Ein Zweibrücker im hohen Norden

Zweibrücken. Friedwolf Liebold hält überhaupt nichts davon, älter zu werden, sich in die Ecke zu stellen und zu sagen: "Heute ist ohnehin alles schlecht." Jedenfalls ist es dem Gründer und langjährigen Inhaber des Romantik-Hotels und Restaurants in der Zweibrücker Fasanerie im Ruhestand noch nie langweilig geworden

Zweibrücken. Friedwolf Liebold hält überhaupt nichts davon, älter zu werden, sich in die Ecke zu stellen und zu sagen: "Heute ist ohnehin alles schlecht." Jedenfalls ist es dem Gründer und langjährigen Inhaber des Romantik-Hotels und Restaurants in der Zweibrücker Fasanerie im Ruhestand noch nie langweilig geworden. Den verbringt der heute 72-Jährige, der 27 Jahre lang die Zweibrücker Gastronomie-Szene prägte, größtenteils in Schleswig-Holstein, wo seine Frau herkommt - und in Berlin, wo er ein Appartement besitzt. Doch obwohl er das Reizklima in Norddeutschland, die klare Luft und die Nähe zum Meer sehr schätzt, verschlägt es Liebold immer wieder nach Zweibrücken.Ich liebe die Stadt, die Menschen und die Mentalität", sieht sich Liebold auch heute noch mit der Rosenstadt verbunden, die sich seiner Einschätzung nach sehr zu ihrem Vorteil verändert hat. "Die Stadt hat sich viel positiver entwickelt, als die Menschen es wahrnehmen", ist der Gastronom überzeugt. Allee und Rosengarten präsentierten sich so schön wie nie. Und sogar beim Fahren durch die Stadt sehe man sofort, dass man sich in einer Rosenstadt befindet. Liebold meint damit in erster Linie die beiden mit Rosen bepflanzten Kreisel am Kino in Bubenhausen und an der Kreuzung Mörsbacher-Hofenfelsstraße, die er als besonders ansprechend und "ästhetisch schön" bezeichnet.Auch die barocke Herzogvorstadt mit Rathaus, Amtsgericht, Stadtmuseum und Mannlichhaus sei vorbildlich renoviert. "Für eine Stadt, die so wenig Geld hat, ist das eine große Leistung", findet Liebold und lobt auch das "gelungene" Hilgard-Center und das DOZ (Designer-Outlets-Zweibrücken). Gerade das DOZ ziehe Menschen an, die sonst nie nach Zweibrücken gekommen wären. Doch an einem mangelt es in Zweibrücken nach Einschätzung des Gastronomen: "Wir brauchen mehr Einzelhandelsgeschäfte mit Spezialsortiment." Liebold, der seine Wurzeln in der Kaffeebranche hat, kam im Jahr 1966 von Baden-Baden nach Zweibrücken und führte zunächst das Rosencafé. 1968 übernahm er die leer stehende und total heruntergekommene Waldgaststätte in der Fasanerie, renovierte sie aufwendig und machte sie zu einer der ersten Adressen in der Region. In den siebziger Jahren errichtete er am Hang über dem Gaststättenkomplex einen Hotelneubau - ein rundes Gebäude, bei dem die Zimmer um einen Swimmingpool angeordnet sind. In den achtziger Jahren ließ Liebold an den Rundbau mehrere Bungalows für Hotelgäste anbauen. Und das Rosengartenhotel mit seinen 47 Zimmern entstand.Bereits im Jahr 1974, zwei Jahre nach ihrer Gründung, war Liebold in die Romantik-Kooperation eingetreten - einem Zusammenschluss inhabergeführter Privathotels mit besonderem Ambiente, dem heute rund 200 Hotels in elf europäischen Ländern angehören. Dadurch gelang es ihm, deutlich mehr Privatgäste in sein Hotel zu bringen, was vor allem eine wesentlich bessere Auslastung der Fasanerie an den Wochenenden bewirkte. Die Hotel-Organisation hat zu Ehren des Gastronomen, der jahrelang ihre Geschicke mit bestimmte, den "Prix Romantik Liebold für europäische Werte und Tugenden" ausgelobt, der am 6. April dieses Jahres in Neapel zum ersten Mal verliehen wurde - an den Hamburger Kaffeeunternehmer Albert Darboven (wir berichteten). "Man behauptet ja von sich, man sei nicht eitel. Aber wenn so etwas kommt, ist man es schon", freut sich Liebold über die Ehre, Namenspate für diese Auszeichnung sein zu dürfen.

HintergrundRoland Zadra, Präsident der Hotel-Kooperation Romantik Hotels und Restaurants International, ist Liebolds Nachfolger als Chef des Fasanerie- und Rosengartenhotels. Dieser übernahm 1993 die beiden Häuser. "Es ist mir nicht ganz leicht gefallen. Aber die 25 Jahre, die ich hinter mir hatte, waren ganz schön hart", sagt Friedwolf Liebold heute. Und seit er im vergangenen Jahr sein Amt als Präsident der deutschen gastronomischen Akademie niedergelegt hat, kann er sich auch mehr seinen Hobbys widmen - Musik, Kunst, Lesen und Reisen. "Ich beginne jetzt, etwas mehr Zeit für Stille, meine Frau und mich zu haben", freut sich Liebold über das Mehr an Freizeit, das er gewonnen hat. gö