Freiheit auf der Straße

Zweibrücken. "Das Fahren gibt mir unheimlich viel Kraft und ein Freiheitsgefühl." Die Zweibrückerin Doris Schuh fährt seit März als Kurierfahrerin Lieferungen und Pakete an die verschiedensten Orte in Westeuropa. Die 53-Jährige ist seit 2001 aus gesundheitlichen Gründen berentet. Anfang des Jahres hat sie nach einem Nebenjob gesucht. "Ich wollte mir etwas dazuverdienen

Zweibrücken. "Das Fahren gibt mir unheimlich viel Kraft und ein Freiheitsgefühl." Die Zweibrückerin Doris Schuh fährt seit März als Kurierfahrerin Lieferungen und Pakete an die verschiedensten Orte in Westeuropa. Die 53-Jährige ist seit 2001 aus gesundheitlichen Gründen berentet. Anfang des Jahres hat sie nach einem Nebenjob gesucht. "Ich wollte mir etwas dazuverdienen. Zudem wäre mir zu Hause langsam die Decke auf den Kopf gefallen." Als sie die Stelle beim Kurierdienst entdeckte, wollte sie es einfach ausprobieren. "Ich habe keine Angst vor langen Strecken oder nachts alleine zu fahren", sagt sie, "am Anfang habe ich mich als Frau wie ein Exot gefühlt. Aber mittlerweile ist es ganz normal." Seit einem halben Jahr ist sie nun immer wieder auf den Straßen quer durchs Land unterwegs. Ob Wiesensee, Mühlhausen, Grimma, Leipzig, Dresden, Frankfurt oder Regensburg, quer durch Österreich, Belgien, Frankreich oder Italien - Doris Schuh weiß dabei häufig nicht, wo sie am Ende rauskommt. "Man muss absolut spontan sein", sagt die ehemalige Hauswirtschaftsmeisterin. Denn es gibt verschiedene Arten von Fahrten: "Einmal fahre ich von A nach B und wieder zurück. Dann gibt es aber auch die Fahrten, bei denen man Pakete am ersten Zielort abliefert, dort wieder neue auflädt und an einen ganz anderen Ort bringt." Es sei nicht ungewöhnlich, unterwegs vom Chef angerufen zu werden, ob man noch eine weitere Lieferung in der Umgebung abholen könne. "Diese Fahrten finde ich interessanter", betont Schuh, "es ist morgens nur klar, dass es abends nicht nach Hause geht, aber wie lange ich unterwegs bin und wo es mich hinführt, weiß ich nicht. Man lässt sich einfach überraschen." Da kann es auch passieren, dass man drei, vier Tage am Stück unterwegs ist. "Ich nehme jedes Mal genug Kleider mit", erzählt Schuh, "wenn ich übernachten muss, dann schlafe ich im Auto. Ich stelle mich an eine Raststätte und dusche auch dort." Hotels gingen auf eigene Kosten, das lohne sich nicht. Bei den Fahrten wird Schuh für die zurückgelegte Strecke bezahlt - sieben Cent pro Kilometer. "Staus oder sonstige unvorhersehbaren Ereignisse werden nicht berechnet - das ist das Risiko, das man hat", erklärt die Zweibrückerin. Aber ihr mache das nichts aus.Neben den Lieferungen bleibt auch mal Zeit, Orte und Landschaften zu erkunden. "Häufig mache ich Fahrten nach Paris. Man liefert Pakete ab und fragt sich, wo ist eigentlich der Eiffelturm", sagt die 53-Jährige, "einmal habe ich nachts ins Navigationssystem einfach den Eiffelturm eingegeben, bin zwei Stunden eher los gefahren als nötig und hab ihn mir aus nächster Nähe angesehen". Die Zeit sollte man sich ab und zu mal nehmen. "Solange man die Termine einhält, ist das kein Problem."