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Biodiversitäts-Projekt: Es blüht, summt und flattert

Biodiversitäts-Projekt : Es blüht, summt und flattert

Erste Ergebnisse des Biodiversitätsprojekts auf der Gemarkung Contwig.

Für den langjährigen Vorsitzenden des Nabu Zweibrücken, Gerhard Herz, grenzte es an ein Wunder, was auf zwei Flächen auf der Gemarkung Contwig in den letzten eineinhalb Jahren passiert ist: „Da ist in kurzer Zeit aus einem Acker ein breiter Blumenflor voller Insekten und Schmetterlinge entstanden.“ Der Nabu und der Bio-Geograph Christian Guth legten jetzt den ersten Ergebnisbericht des Biodiversitätsprojekts auf zwei Flächen der Contwiger Gemarkung vor.

Hintergrund ist der Rückgang der Insekten. In Fachzeitschriften und von Naturschützern werde schon länger auf die Problematik hingewiesen. „Aber es war kein Thema in der Öffentlichkeit“, beklagte Herz bei dem Pressegespräch. Erst mit dem Beispiel, wie oft sie bei längeren Autofahrten die Scheiben reinigen mussten im Vergleich zu früheren Jahren, seien die Angesprochen nachdenklich geworden.

Doch was tun? Diese Frage stellte sich auch die Daniel-Theysohn-Stiftung. „Der Schutz und der Erhalt unserer Umwelt haben wir schon immer zu unserer Aufgabe gemacht“, sagte der Stiftungs-Vorstandsvorsitzende Gerhard Andreas. Deshalb suchte die in Ludwigswinkel beheimatete Stiftung eine Möglichkeit, die Artenvielfalt in der Natur zu erhöhen. Als Partner fand die Stiftung, die das auf fünf Jahre angelegte Projekt mit 30 000 Euro unterstützt, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Südwestpfalz, den Nabu Zweibrücken sowie den Landwirt Rolf Lehmann.

„Mir war es wichtig, dass ein konventioneller Landwirt beteiligt ist“, sagte Arno Sprau von der Naturschutzbehörde des Kreises. Ein anfängliches Misstrauen zwischen den Naturschützern und dem Landwirt habe sich inzwischen erledigt. „Das Projekt maht Spaß“, sagte Lehmann. Es sei spannend was auf den beiden 2,6 und 3,2 Hektar großen Äckern Auf dem Hahn und auf dem Gödelsteiner Hang passiert. Die Reaktion seiner Kollegen auf das Projekt sei „durchwachsen“ gewesen, sagte Lehmann.

Im April 2018 säte Lehmann auf den umgepflügten Ackerflächen einen zwölf Meter breiten Randstreifen eine Saatmischung ein. Der Innenbereich wurde sich selbst überlassen (wir berichteten). „Da ist mir wichtig, dass nicht nur auf den Blühstreifen etwas passiert, sondern auch in der Mitte, wo nichts gemacht wurde“, sagte Sprau.

Und auf der gesamten Fläche der beiden Versuchsäcker passierte etwas, wie der Botaniker des Nabu, Siegfried Kramp, bei der Vorstellung der Auswertung des Jahres 2018 sagte. So erfassten die Nabu-Mitglieder bei Begehungen auf der Fläche Auf dem Hahn 134 Pflanzenarten. Von den 47 Pflanzen der Saatmischung sind 29 aufgegangen. Wobei Kramp erwähnte, dass in der Mischung auch zweijährige Pflanzen gewesen seien, die zum Teil schon im ersten Jahr aufgegangen seien. Am Godelsteiner Hang wurden 97 Pflanzenarten erfasst. Dort sind 21 der 47 gesäten Pflanzen aufgegangen.

„Dort wo viel wächst, sind auch viele Insekten“, ist die Erfahrung des Landwirts. Und das zeigte sich auch bei Insekten und Schmetterlingen. Wobei der Bio-Geograph Guth darauf hinwies, dass es sich lediglich um eine Sichtung und eine Fotodokumentation handele. Eine faunistische Arterfassung könnte nur durch Einfangen erfolgen. „Aus artenschutzrechtlichen Gründen haben wir darauf verzichtet“, erklärte Guth.

Kramp nannte bei seiner Aufzählung einige Pflanzen und erläuterte deren Bedeutung. Herz zählte dann einige Schmetterlings- und Insektenarten auf den beiden Flächen auf. Dabei waren zum Beispiel mit dem Großen Schillerfalter, dem Himmelblauen Bläuling oder dem Schwalbenschwanz auch einige Arten, die auf der Roten Liste stehen. Herz: „So viele Schwalbenschwänze wie auf dem Hahn habe ich die letzten 20 Jahre nicht mehr gesehen.“

Die vielen Pflanzen auf der Fläche locken auch viele Insekten an. Foto: Nabu

Deshalb kommt der langjährige Nabu-Vorsitzende zum Ergebnis: „Das ist schon jetzt ein voller Erfolg.“ Auch wenn das Projekt noch drei Jahre läuft. Andreas hoffte bei dem Pressegespräch, dass sich das Ergebnis bestätigt und sich die Erfolge der beiden Pilotprojektflächen auf andere Flächen übertragen lassen. „Dann können wir etwas gegen das Insektensterben und für die Artenvielfalt tun.“  Sprau kündigte an, dass er bei der Stiftung Natur und Umwelt nachfragen werde, ob es nicht Gelder von den Windpark-Ausgleichszahlungen für ein größeres und längerfristiges Projekt geben könnte.