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Erich Ehrmann aus Contwig: 70 Jahre Chor-Gesang

Erich Ehrmann seit 70 Jahren in Contwiger Chor : „Erich, sing mal!“

Bei der Feier zum 175-jährigen Jubiläum des Contwiger Kirchenchors wurde Tenorsänger Erich Ehrmann für 70 Jahre Chorgesang geehrt. Der gelernte Schneider singt von Kindesbeinen an. Das Leben des Chorsängers und Fanfarenbläsers ist geprägt von Musik.

„Erich, sing mal!“ Wie oft hat Erich Ehrmann diese Aufforderung im Laufe seines Lebens gehört. Ganz gleich, wo er hinkam, war der Tenor mit seiner reinen, tragfähigen und doch weichen, modulationsfähigen Stimme gefragt. Mitte November wurde der 84-jährige Sänger im Katholischen Kirchenchor St. Laurentius Contwig im Rahmen des 175-jährigen Chorjubliäums für 70 Jahre Ehrenamt als Sänger ausgezeichnet. Bischof Karl-Heinz Wiesemann persönlich ehrte ihn mit seiner Unterschrift in einer Urkunde für „sieben Jahrzehnte Dienst der Musica Sacra, der Heiligen Musik, als Vorbild für alle Sängerinnen und Sänger, dem es nachzueifern gilt“. Die kleine Laudatio hatte die Kirchenchor-Vorsitzende Christa Conrad gehalten.

Erich Ehrmann war mit Musik groß geworden. Seine Kinderzeit hatte er bei seiner Mutter, einer Schneiderin, in der Nähstube der Schneiderwerkstatt verbracht. Er erinnert sich: „Dort wurde immer gesungen, mit allen Lehrmädchen und -Buben, Gesellinnen und Gesellen zusammen.“ Als Grundschüler bekam Erich ein kleines Schifferklavier, auf dem er dann den gemeinsamen Gesang begleitete. Im Alter von 14 Jahren bekam er ein größeres Akkordeon und durfte zum Musikunterricht nach Stambach fahren.

Das Singen war seine große Freude und entwickelte sich von den anfänglichen Volksliedern weiter, als er in den Kirchenchor aufgenommen wurde. „Wir haben schon als Volksschüler in der Kirche von der Empore gesungen. Das hat mir Spaß gemacht und so bin ich in den Kirchenchor gekommen.“

Eugen Boßlet sei damals nicht nur ein sehr guter Chorleiter gewesen, sondern für den Waisenknaben wie ein Vater. Ursprünglich stammt Erich Ehrmanns im Krieg verstorbener Vater aus Jägersburg. Dieser war als Vollwaise bereits in jungen Jahren nach Contwig gebracht worden, weil dort der Name Ehrmann vertreten war, wenngleich keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen bestanden. Bei einer Hochzeit hatte er Erichs Mutter in Clausen kennengelernt und diese war ihrem Mann ins Zweibrücker Land gefolgt.

Erich Schneiders Vater war im Zweiten Weltkrieg gefallen und der Halbwaise fand mit dem Kirchenchor seine Sanges-Familie. Er lächelt: „Sofort hatte ich viele Väter, die sich alle um mich gekümmert haben.“ Unter den anderen Chorknaben fand er auch schnell Freunde und gute Kameraden in dem gemeinsamen Hobby. Gerne erinnert sich Erich Schneider an die schöne Zeit, wenn am Samstag vor und am Sonntag nach dem musikalisch gestalteten Gottesdienst gemeinsam gelernt und geprobt wurde.

Notgedrungen trat der Contwiger beruflich als Schneider in die Fußstapfen seiner Mutter. Denn um seinen Traum zu erfüllen und Autoschlosser bei John Deere zu werden, fehlten ihm Kontakte und Fürsprache.

Als Fanfarenbläser gehörte der begnadete Sänger mit der wunderschönen Stimme zudem ab 1960 50 Jahre lang dem Contwiger Spielmannszug an bis zu dessen Auflösung im Jahr 2010. Außerdem spielte Erich Ehrmann gerne Schach und Skat – und zwar mit Erfolg. Davon zeugen zahlreiche Urkunden.

Doch seine größte Leidenschaft ist und bleibt das Singen. Bereits bei der Bundeswehr war er als bester Sänger bekannt und seine Lieder beliebt. Seine Ehefrau Erika, lange Jahre Vorsitzende der katholischen Frauen (kfd), lernte er bei der Contwiger Kerb kennen und lieben und sie folgte ihm als Sängerin in den Kirchenchor. So war das Ehepaar nicht nur mit den Sängern, sondern auch mit den Gemeindefrauen häufig unterwegs und Erich Ehrmann unterhielt die muntere Schar bereits während der Busfahrten mit seinen Liedern.

„Erich, sing mal!“, hieß es einst auch in einer Gaststätte in Rüdesheim. Als der Besitzer dies verbot, zog die Reisegruppe weiter in das nächste Gasthaus, in dem an diesem Tag kein Stuhl frei blieb, weil sich die Touristen alle von der heiteren Stimmung und dem fröhlichen Gesang angezogen fühlten.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters sang der Geehrte auch bei dem Festgottesdienst im Oktober anlässlich des 175-jährigen Chorjubiläums kraftvoll mit. Das Ehepaar fürchtet allerdings, auf Grund der nach Stammbach verlegten Proben künftig nicht mehr im Chor mitwirken zu können. Doch nach wie vor wird Erich Ehrmann zu Hause weiterhin seine schöne, klare Tenor-Stimme erschallen lassen.