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Familie Rubly trägt Pferdewissen nach China

Familie Rubly trägt Pferdewissen nach China

Andreas Rubly pflegt seit einiger Zeit enge Kontakte mit Reiterfreunden aus China. Dort stecken Reitsport und Pferdezucht noch in den Kinderschuhen. Der Kleinbundenbacher fühlt sich dabei als eine Art „Geburtshelfer“, wie er selbst sagt.

"Take the Trense for ,Federweiße'", fordert Pferdewirtschaftsmeister Andreas Rubly auf. Geschickt greift der junge Mann aus China nach dem Kopfstück und legt es der Stute mit dem hübschen Namen mit geübten Händen an. Andy, wie sich Peng Liang hier in Deutschland nennt, verbringt bereits zum zweiten Mal drei intensive Lernmonate bei Familie Rubly und im Landgestüt Zweibrücken. Der 19-Jährige arbeitet in einem großen Reit-Club in China als Bereiter. Allerdings steckt in China der Reitsport noch in den Kinderschuhen, so dass sich seine Leistungsfähigkeit deutlich von der eines deutschen Pferdewirts unterscheidet. Noch, denn in Bezug auf Ehrgeiz und Hartnäckigkeit seien uns die Chinesen weit voraus, erklärt Rubly.

Und: China ist ganz groß im Kommen, was europäische Lebensweise angeht, dazu gehört neben dem großen Interesse an Wein und Weinbau auch das Thema Pferd, reiten und züchten. Ein Potential für Weltführer Deutschland, das Andreas und Sandra Rubly bereits vor einigen Jahren erkannten. Immerhin die meisten der international erfolgreichen Pferde im Hochleistungssport sind deutscher Abstammung.
Reitclub von Mister Gu

2012 präsentierte sich der Zucht- und Ausbildungsstall auf Chinas einziger, dafür riesengroßen, Pferdemesse in Peking. Sofort entstanden wichtige Kontakte. Andreas Rubly war schon neunmal im Reich der Mitte, um Deutsches Know-how in die als Reit-Club bezeichneten, großen Reitanlagen zu tragen. Eine davon liegt in Hunan, ganz im Osten am Meer und gehört Mister Gu, wie Rubly ihn nennt. Andy gehört dort zu den fünf Bereitern, die die Pferde der privaten Einsteller, aber auch von Gu selbst unter seiner Anleitung trainieren, und Reitunterricht erteilen. Letztes Jahr war mit Cynthia eine Kollegin von Andy bei Rublys und bestand die Ausbildung zur Besamungstechnikerin im Landgestüt.

Andy durchläuft hier quasi eine Ausbildung, begleitet den kompletten Tagesablauf im Reitstall mit füttern und putzen, longieren, reiten und Unterricht erteilen.

Mit einer Mischung aus Englisch, Pferde-Deutsch und ein paar Brocken chinesisch, die sich Rubly mittlerweile angeeignet hat, klappt die Kommunikation recht gut. Da Mister Gu alle seine Schüler ins Landgestüt schickt, hat er mit der sechsjährigen Stute "Federweiße" ein eigenes Pferd hier stehen, das von Rublys ausgebildet und trainiert wird. Ziel ist es, dass seine Reiter in zwei Jahren an einem großen chinesischen Wettbewerb teilnehmen können. Bis dahin heißt es, fleißig trainieren. Rubly staunt jedoch, welche Fortschritte die chinesischen Reiter in kurzer Zeit erzielen. "Sie studieren akribisch die Videos, die sie hier aufnehmen, von sich, von uns und lernen daraus", erklärt er. Auch hier hat Andy große Fortschritte gemacht und kann jetzt so viel, wie ein Auszubildender im zweiten Lehrjahr, so dass er schon selbstständig arbeiten kann. "Jetzt wäre er soweit, auch auf einem Turnier zu starten", bedauern sein Ausbilder und er, dass er wegen seines auslaufenden Visums zurück nach China muss.

Dafür kommen Kollegen nach Deutschland, und auch Rubly fliegt dieses Jahr noch einmal hinüber, um den Standard im Reit-Club verbessern zu helfen. Er lächelt: "Ich sehe mich als eine Art Geburtshelfer ."