus eigener Erfahrung: In anderen Berufen herrscht diesbezüglich weitaus mehr Offenheit. Ute Klein, langjährige Ortsvorsteherin von Althornbach, schaut nach vorne. Gemeinsam mit der Zweibrücker Autorin und Lehrerin Sarina Keller (Herzog Wolfgang Realschule plus) denkt sie darüber nach, „wo wir junge Frauen an die Hand nehmen und zu ihrem Engagement ermutigen können“.