1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Fischerfest und Kerwe in Dietrichingen

Ich lebe gerne in Dietrichingen : Lebenswert, liebenswert und feierlaunig

In Dietrichingen herrscht Wohlfühlatmosphäre, besonders auch bei Fischerfest und Kerwe.

Wer erinnert sich nicht noch gerne an die Zeiten, an denen das Dietrichinger Frühlingsfest in der ganzen Umgebung ein Höhe- und Anziehungspunkt in Sachen Feierlaune war? Die mehrtägige Festivität in einem riesigen Zelt auf der „Dietrichinger Wiesen“ wurde regelrecht zu einem Mekka der Volksmusik- und Schlagerfreunde. Die „Original Trualbtaler“, die in den 70er Jahren aus einer Laune heraus entstanden und mit ihren Schuhplattlern sogar die ganze Welt bereisten, zeugen vom Einfallsreichtum der Einwohner des 400-Seelen-Ortes.

Bert Fritzenwanker und Burkhard („Burgi“) Zahn waren damals die Initiatoren der volkstümlichen Musikszene mit Gaudi-Faktor, die 20 Jahre lang Bestand hatte. Heute, im gesetzteren Alter, kann Burgi Zahn zwar nicht mehr die Beine ganz so hoch schwingen, den Schelm im Nacken hat er allerdings immer noch. Als Vorsitzender des Angelsportvereins Dietrichingen ist er beim jährlichen Fischerfest nicht zu überhören, wenn es beispielsweise um eine Fischversteigerung, oder auch einfach nur um die Preise einer Tombola geht. Burkhard Zahn ist dabei immer noch ein nicht wegzudenkender Teil des Ganzen und seine „Moderationskünste“ legendär.

Beim diesjährigen Fischerfest hatte sich die Truppe des Angelsportvereins etwas Besonderes einfallen lassen. Dem amerikanischen Signalkrebs, der sich die schöne Trualb, die Dietrichingen umfließt, zu eigen macht und sowohl andere Krebse als auch Fischarten verdrängt, wurde in einer konzertierten Aktion auf den Leib gerückt und etwa 2500 Exemplare aus dem Bach gefischt. Die Krebse schaden zwar dem Artenreichtum im Gewässer, allerdings nicht dem Magen der Besucher des Fischerfestes. Kurzum: In die Pfanne damit, umgerührt und eine riesige Schüssel Paella mit rosa Krebsfleisch aus eigenem Gewässer serviert. Das kam super an auf dem Festplatz am Brunnen und das spanische Pfannengericht mit Dietrichinger Zutaten hatte im Nu seine Abnehmer gefunden, denen es auch hervorragend mundete. So kann Gewässerinstandhaltung auch mal zum körperlichen Wohlbefinden beitragen. Natürlich hatte das Fischerfest auch viele andere Spezialitäten rund um die Wasserbewohner zu bieten.

Das Fischerfest ist vorbei und die Kerwe steht in Dietrichingen bevor. Wieder ein Ereignis, auf das sich die Dorfgemeinschaft freut. Es wird von der Straußjugend organisiert. Leonie Freyer, Kiara Kiefer, Veronique Börschlein, Jan Börschlein, David Finger, Noah Finger, Julian Dilger, Joana Funke, Katharina Berger, Luca Stegner, Julia Stegner, Pascal Freyer, Johanna Henner und Kian Abbosh sind im Moment noch voll in der Planung, damit am dritten Oktoberwochenende (18. bis 22. Oktober) alles reibungslos über die Bühne oder besser gesagt durchs Dorf geht. Das bedeutet dann von Freitag bis Dienstag „Remmidemmi“ im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) und in der „Dorfschänke“ gleich nebenan. Kurze Wege also, um die „Veranstaltungsorte“ zu erreichen oder hin und her zu pendeln. Was geht ab?

Der Freitag kommt im DGH, wie es sich im Herbstmonat auch gehört, mit einem Oktoberfestabend mit bayrischen Schmankerln, zum Beispiel Haxen, Weißwürsten und Obazda. Gleichzeitig wird dort der Kerwestrauß fertig geschmückt und die Kerwe ausgegraben. Danach ist Live-Musik bis in die Morgenstunden angesagt. Am Samstag trifft man sich in der Dorfschänke zum fröhlichen Beisammensein und Genießen der Spezialitäten des Hauses, die mannigfaltig sind. Der Sonntag beginnt mit einem Frühschoppen in der Dorfschänke, gefolgt vom Kerwe-Umzug der Straußjugend durchs Dorf und der „Kerweredd“ um 15 Uhr am DGH.

Nach Kaffee und Kuchen wird wieder das Haus gewechselt und in der Dorfschänke mit einer „Kerwesause“ weitergemacht. Montag ist Spieltag in der Dorfschänke. Beim Frühschoppen widmet man sich dem Kartenspiel und freut sich schon auf Leberknödel, Bratwürste und Sauerkraut, die es, neben anderen Spezialitäten, zum Mittagessen gibt. Am Dienstag verabschieden sich die Dietrichinger dann von der Kerwe, zunächst ab 17 Uhr beim Heringsessen in der Dorfschänke und dann beim offiziellen Kerwe-Begräbnis der Straußjugend.

Bürgermeisterin Ulrike Vogelgesang beim Schaufeln in  der riesigen Paella-Pfanne. Foto: Volker Baumann
Ich lebe gern in Dietrichingen Foto: SZ/Müller, Astrid
Dietrichingen, eingebettet in die Natur. Foto: Volker Baumann
Weithin beliebt ist das Fischerfest, nicht nur wegen der kulinarischen Spezialitäten. Foto: Volker Baumann

Die neue Ortsbürgermeisterin Ulrike Vogelgesang und auch die Straußjugend fühlen sich mit ihrem Ort stark verbunden. „Wir sind Dietrichinger. Wir leben hier, wo wir direkt mit der Natur verbunden sind und es rundherum wunderbare Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten gibt, sehr gerne – das ist Heimat“, sagt die Orts-Chefin. Noch was: Bereits am 6. Oktober (Erntedankfest) laden die Landfrauen im Dorfgemeinschaftshaus zum Brunch ein, bevor um 14 Uhr ein Erntedank-Gottesdienst gefeiert wird. bav