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Evangelische Kirchengemeinde Hornbach Daniel Seel

Ortsgemeinde und Klosterhotel profitieren : Ein Flügel für den kulturellen Weitblick

Um die Kirchengemeinde über die musikalische Kunstschiene fit für die Zukunft zu machen, hat die evangelische Kirchengemeinde Hornbach in einen Flügel investiert. Über Benefizkonzerte und Spenden soll das Instrument finanziert werden.

Andächtig, fast zärtlich, öffnet Pfarrer Daniel Seel den Deckel des neuen Flügels und stellt ihn auf. Behutsam schlägt er die ersten Töne an, doch bald schon huschen die Finger des studierten Musikers und Komponisten über die Tasten und fluten den Raum der protestantischen Klosterkirche mit Musik. Welch ein Klang! „Unser Kantor Benedikt Schwarz und ich haben lange gesucht, bis wir doch zu diesem Flügel zurückgekehrt sind, den wir als ersten ausprobiert haben“, berichtet er. Das Instrument der Firma Boston, ein Ableger des berühmten Flügelherstellers Steinway, erfüllt laut Daniel Seel genau die Anforderungen der Hornbacher Gemeinde: Er ist nicht zu groß, leicht zu spielen, hat einen wunderbaren, glasklaren und facettenreichen Klang, der sowohl für Gottesdienste als auch Konzerte geeignet ist, und war im Preis-Leistungs-Verhältnis zudem ausgesprochen günstig.

15 000 Euro hat die Gemeinde investiert. Ein Betrag, den der Flügel neben reinem Sponsoring und Spenden über Benefizkonzerte zu seinen Gunsten selbst wieder einspielen soll. Aus eigenen Kräften könne die Kirchengemeinde das Geld nicht aufbringen, ohne Abstriche in anderen, wichtigen Feldern der überaus lebendigen Gemeindearbeit in Hornbach und Umgebung vornehmen zu müssen. „Mein Wunschtraum ist, dass der Flügel noch in diesem Jahr vollständig bezahlt ist“, bemerkt der musikalische Pfarrer.

Warum braucht eine Kirchengemeinde ein solches Instrument? Diese Frage wurde auch im Presbyterium lange diskutiert. „Der Flügel ist eine Investition in die Zukunft der Gemeinde“, klärt der Pfarrer auf. Mit traditionellen Gottesdiensten seien zunehmend weniger Menschen für den Kirchgang zu begeistern. Moderne Gottesdienste, die auch zeitgemäße Musik und Kultur mit einbinden, fänden hingegen Zulauf. „Damit lassen sich auch jüngere und junge Menschen motivieren“, weiß der Pfarrer nicht nur von der intensiven Jugendarbeit in der Klosterstadt.

Der Flügel dient nicht nur der Kirchengemeinde, sondern zugleich der Ortsgemeinde und auch dem Tourismus. Gemeinsam mit dem benachbarten Hotel Kloster Hornbach, hat die Gemeinde ein neues Andachtsformat aufgelegt, für die Hotelgäste wie für Einheimische. Unter dem Motto „Wort und Klang, Mensch und Gott“, können sie ab 5. April jeden Freitagabend um 18.30 Uhr zum entspannten Ankommen nach der Anreise oder im Wochenende zu sich selbst finden und eine meditative halbe Stunde miteinander erleben. Geplant ist jeweils ein kurzes Konzert, das der Musikerpfarrer selbst spielt, etwa als Bach-, Mozart- oder Debussy-Zyklus, gefolgt von einem kurzen geistlichen Impuls.

Jeden Monat soll ein hochkarätiges Konzert Musikliebhaber, Gläubige, Hotelgäste und Touristen, Einheimische und Fremde in der Klosterkirche erfreuen. „Kirche als spiritueller Kunstraum“, skizziert Daniel Seel die Idee, die auch von der Ortsgemeinde begrüßt wird. „Das Presbyterium steht einstimmig voll und ganz dahinter. Anders hätte es auch keinen Sinn gemacht“, freut sich Daniel Seel.

Das Konzertprogramm für 2019 steht bereits. Ist der Flügel finanziert, werden von den Einnahmen die Kasse der Kirchengemeinde unter anderem für die Jugendarbeit aufgebessert und hochkarätige Musiker auch aus einem weiteren Umkreis für außergewöhnliche Konzerte bezahlt. In diesem Jahr sponsern befreundete, international erfolgreiche Musiker-Kollegen von Daniel Seel und auch das Ehepaar Lösch vom Kloster Hornbach die Konzerte.

Nach dem erfolgreichen Konzertauftakt von Pastor Daniel Seel im März, zu dem mehr als 100 Besucher kamen, gastiert am Samstag, 6. April um 17 Uhr, der weltberühmte Pianist Oliver Kern in Hornbach.