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Eine Feier wird zum ÄrgernisClevere Ideen gesucht

Eine Feier wird zum ÄrgernisClevere Ideen gesucht

Zweibrücken. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Und dass diese Schatten schwarz wie die Nacht sind, erachten einige Bürger der Rosenstadt als offenkundig symbolisch. Sie sehen nämlich schwarz angesichts der Planungen für das Großereignis 600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken

Zweibrücken. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Und dass diese Schatten schwarz wie die Nacht sind, erachten einige Bürger der Rosenstadt als offenkundig symbolisch. Sie sehen nämlich schwarz angesichts der Planungen für das Großereignis 600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Und machten gestern bei der neuesten Auflage der Diskussionsrunde "Merkur im Dialog" im Mehrgenerationenhaus am Schloss keinen Hehl aus ihrem Unmut bezüglich der Planungen für die Feierlichkeiten. Allen voran der Kurier des Herzogs, Werner Euskirchen: "Dieses Jubiläum ist eine einmalige Chance für die Stadt Zweibrücken, sich werbewirksam in Szene zu setzen und touristische Akzente zu setzen. Aber diese Chance wurde bislang vertan", ärgerte er sich. Euskirchens Vorwurf: Die Stadtverwaltung, vor allem das mit der Federführung betraute Kulturamt, brüteten im stillen Kämmerlein, nach eigenem Gutdünken aus, wie die Feierlichkeiten abzulaufen hätten. "Und die Bürger sind außen vor, sie werden nicht gefragt, welche Vorschläge sie denn einbringen könnten", rügte der Kurier des Herzogs. Der Zweibrücker Manfred Hilgert schloss sich Euskirchens Kritik an. Hilgert schickte voraus: "Ich interessiere mich für die Geschichte dieser Stadt, aus diesem Grund habe ich die Ausbildung zum Stadtführer gemacht, damit ich selbst etwas dazulerne und auch Besuchern etwas über Zweibrücken vermitteln kann."Auch er habe den Eindruck, dass die Verwaltung keinen besonderen Wert darauf lege zu erfahren, mit welchen Ideen die Zweibrücker die Jubiläumsfeiern zu einer runden Sache machen könnten. Daneben beobachte er, dass es bis dato kein vernünftiges Informationsmaterial darüber gebe, mit welchen Veranstaltungen das historische Ereignis gewürdigt werden soll. Zweibrückens Oberbürgermeister Helmut Reichling und Kulturamtsleiter Thilo Huble zeigten sich verwundert über diese deutliche Kritik Euskirchens und Hilgerts. Reichling erwiderte: "Wir haben eine super Ausstellung der Bipontina dazu laufen, das Stadtmuseum beleuchtet sehr gelungen das Jubiläum in einer Schau." Seine Gattin Sigrid Hubert-Reichling ergänzte mit Blick auf die angeblich mangelnde Öffentlichkeitsarbeit: "Zu diesen Ausstellungen gab es im Vorfeld in der Presse zahlreiche Berichte." Kulturamts-Leiter Huble sagte: "Für das SWR4-Sommerfest erwarten wir rund 15 000 Besucher, im Rosengarten wird es entsprechende Veranstaltungen geben, der Höhepunkt der Feiern wird ein großer Umzug sein, zu dem sicher auch sehr viele Besucher kommen werden - man kann also nicht behaupten, dass wir nicht alles versuchen würden, touristisch das Beste aus dem Jubiläum zu machen."

Welche Substanz hat der Vorwurf mangelnder Bürgerbeteilung, fragte der Moderator der Runde, Merkur-Chefredakteur Michael Klein. Reichling stellte klar: "Je mehr Bürger sich beteiligen, desto besser. Wir werden demnächst einen runden Tisch veranstalten, zu dem auch Vereine eingeladen werden." Huble sagte mit Blick auf den Zeitplan, die Feiern erreichten ihren Höhepunkt am 3. Oktober. "Und jetzt haben wir erst Januar und draußen schneit es. . ."Zweibrücken. Lange Rede, kurzer Sinn: Jetzt sind die Bürger gefragt. Zu diesem Entschluss kamen gestern nach zum Teil hitziger Debatte die Diskutanten von "Merkur im Dialog".

Nach der Schelte von Werner Euskirchen und Manfred Hilgert, dass die Planungen für die Herzogtum-Feierlichkeiten an den Bürgern allzu offenkundig vorbeigingen, entschloss sich Zweibrückens Oberbürgermeister Helmut Reichling zu einem Aufruf an die Bürger: "Schlagen Sie Ideen vor, bringen Sie sich ein", so sein Appell. Dass - angesichts klammer Haushaltskassen - gerade dann originelle Ideen eine gute Chance auf Umsetzung haben, wenn diese mit möglichst geringen Kosten verbunden sind, verstehe sich von selbst, fügte der Oberbürgermeister hinzu. Eine eigene Idee, ja einen Herzenswunsch, brachte er selbst mit ein. "Ich fände es klasse, wenn wir zwölf Männer, angefangen vom jungen Erwachsenen bis hin zum 60-Jährigen, als Garnisonstruppe, als Mitglieder des ,Régiments Royal Deux Ponts', ausgestattet mit entsprechenden Uniformen, auf die Beine stellen könnten." Nicht nur für die Herzogtum-Feierlichkeiten sei eine solche Truppe ein Augenschmaus und ein würdiger Vertreter der Stadt. "Leider sind solche Uniformen nicht billig, aber wer weiß, vielleicht findet sich dafür ein Sponsor", so Reichlings Hoffnung. Aber selbst wenn die Finanzierung der Uniformen stünde, wäre es immer noch eine Herausforderung, zwölf Freiwillige zu finden. eck

Vorschläge für die Herzogtum-Feierlichkeiten nimmt der Merkur ab heute entgegen und übergibt sie dann gesammelt der Stadtverwaltung. E-Mail: merkur@pm-zw.de

"Es ist eine einmalige Chance für die Stadt. Aber die wird vertan."

 Werner Euskirchen (rechts) machte aus seiner Verärgerung über den Ablauf der Planungen keinen Hehl. Fotos: Jörg Jacobi
Werner Euskirchen (rechts) machte aus seiner Verärgerung über den Ablauf der Planungen keinen Hehl. Fotos: Jörg Jacobi

Werner Euskirchen über die Planungen für die Herzogtum-Feiern