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Feldhase gefunden - Tierauffangstation Maßweiler

Feldhase gefunden - Tierauffangstation Maßweiler : Kleiner Feldhase allein in der Wiese

Schüler haben am Montag in einem Park einen kleinen Feldhasen gefunden und mitgenommen. Inzwischen ist er in der Tierauffangstation in Maßweiler. Doch das hätte nicht sein müssen.

Nicht immer benötigen Wildtiere menschliche Hilfe, nur weil sie augenscheinlich verlassen und ohne Elterntier oder Geschwister aufgefunden werden. Das zeigt wieder ein aktueller Fall der Tierauffangstation in Maßweiler. Ein kleiner Feldhase wurde am vergangenen Montag zu „Tierart“ gebracht. Lehrer und Schüler hatten ihn bei einem Ausflug in einer Parkanlage gefunden und mitgenommen.

Da das Tier beim Näherkommen nicht davon hoppelte, dachten sie, es sei verletzt. „Dabei ist dieses Verhalten des kleinen Feldhasen absolut normal“, wie Eva Lindenschmidt, stellvertretende Betriebsleiterin der Tierauffangstation in Maßweiler, erklärt. „Viele junge Wildtiere werden die meiste Zeit des Tages von ihren Müttern alleine zurückgelassen. Meist befindet sich die Mutter aber ganz in der Nähe auf Nahrungssuche und kehrt in regelmäßigen Abständen zum Säugen des Nachwuchses zurück. Auch dass junge Wildtiere nicht weglaufen, wenn sich Menschen nähern, sondern ganz ruhig an Ort und Stelle verharren, ist nicht ungewöhnlich. Ein Rehkitz, das sich duckt und regungslos liegen bleibt, möchte sich so vor Fressfeinden schützen und ist nicht etwa zwingend krank oder geschwächt. Die Mutter kommt alle paar Stunden zum Säugen und entfernt sich rasch wieder, um keine Aufmerksamkeit auf das Jungtier zu lenken.“

Vorschnelles Handeln und unnötiges Einsammeln hat gerade bei den hoch empfindlichen Feldhasen oft schlimme Folgen. Eva Lindenschmidt erklärt: „Die Aufzucht der Feldhasen ist schwierig, auch für fachkundige Menschen. Die Jungtiere haben schnell Probleme mit der Verdauung und mit Infektionen.“

Der kleine Hase wurde am Montag zunächst vom Park bis in die Schule getragen, wo er bis zum Unterrichtsschluss verblieb. Ein Schüler nahm ihn schließlich mit nach Hause. Nach einem Tierarztbesuch stellte sich heraus, dass er keine Verletzungen hat. „Erst am späten Nachmittag kam das 117 Gramm kleine Baby nach einer sehr stressigen Odyssee endlich zu uns“, erzählt Eva Lindenschmidt.

„Wir hoffen, dass er es schafft. Deshalb kann ich nur an alle appellieren, die Hasenbabys im Gras zu belassen.“ Im Übrigen sei es ein Irrglaube, dass die Tiermutter ihr Kind nach der Berührung durch den Menschen verstoße. „Das würde sich für das Tier auch gar nicht lohnen. Es hat bereits so viel Energie in die Aufzucht gesteckt, dass eine bloße Berührung der Mutter-Kind-Bindung nicht gleich schadet. Wir haben auch schon erfolgreiche Rückführungen des Kindes zur Mutter erlebt, aber im Fall unseres kleinen Feldhasen ist einfach zu viel Zeit verstrichen. Und ob der tatsächliche Fundort noch mal ausgemacht werden kann, ist ebenfalls fraglich. Deshalb unser Appell: Lasst das Wildtier bitte an Ort und Stelle, wenn es keine offensichtlichen Verletzungen hat, geschwächt oder krank aussieht und kontaktiert im Zweifel zunächst eine fachkundige Stelle, bevor Ihr selbst handelt. Das Entnehmen von Wildtieren aus ihrer natürlichen Umgebung ohne wichtigen Grund ist übrigens verboten und kann als Wilddiebstahl gewertet und entsprechend bestraft werden.“