Serie Einer von uns Erlebtes in Bildern verewigt

Althornbach/Hornbach · Der Ex-Soldat Joachim Lüttge zeigt sein künstlerisches Schaffen in der Kirche in Hornbach.

 Joachim Lüttge mit einer Ausstellungsbesucherin.

Joachim Lüttge mit einer Ausstellungsbesucherin.

Foto: Norbert Schwarz

Weit mehr als 600 Bilder in Öl, Zeichnungen und Skizzen schuf Hobbykünstler Joachim Lüttge aus Althornbach. Ein Querschnitt aus diesem riesigen Bilderfundus ist derzeit in der Klosterkirche von Hornbach zu sehen. Ein Blickfang: Das Kreuzigungsbild hinter dem Altar des historischen Gotteshauses.

Dieses Bild von respektabler Größe besticht wie alle Werke von Joachim Lüttge durch seinen bildhaften Ausdruck. Es nimmt den Betrachter  vom ersten Augenblick an regelrecht gefangen, vermittelt ein Dabeisein, ein Teilhaben am Geschehen. Es sind nicht die bekannten Gesichtszüge, mit denen der Gekreuzigte zusammen mit den beiden Schwerverbrechern zur Rechten und Linken sonst üblicherweise dargestellt wird. Nein, es sind Gesichtszüge, welche im Leben des Kunstschaffenden in der Vergangenheit ein Rolle spielten. Welche das sind, verrät Lüttge nicht.

Das nicht allein die Ausstellung dominierende Bild bei der Orgelempore hinter dem Altar ist in Brauntönen gehalten, dennoch bewirken der dunkle Himmel, die schlafenden Bewacher, das Lagerfeuer eine ergreifende Stimmung bei vielen Bildbetrachtern. Ölbilder auf Leinen sind die Spezialität von Joachim Lüttge, der Mitte der siebziger Jahre erstmals zum Pinsel griff. Seine künstlerischen Neigungen in einem Kunstverein noch mehr zu verfeinern kam Joachim Lüttge nie in den Sinn. Das Weiterbilden  und Verfeinern vollzog sich vielmehr bis zum heutigen Tag autodidaktisch.

„Die Wiedergabe des Gesehenen“ ist bei der Malerei die Richtschnur von allem Anfang an gewesen und machen die Lüttge-Bilder deshalb lebendig und einfühlsam zugleich. Die zum Erntedank-Monat gezeigten Schaffenswerke wie etwa die drei Kartoffelsäcke oder im Garten geernteter Weißkohl, Kraut und Wirsing sind dafür Beispiel. Porträts von Menschen, Wegbegleitern und insbesondere Familienmitgliedern lassen das vielfältige Schaffen des Künstlers offenkundig werden, verströmen zugleich Ausdrucksstärke und Liebe zu den Porträtierten, wie die Bildnisse der Enkelkinder oder Personen in fernen Ländern zeigen, etwa das von Abas Abdulrhman aus der Provinz Bakhtaran im Iran am Fluss Sirwan.

Den Wasseraufbereitungsspezialisten der Bundeswehr und Zweibrücker Fallschirmjäger Joachim Lüttge hatte der militärische Befehl in das Flüchtlingslager beordert, wo 60 000 kurdische Flüchtlinge auf Hilfe warteten, insbesondere aufs lebensnotwendige Wasser. Von April bis Juni 1991 ist Joachim Lüttge vor Ort gewesen, erlebte menschliche Schicksale und half mit seinem nimmermüden Einsatz Not zu lindern. In einem persönlichen Brief, den der Lagerchef an die Heimatadresse nach Althornbach schickte, wurde dafür dem „Soldaten“ Lüttge gedankt.

Vieles Elend fanden auf diese Art und Weise auch in den Bildern Ausdruck, die Ausstellung gibt auch darüber einen umfangreichen Einblick. Sehen, aufnehmen, verarbeiten – das sind die Schritte des Künstlers Joachim Lüttge, der eigentlich, obwohl einer Soldatenfamilie entstammend, evangelischer Missionar werden sollte. Die schulischen Leistungen dafür waren gegeben, der Weg eigentlich vorgezeichnet,. Dann allerdings kam die abgeschlossene Drogistenlehre, die Einberufung zur Bundeswehr, die Aufnahme bei den Zweibrücker Fallschirmjägern und letztlich die Verwendung bei den damals gleichfalls in Zweibrücken stationierten ABC-Einheiten, welche den Spezialisten Lüttge in viele Länder des nahen und fernen Orients führte.

Das Malen allerdings ist bis zur Gegenwart seine große Passion des Pensionärs geblieben, die aus der Umgebung und der westpfälzischen Heimat dazu. Ob Kartoffelernte, Bauern beim Pflügen im Hornbachtal wie es einst einmal gewesen ist oder der Straßenbau im Heimatort Althornbach.